Jun 27 2016

Lutherkeks

Autor: . Abgelegt unter Geschichten

Immer wieder gern gelesen:

Wohin jetzt mit dem Lutherkeks?

lutherkeks

Viele Altkatholiken haben es aufgrund der alt-katholischen Diaspora-Situation bekanntlich ziemlich weit zu ihrer Kirche. Ich selbst kann von Glück sagen, dass meine nur am anderen Ende der Stadt – und nicht wie bei vielen anderen gleich am anderen Ende des Bundeslandes liegt. Wenn mir aber manchmal selbst das zu weit ist, beispielsweise weil ich gerade wenig Zeit habe aber trotzdem einen Sonntagsgottesdienst besuchen möchte, dann gehe ich auch schon mal in die evangelische Kirche hier gleich bei uns um die Ecke.
So geschah es auch an jenem Herbstsonntag im Oktober 2013. Als ich die Kirche betrat, merkte ich indes gleich, das irgend etwas anders war als sonst. Vor dem Regal mit den Gesangbüchern war beispielsweise ein Tisch aufgebaut, der den Griff zu den Büchern per se verhinderte. Stattdessen bekam ich von einer freundlich lächelnden Gemeindehelfern hinter dem Tisch ein kleines Heftchen in die Hand gedrückt. Außerdem bat man mich, doch in den ersten Bankreihen Platz zu nehmen, damit alle näher zusammen seien. Ich tat wie mir geheißen und schaute auf das Heftchen: „Jugendgottesdienst“ stand da in fetten Lettern. Au weia. Mir schwante Schlimmes. Aber um unauffällig das Weite zu suchen, war es jetzt schon zu spät. Da musste ich also durch.
Pünktlich um zehn stand eine der nicht mehr ganz so jugendlichen Kirchenbesucherinnen auf und eilte zur Kanzel. „Hallo“, begrüßte sie die Anwesenden: „meine Name ist Soundso und ich heiße Sie im Namen des Kirchenvorstandes herzlich willkommen. Echt toll, dass Sie so zahlreich zu unserem Jugendgottesdienst erschienen sind. Ich will auch gleich an unsere Jugendlichen weitergeben, die diesen Gottesdienst heute vorbereitet haben.“ Von nun an steuerten also vier smarte Teennager das Geschehen.
Als Einstand gab es statt Kyrie und Gloria erst einmal zwei mit der Gitarre begleitete Songs der Marke 80er-Jahre Kirchenpop. Bei dieser Musikgattung würde ich zuhause konsequent das Radio abdrehen. Aber eine solche Option schied hier ja aus.
Die Lesung der Epistel wurde durch einen von den Jugendlichen vorbereiteten und mit Powerpoint animierten Lichtbildervortrag ersetzt. Und da sich dieser Sonntag in zeitlicher Nähe zum Reformationstag befand, handelte der Vortrag natürlich vom großen Kirchenreformator Martin Luther. Luther, so erfuhr man, habe zum Glück den ganzen katholischen Ballast über den Haufen geworfen und das Christentum wieder auf seine Wurzeln zurück geführt. Was sonst noch so darin vorkam, weiß ich nicht mehr. Vielleicht, weil ich mich zu sehr über diese meiner Meinung nach arg verkürzte Sichtweise ärgerte. Ich gebe zu, ich musste mich an dieser Stelle innerlich schon stark zu der gebotenen ökumenischen Toleranz zwingen. Eine meiner schlechten Eigenschaften ist es, mich schnell aufzuregen.
Für das Evangelium und die Predigt hatten sich die Jugendlichen etwas richtig Schönes zum Mitmachen ausgedacht. „Wir lesen das jetzt abschnittsweise vor, und dann wollen wir mal hören, was euch dabei so einfällt“, lautete die Ansage. Gesagt, getan. Es ging an jenem Tag um die Heilung des Aussätzigen durch Jesus Christus, ich glaube nach Lukas 5: „Und es begab sich, als er in einer Stadt war, siehe, da war ein Mann voller Aussatz.“ Hier unterbrach der junge Mann seinen Vortrag zum ersten Mal und schaute erwartungsvoll in die Reihen der Kirchenbesucher. „Was meint ihr denn, wie sich der Aussätzige da so gefühlt hat“, fragte er nach. Schweigen.
Hier in unserem Stadtteil gibt es eine kleine Wohneinrichtung für geistig behinderte Menschen, und einige von ihnen besuchen regelmäßig den evangelischen Sonntagsgottesdienst in dieser Kirche. Ihre einfache und unmittelbare Frömmigkeit finde ich immer wieder recht erfrischend. Nachdem auf die Frage des Jugendlichen hin einige Minuten Schweigen geherrscht hatte, rief eine der Behinderten fröhlich aus: „Guut!“. „Gut? Hmm.“ Das war wohl irgendwie die falsche Antwort, die Jugendlichen machten einen pikierten Eindruck und setzten ihren Vortrag in diesem Stil – also immer wieder mit Rückfragen garniert – fort.
Das Ganze zog sich quälend und zäh in die Länge. Die Behinderten wagten nichts mehr zu sagen. Indes kam langsam Unruhe in ihren Reihen auf. „Du bleibst jetzt hier“, herrschte einer seine Begleiterin an. „Lass mich in Ruhe“, schimpfte die zurück und machte Anstalten, sich Richtung Ausgang zu bewegen. Ein scharfes Gezischel von den Anwesenden um sie herum hielt sie jedoch davon ab. Die Jugendlichen machten einen noch pikierteren Eindruck.
