„Mit ins Boot gesprungen“

„Mit ins Boot gesprungen“
Ein Bewohner aus einer ehemaligen Flüchtlingsnotunterkunft in Hannover erzählt über die Beweggründe und Umstände seiner Emigration
Tarek stammt aus Syrien. Er ist in einer kurdisch geprägten Region aufgewachsen, dort, wo Anfang des Jahres 2018 die türkische Armee einmarschierte. Tarek floh im Jahr 2011 vor dem Krieg in Türkei. Fünf Jahre hat er dort gelebt und Computertechnologie studiert. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich mit Jobs als Übersetzer für Türkisch und Arabisch. „Die Lebensumstände in der Türkei waren nicht besonders gut“, sagt Tarek. Und in den Jahren 2015 und 2016 seien alle auf der Durchreise nach Deutschland gewesen. „In Deutschland ist das Leben einfacher, dort gibt es Hilfen“, habe man ihm gesagt: „Da bin ich mit ins Boot gesprungen“. Ursprünglich wollte er sich nach seinem Studium in der Türkei eine Arbeit suchen. Mehr lesen

Wohin jetzt mit dem Lutherkeks

Wohin jetzt mit dem Lutherkeks
Früher, als ich noch in der Stadt lebte, bin ich manchmal  in die evangelische Kirche um die Ecke gegangen. So geschah es auch an jenem Herbstsonntag im Oktober 2013. Als ich die Kirche betrat, merkte ich indes gleich, das irgend etwas anders war als sonst. Vor dem Regal mit den Gesangbüchern war beispielsweise ein Tisch aufgebaut, der den Griff zu den Büchern per se verhinderte. Stattdessen bekam ich von einer freundlich lächelnden Gemeindehelfern hinter dem Tisch ein kleines Heftchen in die Hand gedrückt. Außerdem bat man mich, doch in den ersten Bankreihen Platz zu nehmen, damit alle näher zusammen seien. Ich tat wie mir geheißen und schaute auf das Heftchen: „Jugendgottesdienst“ stand da in fetten Lettern. Au weia. Mir schwante Schlimmes. Aber um unauffällig das Weite zu suchen, war es jetzt schon zu spät. Da musste ich also durch. Pünktlich um zehn stand eine der nicht mehr ganz so jugendlichen Kirchenbesucherinnen auf und eilte zur Kanzel. „Hallo“, begrüßte sie die Anwesenden: „meine Name ist Soundso und ich heiße Sie im Namen des Kirchenvorstandes herzlich willkommen. Echt toll, dass Sie so zahlreich zu unserem Jugendgottesdienst erschienen sind. Ich will auch gleich an unsere Jugendlichen weitergeben, die diesen Gottesdienst heute vorbereitet haben.“ Von nun an steuerten also vier smarte Teennager das Geschehen. Als Einstand gab es statt Kyrie und Gloria erst einmal zwei mit der Gitarre begleitete Songs der Marke 80er-Jahre Kirchenpop. Bei dieser Musikgattung würde ich zuhause konsequent das Radio abdrehen. Aber eine solche Option schied hier ja aus. Mehr lesen

Wir wissen nicht mehr, wo wir hingehören

(Der Flüchtlingsrat, Sonderheft 117 - 2007: „Wir wollen leben, wie Menschen es verdient haben!“ Flüchtlinge im Portrait) Wie so häufig in den letzten Monaten ist die drohende Abschiebung auch heute wieder das beherrschende Thema bei den Beqiroviqs. Zu Gast ist Matthias Köhler, der Chef des Familienvaters. Aus den hinteren Zimmern tönt Kinderlärm. Bei Kaffee und Kuchen wird über Petition, Härtefallantrag und Bleiberechtsregelung geredet. "Die ist aber noch ganz schön eisig", bemerkt Matthias Köhler zwischendurch mit einer kleinen Geste in Richtung Kuchen. "Tut mir Leid", erwidert Jupo Beqiroviq und lächelt verschmitzt. Mehr lesen

Richter und Rentner

Über einen der langen Flure im Amtsgericht Hannover schlurft ein kleiner, etwas untersetzter Mann mit runzeliger Nase und ungesunder rötlicher Gesichtsfarbe, der das Alter von 60 Jahren bereits deutlich überschritten zu haben scheint. Vor dem Sitzungssaal 2236 des Strafgerichts schaut er auf den Verhandlungsplan. „Wat gibt es denn wieder Spannendes?!“ murmelt er vor sich hin. "Kommt ihr wegen Siecken?" Außer ihm haben sich hier noch einige angehende Journalisten eingefunden, die über den heutigen Verhandlungstag etwas zu Papier bringen wollen. Ob sie wegen Richter Siecken kämen, will der Alte von ihnen wissen. Kopfschütteln. Mehr lesen