Feb 07 2014

Krise – welche Krise

Autor: . Abgelegt unter Politik - Wirtschaft - Soziales

Als einer der in einem – sagen wir mal – politisch eher links-alternativem Milieu sozialasiert worden ist, bin ich es gewohnt, die Welt von der Krise her zu denken. Wenn nun jemand daher kommt und behauptet, wir hätten allen Grund zum Optimismus, die Welt sei in den letzten Jahrzehnten entgegen anderslautender Gerüchte nicht schlechter, sondern besser geworden, so ruft das in diesem Fall natürlich erst einmal Abwehrreflexe hervor. Aber anstatt die Sache einfach als Unsinn abzutun, wollen wir sie uns doch einmal näher anschauen.
Der Jemand heißt in diesem Fall Michael Miersch, ist Journalist bei der Zeitung „Die Welt“ und wandte sich schon in den 1990er-Jahren zusammen mit seinem Kollegen Dirk Maxeiner recht provokativ gegen den vorherrschenden Ökopessimismus. Anfang dieses Jahres hat er seine Thesen im Rahmen einer Veranstaltung der FDP nahen Friedrich Naumann Stiftung vorgetragen und dabei angemerkt, dass eines der UN-Millenniumsziele, nämlich die Armut bis zum Jahr 2015 zu halbieren, schon jetzt erreicht sei.
Was ist dran, an dieser Behauptung? Nach der Definition der Weltbank gilt als arm, wer weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag für seinen Lebensunterhalt zur Verfügung hat. Dieser Wert soll sich laut Weltbank an der Kaufkraft insbesondere in den armen Ländern der Welt orientieren. Mit weniger als 1,25 Dollar täglich ist es demnach nicht möglich, seine grundlegenden Bedürfnisse an Nahrung, Kleidung und Obdach zu decken. Laut Weltbank ist die Anzahl jener Menschen, die unter dieser Grenze leben müssen, von 42 Prozent im Jahr 1990 auf 22 Prozent im Jahr 2008 gefallen. In absoluten Zahlen:
Die Anzahl extrem armer Menschen sank von 1,8 Milliarden im Jahr 1990 auf 1,4 Milliarden Menschen im Jahr 2008 und wird nach Schätzungen der Weltbank bis zum Jahr 2015 noch weiter auf 15 Prozent (und damit auf unter 900 Millionen) sinken. Auch der Anteil der hungernden Menschen konnte bis 2007 von 20 Prozent auf 16 Prozent der Weltbevölkerung reduziert werden. In Südostasien, Ostasien, Lateinamerika und der Karibik stehen die Chancen nach derzeitigen Schätzungen gut, die Zielvorgabe zu erreichen (Quelle: Aktion Deutschland hilft).
Das ist erst einmal ja in der Tat eine gute Nachricht. Dabei wird vielfach darauf hingewiesen, dass die Entwicklungen regional sehr unterschiedlich verlaufen sind. Der große Rausreißer ist China: dort fiel die Armutsrate von 55 Prozent im Jahr 1990 auf 14 Prozent im Jahr 2008. Schlecht sieht es dagegen in Afrika südlich der Sahara aus. Dort ist das Elend in den vergangenen Jahrzehnten noch größer geworden.
Dennoch müssen wir zugeben werden, dass der Kapitalismus, der von einigen Krisentheoretikern, wie etwa Robert Kurz, schon in den 1990er-Jahren quasi für erledigt erklärt worden ist, gerade im zurückliegenden Jahrzehnt wieder ordentlich Fahrt aufgenommen hat. Und dass das insbesondere vielen Chinesen, trotz aller Verwerfungen, scheinbar nicht schlecht bekommen ist. Allerdings sollten jetzt auch die Neoliberalen, die die Lösung aller Probleme in einer von jeglicher Regulierung befreiten Wirtschaft sehen, bei dieser Nachricht nicht allzu sehr auf den Busch klopfen. Denn die Wirtschaft des großen asiatischen Landes gedieh gerade durch die Strategie staatlicher Regulierung und eines staatlich verordneten Protektionismus besonders gut, der sukzessive für die verschiedenen Wirtschaftszweige erst dann aufgegeben wurde, wenn man sich fit für- und konkurrenzfähig auf dem Weltmark wähnte. Damit hat sich China nicht immer Freunde gemacht, aber es hat gewirkt.
Nichtsdestotrotz dürfen wir uns über die Verringerung der Armut freuen, dabei allerdings nicht vergessen, dass auch im Jahr 2015 immer noch über eine Milliarde Menschen in extremer Armut leben werden. Und in anderen Bereichen ist es mit der Erreichung der Millenniumsziele im Übrigen weit weniger gut gelaufen. (Dazu an anderer Stelle mehr).
Und überhaupt, allzu optimistisch sollten wir hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit des Kapitalismus nun auch nicht werden. Während China in historisch enorm kurzer Zeit eine immense Entwicklung erlebt hat, schwächelt der Kapitalismus zunehmend in den Regionen des alten Zentrums, der Triade Westeuropa, Japan und USA: hier jagt eine Schulden-, Währungs-, und Bankenkrise die nächste, geraten immer mehr Menschen in einen Sog von Arbeitslosigkeit, Armut und sozialer Verelendung.
Dennoch, aller Untetrgangsszenarien zum Trotz, hat sich der Kapitalismus immer wieder enorm widerstandsfähig erwiesen. Und wenn er schon nicht so bald durch etwas Besseres ersetzt werden kann, sollte man wenigstens versuchen, ihn selbst besser zu machen. Will man die Armut nicht nur halbieren sondern ganz abschaffen, muss man ihn politisch einhegen. Das ist doch immerhin auch noch ein sehr ehrgeiziges linkes Projekt.
Alte und verschleierte Frauen warten auf die Verteilung von Essensrationen
Und solange es noch solche Bilder gibt, dürfen wir uns nicht abfinden mit den Verhältnissen, so wie sie sind.