Behinderte haben ein gutes Gespür für seltsame Situationen. Wie gern hätte auch ich sang und klanglos diesen Ort verlassen. Aber das war leider nicht möglich ohne Aufsehen zu erregen. Irgendwann war das Frage-Antwort-Spiel ja auch vorbei. Alle atmeten merklich auf.
Jetzt meldete sich zum ersten Mal die in der ersten Reihe sitzende Pastorin in ihrem schwarzen Talar zu Wort: „So, und nun wollen wir alle mal nach vorn kommen und einen Kreis um den Altar bilden“, gab sie bekannt. Ich wollte zwar eigentlich nicht, aber andererseits eben auch kein Aufsehen erregen. Also ging ich mit. Als sich alle versammelt hatten, gab die Pastorin den Zweck des Arrangements bekannt: „Wir verteilen hier nun einen Lutherkeks, den wir nach dem Gebet zum Zeichen der Verbundenheit alle gemeinsam essen wollen. Aber bitte alle zusammen“, ermahnte sie noch einmal eindringlich.
Die Kekse – Butterkeks mit dem Lutherwappen drauf – wurde verteilt, auch ich nahm notgedrungen einen entgegen. Aber ich konnte jetzt doch unmöglich hier mit den Anwesenden einen Lutherkeks essen. Man mag mir diesen unökumenischen Impuls verzeihen, aber ich fühlte mich in dieser Situation alles andere als verbunden. Dem, was sich in mir angesichts dieser meinem Empfinden nach unmöglichen Inszenierung einer vorgetäuschten Eucharistie abspielte, wird man vielleicht noch am ehesten mit der Begriff „Fremdschämen“ gerecht. Und überhaupt, diese katholikenfeindlichen Ausführungen vorneweg: nein, hier irgendetwas zum Zeichen der Verbundenheit zu tun, das ging rein gar nicht. Da hätte ich am nächsten Tag nicht in den Spiegel gucken können.
Die Behinderten in unserem Kreis schienen sich da weit weniger Gedanken zu machen. Sie mümmelten trotz der Ermahnung des Pastorin fröhlich ihre Kekse, noch bevor jene das Startsignal zum gemeinschaftlichen Verzehr gegeben hatte. Und ernteten dafür wieder pickierte Blicke, diesmal nicht nur von den Jugendlichen, sondern auch von der Pastorin.
Die haben irgendwie ein intuitives Gefühl dafür, ob etwas wirklich heilig ist oder ob nur so getan wird, ging mir durch den Kopf. Ich fand jedenfalls, die Behinderten machten hier von allen Anwesenden noch die beste Figur.
Im Gegensatz zu mir, denn mir bereitete die Frage, was tun mit dem Keks, nun wirklich ernsthaftes Kopfzerbrechen. Ich hielt das lutherische Gebäck in der rechten Hand, die ich auf das Zeichen zum Keksessen hin ein wenig Richtung Kopf bewegte und dann wieder sinken ließ. Dabei hielt ich den Keks so mit der Handfläche bedeckt, dass meine Verzehrverweigerung nicht groß auffallen konnte.
Bis hierhin war die Angelegenheit also einigermaßen gut gegangen. Dann allerdings brachte mich die Pastorin jäh noch tiefer in die Bredouille: „Jetzt fassen wir uns alle bei den Händen und sprechen zusammen das Vaterunser“, lautete ihre neuerliche Regieanweisung. Oh nein, bei den Händen fassen, wohin jetzt bloß mit dem Keks. Fieberhaft sann ich über einen Ausweg aus dieser völlig verfahrenen Situation nach. Dabei viel mein Blick auf das Lesepult beziehungsweise den Ambo (ich weiß nicht genau, ob diese Bezeichnung in evangelischen Kirchen noch üblich ist?), der sich ein Stück weit rechts hinter mir befand. Ich schaffte es tatsächlich noch vor dem allgemeinen Händefassen, den Keks dort einigermaßen unauffällig auf einer Ablage zu platzieren.
Jetzt sann ich allerdings darüber nach, wie ich weiter mit dem Keks verfahren sollte. Einfach liegen lassen? Das fand ich nicht so gut. In die Tasche stecken und mit nach Hause nehmen? Irgendwie entsorgen?
Ich war mir schon darüber klar, dass es sich hier einfach nur um einen Keks und um keine konsekrierte Hostie handelte. Dass hier etwas stattgefunden hatte, was nie und nimmer eine Eucharistiefeier sondern lediglich das Nachspielen einer solchen war– ich es hier also letztlich mit etwas Profanem tun hatte. Und trotzdem: Mein Ehrfurcht vor der Eucharistie war und ist so groß, dass ich nicht willentlich respektlos mit etwas umgehen kann, was auch nur im Entferntesten daran erinnert.
Nachdem das Gebet beendet war, schnappte ich mir also unauffällig den Lutherkeks und kehrte an meinen Platz zurück. Auf den Gedanken, den Keks jetzt noch, also in einem eher unverfänglichen Kontext, zu verzehren, kam ich komischerweise gar nicht. Ich legte das Liedheftchen auf die Ablage vor meiner Bank und platzierte den Keks deutlich sichtbar auf dem Heftchen. Nach dem Schlusssegen verließ ich eilends die Kirche. Draußen angekommen, atmete ich auf. Das war geschafft. Die Verantwortung für das weitere Schicksal meines Lutherkekses hatte ich jetzt also an die Urheber dieses Events zurück gegeben. Damit konnte ich einigermaßen leben.
Allerdings: in dieser Kirche war ich bisher noch nicht wieder.

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Dez 29 2015

“Sicheres Herkunftsland”

Autor: . Abgelegt unter Politik,Über Flucht und Asyl

Stacheldraht

Arben H.* aus Kosovo ist stinksauer. Die südserbische Provinz Kosovo – die sich im Jahr 2008 für unabhängig erklärte – gilt neben Albanien und Montenegro jetzt als sicheres Herkunftsland. So wurde es im Rahmen der neuen Asylgesetze Ende Oktober vom Bundestag beschlossen. Alle Asylanträge von Flüchtlingen aus dieser Region sollen im Eilverfahren in Erstaufnahmeeinrichtungen abgefertigt und die Betroffenen dann so schnell wie möglich zurück geschickt werden.

„Werden wir jetzt alle in Handschellen abgeführt wie Verbrecher?“

„Werden wir jetzt alle in Handschellen abgeführt wie Verbrecher?“, fragt Arben in perfektem Deutsch. Er befürchtet, jetzt in so ein Erstaufnahmelager verfrachtet zu werden. Das wird in seinem Fall erst einmal nicht passieren: Der Mann aus dem Kosovo ist bereits seit ungefähr einem Jahr wieder in Deutschland und hat einen Antrag bei der Härtefallkommission des Niedersachsen Landstags gestellt. Dort werden seine Integrationsleistungen und seine familiäre Verwurzelung in Deutschland geprüft. Kommt die Kommission zu einem positiven Ergebnis, kann Arben aller Voraussicht nach in Deutschland bleiben. Er hat Glück, dass sein Antrag überhaupt noch begutachtet wird. Allen Kosovo-Flüchtlingen, die seit Oktober nach Deutschland kommen, soll dieses Chance von vornherein verwehrt bleiben.
Arben will weg von den Sozialleistungen und gleichzeitig seine Aussicht auf ein Bleiberecht verbessern. Deshalb sucht er seit Monaten verzweifelt nach einer Arbeit. Inzwischen hat er hat auch schon Firmen gefunden, die ihn einstellen wollten. Eine Arbeitserlaubnis wurde ihm jedoch nicht erteilt: Mal handelte es um Zeitarbeitsfirmen – Zeitarbeit ist Flüchtlingen nicht erlaubt – oder es gab bevorrechtigte Bewerber mit deutschem beziehungsweise EU-Pass. Arbens Ärger ist verständlich: Einerseits soll er sich integrieren, andererseits wird aber genau das durch die geltende Rechtslage erschwert.
Der Mann aus dem Kosovo kam 1972 als Kind jugoslawischer Arbeitsmigranten nach Deutschland. Er wuchs in Lüneburg auf und machte dort seinen Hauptschulabschluss. Bevor er eine Berufsausbildung beginnen konnte, kehrte er zusammen mit seinen Eltern zurück ins damalige Jugoslawien. Als im Jahr 1989 die Balkankriege ausbrachen, kam er wieder nach Deutschland. Hier absolvierte er eine Ausbildung und heiratete. Eine Tochter kam zur Welt. Dann geriet Arben in eine Krise: Seine Ehe scheiterte, eine Arbeit fand er nicht mehr, einige Jahre musste er von Sozialleistungen leben. Dadurch verlor er sein Bleiberecht und wurde im Jahr 2005 von den Behörden zurück ins Kosovo geschickt.

Opfer ethnischer Säuberiungen

Dort hatte inzwischen ein Krieg stattgefunden, Rückkehrer wie Arben waren nach den ethischen Säuberungen durch Angehörige der albanischen Bevölkerungsmehrheit nicht willkommen. Arben gehört zur Minderheit der sogenannten Balkan-Ägypter, die sich als Nachfahren von Migranten aus dem Nil-Delta betrachten, die zur Zeit Alexanders des Großen auf den Balkan gekommen sind. Von den Angehörigen der albanischen Bevölkerungsmehrheit werden sie oft herablassend als „Zigeuner“ bezeichnet. Nach dem Kosovo-Krieg waren sie wie Serben, Roma oder andere Bevölkerungsminderheiten tätlichen Übergriffen und Vertreibungen ausgesetzt. „Es geht uns schlecht im Kosovo“, sagt Arben: ob bei Arbeit oder humanitärer Hilfe, ‚wir Schwarzen’ kriegen meistens nichts“, berichtet er. „Schauen Sie sich das an“, sagt Arben und zeigt die Bilder seiner Behausung, in der er zehn Jahre leben musste: So ist das in der Republik Kosovo.“ Die Bilder zeigen ein altes Haus mit bröckelndem Putz, schimmeligen Wänden in den Innenräumen, einfallendem Dach, morschen Balken, gammeligen Fußboden. „Die Renovierung würde viel Geld kosten“, sagt Arben. Er habe bei den Behörden um Hilfe gebeten, erzählt er, geschehen sei nichts, er könne ja bei den Deutschen oder Franzosen fragen.
Als Angehöriger einer Minderheit diskriminiert, ohne regelmäßige Arbeit, lebend in einem einsturzgefährdetem und schimmligen Haus ohne Strom und Heizung, so ist er im Dezember 2014 erneut nach Deutschland gekommen. Arben kam in der Hoffnung, hier den Kontakt zu seiner Tochter wieder herstellen und sich neue Lebensperspektiven schaffen zu können. Im Kosovo ist er Opfer eines Krieges, der jetzt vielleicht nicht mehr mit Waffen, dafür aber mit den Mitteln der Verelendung gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen geführt wird.
„Zurück in den Kosovo, das wäre mein Todesurteil“, sagt Arben. Einstweilen ist er zum Warten verdammt. Zu einem Zustand zwischen Hoffen und Bangen auf eine Change in Deutschland, das er als sein eigentliches Heimatland ansieht.

Prekäre Unabhängigkeit

Ethnische Diskriminierung, Armut und Verelendung großer Bevölkerungsgruppen, insbesondere der ethischen Minderheiten, organisierte Kriminalität, Korruption und Vetternwirtschaft der politischen und wirtschaftlichen Eliten, das ist die Realität im sogenannten „sicheren Herkunftsland“ Kosovo. Deutschland hat daran einen nicht geringen Anteil, wirkte es doch dabei mit, das Kosovo in eine prekäre Unabhängigkeit zu bomben. Mit den Opfern dieser Politik, wie den sogenannten Westbalkanflüchtlingen, will man lieber nichts zu tun haben.
*Name geändert