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Jun 14 2012

Kalmia

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Kalmiablüte im Moor
Kalmiablüte im Kolshorner Moorr. Mehr Infos: Hier klicken!

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Mai 23 2012

Boom und Bäng: Deutschland macht arm

Bankengebäude - Glasfront

Ausschau nach dem Jobwunder

Deutschlands wirtschaftliche und politische Eliten sind in Sektlaune. Die 2008 mit dem Bankencrash über die Welt hereinbrechende Krise scheint überwunden zu sein: Das Bruttosozialprodukt verzeichnet wieder Zuwächse und die Arbeitslosigkeit geht trotz aller Katastrophenszenarios der letzen Jahre deutlich zurück, angeblich jedenfalls. Im Mai 2012 ist die Zahl der Erwerbslosen laut Agentur-Statistik erstmals seit den neunziger Jahren unter die drei Millionen Grenze gesunken. Deutschland profitiere nun von Agenda 2010, meinen insbesondere die Vertreter der unternehmensnahen Wirtschaftsinstitute, die seinerzeit entscheidend an Schröders sogenannten Arbeitsmarktreformen mitgewirkt haben. Weniger feierlich ist allerdings den Geringverdienern und Langzeitarbeitslosen zumute, die immer noch vergeblich nach dem vermeintlichen Jobwunder Ausschau halten.
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Mai 09 2012

Gegen-Banken-Macht

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Transparent: Gegen Bankenmacht

Gegen Bankenmacht: blockupy-Bündnis Frankfurt auf der Kundgebung auf der Kundgebung zum 1. Mai in Hannover.

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Jan 22 2012

Ice-Berries

Autor: . Abgelegt unter Allgemein,Foto des Tages

Rote Beere mit Schnee
Letzten Winter!

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Jan 18 2012

In eigener Sache: Bye Bye Weinblaettchen!

Autor: . Abgelegt unter Editorial,Weinblättchen

Schild; ClosedDie Zeit des Weinblättchen geht – zumindest in dieser Form – zu Ende. Da ich mich entschieden habe, zukünftig wieder mehr zu den Themen Politik, Kultur und Soziales zu schreiben, werde ich diesen Weblog so nicht fortführen. Ein Online-Auftritt, der nicht regelmäßig aktualisiert wird, macht, insbesondere wenn es sich um ein Magazin oder um ein Weblog handelt, keinen Sinn. Einige Zeit wird er in der jetzigen Form noch zu erreichen sein. Auch die Domain bleibt vorerst erhalten. In einigen Monaten wird sie allerdings umziehen und dann auf mein in diesem Jahr gestartetes Projekt Pokus: Politik – Kultur – Soziales verweisen. Schon jetzt sind dort alle Beiträge zu finden, die bisher im Weinblättchen veröffentlicht wurden. Sollte indes ein würdiger Nachfolger zwischenzeitlich Interesse an dieser Domain haben, kann er oder sie gern mit mir in Verhandlung treten. Vielen Dank an alle, die das Weinblaettchen besucht und durch Gastbeiträge sowie durch ihr Interesse und ihre Kommentare an diesem Webauftritt mitgewirkt haben.
Achim Beinsen