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Dez 27 2015

Neue Köche braucht das Land

Autor: . Abgelegt unter Über Flucht und Asyl

Jungkoch in der Großküche

In der Küche des Kantinenbetreiber- und Cateringunternehmen Diedloff herrscht geschäftiges Treiben. Überall dampft und brutzelt es, aus Töpfen und Pfannen steigen einem aromatische Gerüche in die Nase. Wer um diese Zeit, es ist neun Uhr morgens, noch nicht gefrühstückt hat, bekommt spätestens jetzt Appetit.
Liridon richtet unter den kritischen Augen des Küchenchefs hochkonzentriert verlockernd aussehende Fingerfoodhäppchen auf einer silbernen Platte an. „Bitte immer exakt vier nebeneinander, gerade ausgerichtet“, belehrt der Chef seinen Mitarbeiter. Die Platten sind für eine Familienfeier bestimmt.
Im September hat der junge Mann bei der Firma Diedloff eine Ausbildung als Koch begonnen. Er ist sind erst vor einigen Monaten als Flüchtling nach Hannover gekommen. Der 23-jährige Liridon P. stammt aus dem Kosovo. Er spricht schon ganz passabel Deutsch, einer der Gründe, warum Unternehmensmanager Tobias Glombitza ihm eine Chance in seinem Unternehmen gibt. Außerdem hat er bereits erste Erfahrungen im Gastronomiebereich mitgebracht.
Kennengelernt hat Firmenmanager Tobias Glombitza seinen neuen Auszubildenden durch den Kontakt mit dem Integrationsmanagement der Stadt Hannover. „Liridon war einen Tag zur Probe da und hat gut mitgearbeitet“, berichtet er: „Also haben wir uns spontan dazu entschlossen, ihm einen Ausbildungsplatz anzubieten“.

“Keiner will mehr Koch werden!“

Mittlerweile gäbe es kaum noch deutsche Schulabgänger, die den Beruf des Kochs ergreifen würden, sagt Glombitza. Die Arbeitszeiten am Wochenende und abends sowie das am Anfang nicht sehr üppige Gehalt, das alles sei für die einheimischen Jugendlichen scheinbar nicht mehr attraktiv. „Der Kochberuf stirbt aus“, klagt Tobias Glombitza. Deshalb ist er froh, dass er den den jungen Mann aus dem Kosovo als Nachwuchskraft für das Unternehmen Diedloff gewonnen zu haben.
Liridon ist dankbar für diese Chance. „Bei mir im Kosovo wäre das niemals möglich gewesen“, erzählt der Kosovare, dort gäbe es kaum Arbeit und gute Ausbildungsplätze schon gar nicht. Sowohl die Auszubildenden als auch ihr Chef hoffen, dass die beiden angehenden Jungköche in Deutschland bleiben können, um ihre Ausbildung abzuschließen, um dann als Köche im Unternehmen weiter zu arbeiten. „Sie sind total bemüht und engagiert“, schwärmt Glombitza. Manchmal gäbe es zwar noch das eine oder andere Verständigungsproblem – aber darauf könne man sich einstellen.
Die Arbeit macht dem Neuling Spaß. „Nur die Berufschule ist schwer“, gibt er zu. „Da brauchen ich wahrscheinlich jemanden für Nachhilfe“. Die Mitarbeiter des Integrationsmanagements, die den Kontakt zwischen Unternehmen und neuen Mitarbeitern vermittelt haben, stehen natürlich weiterhin mit Rat und Tat motivierend zur Seite. Sie werden sich jetzt darum bemühen, einen Nachhilfelehrer für den angehenden Jungkoch zu finden, damit es auch in der Schule klappt.

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Feb 21 2015

Tsipras macht den Kotau

Autor: . Abgelegt unter Politik - Wirtschaft - Soziales

Griechische Gasse
Dass die neue Athener Regierung über kurz oder lang die weiße Fahne hissen würde, war zu erwarten. Beeindruckend ist allerdings, wie schnell die Tsipras-Truppe vor den Austeritätsforderungen der EU-Troika und ihres Mentors Wolfgang Schäuble eingeknickt ist. Es ist wahr, dass keine der möglichen Optionen Griechenlands, vom Schuldenschnitt bis hin zum Ausstieg aus dem Euro, schnell alle ökonomischen und sozialen Probleme gelöst hätte. Aber wahr ist auch: ein weiterer sozialer Kahlschlag, wie von Schäuble und Co gefordert, wird das Land auf längere Sicht nur noch mehr in die Krise stürzen.
Die Ergebnisse solcher Strukturreformen unter Regie von IWF und Weltbank lassen sich in den gescheiterten Staaten Afrikas besichtigen: Operation gelungen, Patient tot. Fast alle Länder, die in den 1980er und 90er Jahren dieser ökonomischen Rosskur unterzogen wurden, befinden sich seit Langem in Auflösungsprozessen, zerfressen von Kriegen, Bürgerkriegen und Terrorismus.
Es gibt kein einziges gelungenes Beispiel für die Therapie, die Griechenland verordnet wird. Alexis Tsipras und seine Minister wissen das. Trotzdem scheint ihnen das Nachgeben vor dem ansonsten drohenden Staatsbankrott das kleinere Übel zu sein. Dabei wäre der Bankrott vermutlich der einzige Weg für eine grundsätzliche Kurskorrektur gewesen. Die Banken und EU-Institutionen hätten Farbe bekennen müssen: Schuldenschnitt oder Grexit. Statt dem Ende mit Schrecken droht jetzt unter der vom Parteienbündnis Syriza geführten Koalition ein weiterer Schrecken ohne Ende.
Jene, die Alexis Tsipras in Hoffung auf einen Politikwechsel ihre Stimme gegeben haben, werden sich verraten und verkauft fühlen. Der prinzipielle Vertrauensverlust in die Politik aber läutet das Ende des demokratischen Systems ein und ist erste Schritt ins Chaos.

Erben des Untergangs

Wolfgang Schäuble mag im Angesicht seines Sieges über die Niederlage der Tsipras-Regierung und über ihren Athener Kotau spotten: „”Regieren ist ein Rendezvous mit der Realität”. Über kurz oder lang wird ihm beziehungsweise seinen Nachfolgern diese „Realität“ krachend um die Ohren fliegen. Ein Europa, worin sich einige ganz wenige hoch industrialisierte Exportnationen – wie insbesondere Deutschland – an den ökonomisch schwachen Ländern schadlos halten, wird scheitern. Die Griechen, Spanier und Portugiesen werden es auf Dauer nicht hinnehmen, sozial und wirtschaftlich weiter zu verelenden, während Deutschland seine wirtschaftlichen (und politischen) Muskeln spielen.
Zwei Möglichkeiten gäbe es, den absehbaren Niedergang Europas vielleicht noch aufzuhalten. Eine läge darin, die armen Regionen Europas über einen sehr langen Zeitraum hinweg mit Transferleistungen zu fördern. Das wäre teuer und müsste den Leuten hierzulande plausibel gemacht werden. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Die andere Möglichkeit wäre der Ausstieg von Ländern wie Griechenland aus der europäischen Gemeinschaftswährung. Das würde ihnen perspektivisch wieder die Möglichkeit eröffnen, durch eine nationalstaatliche Wirtschafts- und Finanzpolitik die großen wirtschaftlichen Strukturunterschiede zu den europäischen Zentren auszugleichen.
Der Sieg der europäischen Austeritätspolitik über die Syriza-Regierung hingegen ist ein Pyrrhussieg. Kommende Generationen werden den Untergang der europäischen Idee beerben.

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Feb 18 2015

Über das Fasten und wozu es gut ist

Autor: . Abgelegt unter Allgemein

Sanddüne in der Wüste

Heute beginnt die Fastenzeit – und alle machen mit. Na ja, nicht alle! Aber zumindest werden diese kommenden 40 besonderen Tage vor Ostern mittlerweile auch in unserer protestantisch geprägten Region wieder deutlicher wahrgenommen als früher. Das ist zumindest mein Eindruck. Ich stamme aus einem evangelischen Elternhaus und in meiner Kindheit und Jugend war nie vom Fasten die Rede.
Mittlerweise existiert auch in der evangelischen Gemeinde meines Heimatortes eine Gruppe, deren Mitglieder sich im Rahmen der evangelischen Aktion „7 Wochen ohne“ über ihre Fastenerfahrungen austauschen. Feste Regeln gibt es dabei nicht. Jeder bestimmt selbst, worauf er in der vorösterlichen Zeit verzichten möchte: bei dem einen ist es der regelmäßige Fernsehabend, bei dem anderen sind es bestimmte Genussmitteln oder das gewohnte Konsumverhalten. Die Möglichkeiten sind vielfältig.
Fasten ist en vogue! Und mittlerweile ist das Fasten selbst bei vielen nicht-religiösen Menschen populär geworden. Fasten wird dabei immer mehr als eine Fitness- und Gesundheitskur betrachtet. Die Auswahl an kommerziellen Fastenkuren und Fastenkursen unter medizinischer Aufsicht ist groß und in der Regel verbunden mit sportlichen Betätigungen, Yoga oder Wanderausflügen. Man fastet, um sich von überschüssigen Pfunden zu entlasten, um sich und seinem Körper etwas Gutes zu tun, um wieder fit und leistungsfähiger zu werden. Man fastet, um sich von Giften im Körper zu befreien, um sich zu „entschlacken“.

Dabei ist der gesundheitliche Nutzen solcher Fastenkuren, zumindest wenn über einen bestimmten Zeitraum ganz auf feste Nahrung verzichtet wird, durchaus umstritten. Wissenschaftliche Belege für die Existenz von Schlacken, die angeblich durch das Fasten ausgeschieden werden, gibt es jedenfalls nicht. Der Körper scheidet unverwertbare Stoffwechselprodukte ohnehin ständig über Haut, Nieren, Darm und Lungen aus. Eine spezielle Diät ist dafür gar nicht notwendig. Im Gegenteil! Insbesondere bei Menschen mit Übergewicht bewirkt das Fasten erwiesenermaßen keine Senkung sondern eine Erhöhung der Schadstoffwerte im Blut. Der Grund:

Fettpolster „sind evolutionär nicht nur als Kältepuffer und Reserven für nahrungsärmere Zeiten gedacht, sondern auch als Zwischenlager für fettlösliche Gifte. (…) Gerade wenn Menschen häufig mit Umweltgiften Kontakt haben oder viel Alkohol trinken, sind die Leber sowie die anderen Entgiftungsorgane überfordert, sodass sie die Problemsubstanzen unverstoffwechselt im Fettdepot abspeichern. Eine Art ‚Fettquarantäne’ für Umweltgifte also. Doch diese Quarantäne wird durchlässig, wenn der Körper aufgrund einer Diät auf die Speckpolster zurückgreifen muss. Dann gelangen die Gifte ins Blut und von dort aus zu anderen Organen, wo sie Schaden anrichten können“. Quelle: Spiegel Online

Und doch versprechen sich viele Menschen durch das Fasten gewissermaßen eine Reinigung von Körper und Seele. Die Umwelt-, Öko- und Lebensmittelskandale der letzte Jahre haben sicherlich das ihre dazu beigetragen. Doch ich vermute, das Ganze hat noch andere Ursachen.
Die Menschen fühlen, dass sie von einer Leistungs- und Konsummaschenerie bestimmt werden, die ihnen im Prinzip nicht gut tut. Und es bleibt wohl bei vielen eine Ahnung davon zurück, dass sich die Sucht nach Geltung und Besitz über die tiefe Sehnsucht nach Liebe, Mitmenschlichkeit und Erkenntnis gelegt hat. Es bleibt eine Ahnung davon zurück, dass man sich auf Rollen festlegen lässt, die von Existenzangst und Konkurrenzdruck diktiert werden. Dass man in einer Gesellschaft lebt, in der soziale Anerkennung und Respekt nach dem Prinzip des Survivival of the Fittest verteilt werden, in einer Gesellschaft, die selbstsüchtig macht.
Je mehr die Menschen indes diesen Mustern verfallen, desto mehr entfernen sie sich von Gott. Und je mehr die Menschen sich von Gott entfernen, desto mehr entfernen sie sich von ihrem eigenen Urgrund. Die Gottesferne aber ist der Kern dessen, was gemeinhin als Sünde bezeichnet wird.
Der Begriff Sünde indes hat für die meisten Menschen einen seltsamen klang, wird verbunden mit altbackenen Moralvorstellungen und Zwangssystemen und gilt als eine wahre Spaßbremse. Es bleibt bei vielen aber wohl doch irgendwie ein schlechtes Gefühl haften, das manchmal als Gefühl der inneren “Verunreinigung” empfunden wird. Der Mensch kann jedoch fasten soviel er will: sofern er sich nicht seinem Urgrund und damit Gott annähert, wird sich daran nicht viel ändern.