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Dez 28 2011

Winter an der Küste

Sturm an der Ostseeküste

Schild: Sorry we`re closed

Spätestens im Oktober, wenn die Tage merklich kürzer werden und die Temperaturen deutlich nach unten gehen, kehrt in den deutschen Ferienorten an der Nord- und Ostseeküste eine fast gespenstische Ruhe ein. Strand-Bars und Strand-Kioske, Kneipen, Souvenirläden und selbst Lebensmittelgeschäfte schließen für die nächsten Monate ihre Türen. Die Strände haben sich geleert. Kalter Wind wühlt die See auf, fegt über das Land, die gelben Gräser am Strand wiegen sich in seinen pfeifenden Böen. Der dunkle und von Wolken verhangende Himmel gewährt nur trübes Zwielicht, das alles in eine morbide Atmosphäre taucht. Sie beschwört eine Szenerie, die als Kulisse für Geschichten von Ende, Verlassenheit und Einsamkeit gemacht zu sein scheint. Die Orte wirken wie zu Geisterstädten mutierte Stätten ehemals quirliger Geschäftigkeit. Werbetafeln und Plastikbanner locken in bunten Bildern vor verschlossen Türen mit Coca Cola, Eiskrem, Fischbrötchen oder Döner. Jetzt dienen sie nur noch dem Sturm als Schlagwerk und Orgelpfeifen für seine winterlichen Symphonien.

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Dez 02 2011

Weinberatung: Wer kann es am besten?

Autor: . Abgelegt unter Weinblättchen

Guten Wein gibt es auch in Getränke-Discountern oder im Supermarkt. Das Problem besteht nur darin, ihn unter all dem Ungenießbaren zu finden. Weinblättchen hat bereits vor einiger Zeit einmal einige Tipps gegeben, worauf man beim Weinkauf im Supermarkt achten sollte. Wer jedoch eine spezielle Beratung braucht, sollte doch lieber gleich in den Fachhandel gehen. Auch dort findet man erschwingliche Tröpfchen und dazu meistens gleich noch jemand, der sich auskennt. Wo es die beste Beratung gibt, hat nun das Deutsche Institut für Service-Qualität bei sieben überregionalen Weinhandels-Filialisten im Rahmen von 70 verdeckten Testbesuchen geprüft.
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Nov 16 2011

“Ich möchte Weintrinker sein!” In Memoriam: Franz Josef Degenhardt

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Zum Tod von Franz Josef Degenhardt – hier klicken!

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Nov 09 2011

No Go oder Must Be? Zucker im Tee!

Autor: . Abgelegt unter Allgemein

“Na – wenn’s also keinen Tee gibt, dann wollen wir wenigstens ein bißchen philosophieren“ sagt Werschinin in Anton Pavlovič Čechovs Drama „Drei Schwestern“. Mehr Spaß macht es natürlich, bei einem Tässchen Tee zu philosophieren; zum Beispiel über die Frage, ob und wie man den Tee süßen sollte. Für die meisten Tee-Puristen ist Zucker im Tee ein absolutes No-Go. Zucker im Tee wäre Selbstbetrug, behaupten manche, denn der eigentliche Teegeschmack sei dabei gar nicht mehr wahrzunehmen.

Der britische Tee-Importeur Stephen Twining etwa meint, Zucker sei so dominant, dass er den Eigengeschmack des Tee überdecke. Twining: „Tee ist keineswegs bitter, wenn Sie ihn richtig zubereiten: Wichtig ist, die richtige Ziehdauer einzuhalten. Die optimale Zeit steht auf jeder Verpackung. Das Wasser soll vorher nicht schon einmal aufgekocht worden sein.“ Milch im Tee, das lässt der Teehändler gerade noch gelten. Er ist eben ein echter Brite.

Natürlich werden von den Zucker-Gegnern auch gesundheitliche Gründe ins Feld geführt. Zucker reize die Bauchspeicheldüse und könne langfristig zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen. Und Süßstoff? Obwohl das wahrscheinlich noch nicht ganz erwiesen ist, stehen einige darin enthaltene Substanzen im Verdacht, krebserregend zu sein.

Egal, alles was Spaß macht ist ohnehin schädlich, werden die notorischen Zucker-im-Tee-Verfechter wohl einwenden. Aber bevor man sich jetzt den nächsten Löffel Zucker in den Tee schaufelt, sollten vielleicht erst einmal die möglichen Alternativen in Betracht gezogen werden. Da käme als erstes Honig infrage. Der wirke als natürlicher Geschmacksverstärker und enthalte lebenswichtige Minerale und Nährstoffe, postet etwa robertru im Online-Portal gutefrage.net .

Und Nicole Quast, “Expertin für Yoga, Abnehmen und Diat”, empfiehlt auf experto.de nicht etwa das Süßholzraspeln, sondern die Verwendung von Süßholz im Tee. Okay, man kann das ja alles einmal ausprobieren. Und wenn es nicht schmeckt, notfalls doch wieder zum bewährten Zucker, ob weiß, braun oder als Kluntje, wie es der Ostfriese mag, zurückkehren. Oder den Tee vielleicht doch ungesüsst trinken!?

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Nov 09 2011

Herbst im platten Land

Autor: . Abgelegt unter Allgemein,Foto des Tages

Acker in der Region Hannover

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Okt 05 2011

Was guckst du?

Autor: . Abgelegt unter Allgemein,Foto des Tages

Weißer Boxer
Selten: Ein weißer Boxer

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