Ist also das Fasten vollkommen unnütz? Die Reformatoren haben es seinerzeit tendenziell so gesehen. Allerdings hatte zum Beispiel Luther nicht prinzipiell etwas gegen das Fasten, er lehnte jedoch die formalistische Festlegung auf bestimmte Zeiten und Speisen ab. Luther begriff das Fasten eher als ein individuelles Trainingsprogramm zur Selbstdisziplinierung:

„Wenn nun jemand fände, dass auf Fische hin sich mehr Mutwillen regte in seinem Fleisch als auf Eier und Fleisch hin, so soll er Fleisch und nicht Eier essen.“

Auch die beiden anderen großen Reformatoren, Zwingli und Calvin, hielten wenig von den kirchlichen Fastenvorschriften. Durch einen provokativen Verstoß dagegen, markierten sie ihren Bruch mit der römisch-katholischen Kirche. Am 9. März 1522, dem Inokavit, also dem ersten Sonntag der Fastenzeit, veranstalteten sie in Zürich ein demonstratives Wurstessen, das als Züricher Wurstessen in die Geschichte der Reformation eingegangen ist. Die Christen seien von allen menschlichen Geboten und Ordnungen freigestellt, nur Gottes Gesetzen sei unbedingt Folge zu leisten, meinte Zwingli. Und da das Fasten ein von Menschen gemachtes Gebot sei und keine Autorität der Bibel hinter sich habe, müsse man es auch nicht befolgen.

„Willst du gerne fasten, dann tue es! Willst du dabei auf Fleisch verzichten, dann iss auch kein Fleisch! Lass mir aber dabei dem Christen die freie Wahl! (Quelle: REFORMIERT-INFO.DE)“

Richtig ist daran wohl immerhin, dass das Fasten als rein äußerliche Frömmigkeitsgeste wenig Sinn macht, ja geradezu kontraproduktiv ist. So mahnte schon Christus selbst:

“Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer dreinsehen wie die Heuchler; denn sie verstellen ihr Gesicht, um sich vor den Leuten zu zeigen mit ihrem Fasten. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.
17 Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht,
18 damit du dich nicht vor den Leuten zeigst mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.” (Matthäus 6,17-18)

Dieses Christuswort indes richtet sich keineswegs gegen das Fasten als solches. Er selbst hat sich, wie das Evangelium bezeugt, fastend zum Gebet zurückgezogen, um seinem Vater nahe zu sein.
Der Sinn des Fastens und der Fastenzeit liegt mithin darin, dass wir uns im Gebet still werdend zurück auf Gott, auf unseren göttlichen Urgrund besinnen. Dass wir uns bewusst werden, wo wir uns gegen Gott, gegen unsere Mitmenschen und damit letztlich auch gegen uns selbst schuldig gemacht haben, selbstsüchtig, unsolidarisch, verletzend waren. Um schließlich unser Leben auf Gott hin neu zu justieren.
Durch den Verzicht in der Fastenzeit signalisieren wir, dass etwas in unserem Leben nicht in Ordnung ist, dass wir Dinge tun, die uns eigentlich schaden, auf die wir besser verzichten sollten. Aber der Verzicht nur für eine bestimmte Zeit nützt letztlich wenig, wenn wir daraus nicht auch etwas Bleibendes für unser weiteres Leben gewinnen. Darin liegt die eigentliche Herausforderung der Fastenzeit.

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Feb 04 2015

Red Pepper Greek Salad oder: Wie gehts weiter in Griechenland?

Griechische Treppe
Griechenland: aufwärts oder abwärts?

Ganz großes Kino

Das war schon ganz großes Kino, was sich da am Freitag den 30. Januar 2015 in Athen abgespielte. Gianis Varoufakis, Finanzminister der vor einer Woche neu gewählten Regierungskoalition aus Linksbündnis Syriza und der als rechtspopulistisch bezeichneten Partei der Unabhängigen Griechen, setzte den derzeitigen Chef der sogenannten Eurogruppe, Jeroen Dijsselbeom, faktisch vor die Tür: „Unsere Regierung wird mit größtem Engagement mit der Eurozone, der EU und dem IWF zusammenarbeiten – aber mit der Troika, die ein Programm umsetzen will, dessen Idee wir als antieuropäisch betrachten und die auch das europäische Parlarment für nicht demokratisch legitimiert hält, wollen wir nicht zusammen arbeiten“, erklärte Varoufakis auf einer gemeinsamen Pressekonferenz. Mit sichtlich frustrierter Miene schmiss sein Verhandlungspartner den Kopfhörer für die Simultanübersetzung auf den Tisch und „ergriff die Flucht nach vorn“, wie eine Tagesschau-Sprecherin kommentierte. Dijsselbeoms Flucht nach vorn äußerte sich im Wesentlichen darin, zeitnah den Ausgang des Versammlungsortes anzusteuern. Eine Neue Konferenz mit Verhandlungen über einen Schuldenschnitt sei nicht zu erwarten, ließ er seine Gesprächspartner noch knapp wissen, denn eine solche Konferenz gäbe es ja bereits: die Eurogruppe.
So manchem Griechen, Spanier oder Portugiesen, die seit Jahren von der als Konsolidierung bezeichneten Politik des sozialen Kahlschlags unter EU-Regie kujoniert wurden, mag bei diesen Szenen das Herz aufgegangen sein.
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Jan 27 2015

Celler Hasenjagd

Autor: . Abgelegt unter Politik

(HAZ vom 26.01.2015)

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Unweit von Burgwedel spielte sich am 8. April 1945 ein finsteres Kapitel der deutschen Geschichte ab: die sogenannte Celler Hasenjagd. Der erste Nachkriegsbürgermeister von Burgwedels Partnerstadt Domfront entkam bei dieser mörderischen Menschenhatz auf KZ-Häftlinge.

Wettmar. Im Sommer 2011 meldet sich ein 91-jähriger Mann aus Celle in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora bei Nordhausen: Ob Interesse an etwa 150 Zeichnungen von Häftlingen und Tagebuchaufzeichnungen aus dem KZ bestehe. Seine Schwiegermutter habe die Mappe im April 1945 in ihrem Schrebergarten nahe des Celler Bahnhofs gefunden.

Und ob Interesse besteht! Handelt es sich doch um authentische Quellen für die dramatischen Ereignisse während der Räumung der Lager, der Todesmärsche und der Massaker an KZ-Häftlingen im April 1945. Anhand der Beschriftungen sind der französische Oberst Camille Delétang als Urheber der Porträtzeichnungen und der Arzt Armand Roux als Verfasser der handschriftlichen Dokumente schnell identifiziert. Beide überlebten die Deportation und spielten nach dem Krieg eine wichtige Rolle in Überlebenden- und Veteranenverbänden.

Aus: Post aus Frankreich lüftet Geheimnis. HAZ vom 27.01.2015
Der vollständige Artikel hier: Klick!

Über das Schweigen im Walde. Demnächst mehr hier bei Beinsen.

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Jan 23 2015

Tahmineh aus dem Iran braucht medizinische Hilfe

Autor: . Abgelegt unter Über Flucht und Asyl

Im Namen der Ehre: Vater verätzt seiner Tochter das Gesicht und verletzt sie lebensgefährlich

Tahmineh Yousefi Tahmineh Yousefis Gesicht ist durch einen Säureangriff entstellt. Der eigene Vater hat ihr im Sommer 2013 die ätzende Flüssigkeit ins Gesicht gekippt und sie anschließend stranguliert. Er und ihre Brüder, die dem Vater bei der Attacke unterstützt helfen, sehen die Familienehre verletzt, weil Tahmineh sich von ihrem drogenabhängigen Ehemann getrennt hat.

Der Mordversuch misslingt, die junge Frau kann mit ihrer Schwester nach Deutschland fliehen. Tahmineh leidet unter den schweren Verletzungen, die weiter behandelt werden müssen. Sie hofft, dass die schlimmsten Folgen des Säureangriffs in Deutschland korrigiert werden können. Professor Peter Vogt von der MHH-Klinik für Plastische Chirurgie hält die Verbesserung von Tahminehs Situation durch eine langjährige Behandlung für möglich. Derzeit ist jedoch das Asylverfahren der beiden iranischen Frauen noch nicht abgeschlossen – und das kann nach Auffassung ihrer Anwältin auch noch dauern. Medizinische Behandlung von Asylbewerbern und Asylbewerberinnen werden über das Asylbewerber-Leistungsgesetz abgewickelt. Zuständig sind die Kommunen. Übernommen werden allerdings nur unbedingt notwendige und überlebenswichtige medizinische Maßnahmen. Und was unbedingt notwendig ist interpretieren die Ämter oft nach eigenen Prämissen. Gesichtsoperationen zur Beseitigung der sichtbar entstellenden Verletzungsfolgen gehören wahrscheinlich nicht dazu.

Tamineh benötigt Spenden für die Gesichtsbehandlung

Der Flüchtlingsrat Niedersachsen setzt sich dafür ein, dass Tamineh eine angemessene medizinische Versorgung erhält, um ihr Gesicht wieder herzustellen – auch über die ihr gesetzlich zustehenden medizinischen Leistungen hinaus. Tamineh benötigt zum Beispiel Medikamente, die ihr von Amts wegen nicht bezahlt werden. Beide Schwestern befinden sich in psychotherapeutischer Behandlung.
Kai Weber und Lothar Flachsbart vom Flüchtlingsrat Niedersachsen bitten um Spenden – unter Angabe des Stichworts “Tamineh/Shahin – auf das folgende Konto:

Konto 4030 460 700 – GLS Gemeinschaftsbank eG – BLZ 430 609 67
Zweck: Tamineh/Shahin
IBAN: DE28 4306 0967 4030 4607 00 / BIC: GENODEM1GLS

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!

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Jan 11 2015

Ermordet, weil sie das Recht auf Spott verteidigt haben. Ermordet, weil sie Juden waren

Autor: . Abgelegt unter Politik

Ohne Titel

Das sind die Namen der Opfer der Terroranschläge im Januar 2015 in Frankreich:

Charlie Hebdo

Jean Cabut alias Cabu
Georges Wolinski
Bernard Verlhac alias Tignous
Stéphane Charbonnier alias Charb
Philippe Honoré

Sie wurden ermordet, weil sie Karikaturen über den Islam angefertigt hatten.

Elsa Cayat
Michel Renaud
Bernard Maris

Sie wurden ermordet, weil sie Witze über den Islam gemacht hatten.

Mustapha Ourrad

Er wurde ermordet, weil er mit Leuten zusammenarbeitete, die Karikaturen und Witze über den Islam machten.

Frédéric Boisseau

Er wurde ermordet, weil er für Leute arbeitete, die Karikaturen und Witze über den Islam machten.

Ahmed Merabet
Franck Brinsolaro

Sie wurden ermordet, weil sie als Polizisten die Menschen schützten, die Karikaturen und Witze über den Islam machten.

HyperCasher:

Yoav Hattab
Yohan Cohen
Francois-Michel Saada
Philippe Braham

Sie wurden ermordet, weil sie Juden waren.

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Jan 04 2015

Rote Mojosauce nach Art Villa Heyde

Autor: . Abgelegt unter Allgemein

Mojosauce rot & grün
Rote Mojosauce nach Art Villa Heyde

  • Zwei rote Paprikaschoten etwa fünf bis zehn Minuten kochen.
  • Eine frische Chilischoten entkernen hinzugeben und fünf Minuten mitkochen.
    Alternativ kann man auch Chilipulver oder getrocknete Chilis verwenden.

Zusammen mit

  • zwei Knoblauchzehen,
  • einem gestrichenen Teelöffel Kreuzkümmel,
  • etwas Salz, Pfeffer und
  • einem gestrichenen Teelöffel Paprikapulver, süß, sowie
  • etwa 50 bis 100 Milliliter Olivenöl

pürieren.
Abkühlen lassen.
Genießen!

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Dez 25 2014

Can I Kick It?

Autor: . Abgelegt unter Musik

„People’s Instinctive Travels and the Paths of Rhythm“, veröffentlicht im April 1990, gehört nach Auffassung vieler Kritiker zu den besten Hip Hop Alben, die je produziert worden sind. Und das zurecht! Die Rappertruppe „A Tribe Called Quest (ATCQ)“ zeigte bereits in ihrem Debütwerk jene typisch unaufgeregte Art zu rappen, die sie nicht zuletzt dem Frontman Q-Tip verdankt.
HipHop küsst Jazz: so in etwa könnte das Motto des Albums lauten, das die erfolgreiche Fortsetzung einer gerade erst begonnen musikalischen Liaison war. Die vier Tribes hatten bemerkt, dass so mancher Jazzer auch den HipHop inzwischen als Ausdruck schwarzer Kultur anerkannte. Lange galt das nur für den Funk oder Soul. Die Tribes betrachteten den Jazz daher als einen natürlichen Verbündeten – und zwar sowohl politisch als auch musikalisch. „Da sind viele Gemeinsamkeiten zwischen Jazz und HipHop“, sagte Q-Tip in einem Gespräch mit dem Buchautor Shawn Taylor: „Wie Rap, so erlangte auch der Jazz nie die Reputation, die ihm eigentlich zustand. Und als er sie dann doch erhielt, begann gleichzeitig seine Ausbeutung.“
Bevor „Peoples Instinktive Travels“ im Frühjahr 1990 erschien, hatte ATCQ-Mitglied Q-Tip bereits erste Lorbeeren mit erfolgreichen Aufnahmen bei den Jungle Brothers und De La Soul gesammelt. Kein Wunder also, dass sich ATCQ auch in ihren Texten an den Vorbildern der “No School” wie De La Soul orientieren: Künstler, die den Rap und Hip-Hop aus der Schmuddelecke des mit Obszönitäten gespickten Gangsta-Raps holten. Oder wie der Rezensent Jason Elias schrieb: Der Song „Bonita Applebum“ etwa beweise, das man keine Geräusche von Pistolenkugeln oder Erniedrigungen brauche, um einen großartigen Rapsong zu machen. Wie wahr!
Doch es gab auch andere Stimmen: Der US-amerikanische Kritiker Chuck Eddy schmähte „People’s Instinctive Travels“ als „Pseudo-Jazz“ und als das am wenigstens tanzbare HipHop-Album, das er je gehört habe. Geschenkt: Trotz dieses Verdikts schafften es einige Auskoppelungen, wie die Ohrwürmer „Bonita Applebum“ oder „Can I Kick it“, bis ganz nach oben in die US-amerikanischen Charts – und in die Diskotheken. Und auch auf der Liste der 100 besten HipHop Alben, die das Magazin The Source im Jahr 1998 veröffentlichte, konnten sich A Tribe Called Quest mit „Peoples Instinctive Travels“ und zwei weiteren Veröffentlichungen platzieren.
Und das zu Recht! Der Sound von „A Tribe Called Quest“ (ATCQ) ist immer wieder ein musikalisches Aha-Erlebnis: Unprätentiös cool und gleichzeitig unglaublich groovend. Die Tribes erzeugen in ihren Sounds eine fast psychedelische Atmosphäre und gleichzeitig ein jazziges, fast swingendes Klangspektrum.
Can I kick it? to all the people who can quest like a tribe does? Yes you can. Vielleicht hat sich ja sogar ein US-Präsident von „A Tribe Called Quest“ inspirieren lassen!?

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Okt 12 2014

Notizen zu Neoatheismus und Christentum

Autor: . Abgelegt unter Gesellschaft

Motive aus der St. Maria Angelica Kirche Hannover

Philosophische Ouvertüre des Turbokapitalismus

Gäbe es keine Religion mehr, so wären die wesentlichen Probleme der Menschheit gelöst, suggerieren Neoatheisten wie Richard Dawkins, Christopher Hitchens oder der Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung, Michael Schmidt-Salomon. Religionskritik ist hip. Zu denen, die sich eine bessere „Welt ohne Gott“ ausmalen, gehört auch die Schriftstellerin Karen Duve, die vor einiger Zeit in einem gleichnamigen Spiegelessay ihr neoatheistisches Bekenntnis ablegte: Über allem neukirchlichen Ringelpiez wie Familienfreizeiten und Motorradgottesdiensten, so Duve „dürfe man nicht vergessen, dass die Kirche über Jahrhunderte hinweg auf barbarische Weise Frauen unterdrückt, Minderheiten verfolgt und die Forschung behindert“ habe. Allein die intellektuelle Redlichkeit verböte es, einer Weltanschauung anzugehören, die sich die Welt gar nicht richtig anschaue, meint Karen Duve.
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