Achim Beinsen: Politik + Kultur

The World Behind: Geschichten – Analysen – Rezensionen

18. Februar 2015
von beinsen
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Über das Fasten und wozu es gut ist

Heute beginnt die Fastenzeit – und alle machen mit. Na ja, nicht alle! Aber zumindest werden diese kommenden 40 besonderen Tage vor Ostern mittlerweile auch in unserer protestantisch geprägten Region wieder deutlicher wahrgenommen als früher. Das ist zumindest mein Eindruck. Ich stamme aus einem evangelischen Elternhaus und in meiner Kindheit und Jugend war nie vom Fasten die Rede. Mittlerweise existiert auch in der evangelischen Gemeinde meines Heimatortes eine Gruppe, deren Mitglieder sich im Rahmen der evangelischen Aktion „7 Wochen ohne“ über ihre Fastenerfahrungen austauschen. Feste Regeln gibt es dabei nicht. Jeder bestimmt selbst, worauf er in der vorösterlichen Zeit verzichten möchte: bei dem einen ist es der regelmäßige Fernsehabend, bei dem anderen sind es bestimmte Genussmitteln oder das gewohnte Konsumverhalten. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Weiterlesen →

9. Februar 2015
von beinsen
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Rumputschern

Der Sheppy ist absolut shoppingkompatibel. Besondern gern begleitet er mich durchs Citycenter Langenhagen (CCL). Wir gucken dann gern mal bei C&A oder bei H&M rein – und während ich das Warenangebot nach den passenden Größen durchsuche, bewacht der Sheppy meine Anprobekabine. Jedes Mal fällt der Sheppy – angenehm – auf. Ich gebe das neidlos zu und habe mich auch neidlos damit abgefunden, dass er der Schönere von uns beiden ist. Und außerdem wird ja behauptet, dass Mensch und Hund sich auch äußerlich angleichen, wenn sie ein paar Jahre gemeinsam durchs Leben gegangen sind. Sieht man schon was? Auch heute waren wir wieder zusammen im CCL unterwegs. Dieses auf gut Glück Losflanieren und mal hierhin und mal dahin gucken heißt bei uns im Villa-Heyde-Jargon übrigens "putschern". Der Sheppy und ich putscherten also durchs CCL. Zwischendurch hatte ich bei Sanifair zu tun und befand mich gerade in der Porzellanabteilung. Der Sheppy wartete kurz draußen. Die beiden Mitarbeiterinnen der Einrichtung vertrieben sich die Zeit mit einem Klönschnack und hatten von ihrem Dienstzimmer aus einen guten Blick in den Eingangsbereich, wo der Sheppy wartete. Der fiel ihnen natürlich auch gleich auf. „Guckma, was der für ein Auge hat“, hörte ich die eine sagen: „ein blaues Auge“. Das ist übrigens ein Standardsatz, den ich immer wieder zu hören kriege, meistens sind es irgendwelche Passanten, die ihre Begleiter oder Begleiterinnen im Vorübergehen auf den Sheppy aufmerksam machen: „Guck mal da, der hat ein blaues Auge!“

Magic Eye

Oder so etwas in der Art. Als ich einmal mit dem Sheppy aus einem Schuhgeschäft kam, liefen wir fast einem Herren in die Arme, der den Laden just betreten wollte. Er sah den Sheppy und rief: „Das ist ja magisch, ein magic-eye! Wirklich Magisch“, wiederholte er noch einmal und wollte sich gar nicht mehr einkriegen. Auch die beiden Sanifair-Mitarbeiterinnen heute tauschten sich rege darüber aus, was es mit dem Auge wohl für eine Bewandtnis haben könnte. „Ob der auf einem Auge nichts sehen kann“, fragte die eine. „Glaube ich nicht“, meinte die andere, „ist vielleicht ein Husky mit drin“. Ich beeilte mich, die Sache aufzuklären. „Das Auge ist okay, das kommt bei der Rasse öfter vor, manche dieser Hunde haben auch zwei blaue Augen“, erklärte ich. „Siehste“, rief die eine, „habe ich doch gesagt“. „Was ist das denn für eine Rasse?", fragte die andere nach. „Ein Hütehund“, belehrte ich sie, „Australian Shepherd“. Ein Bekannter von mir, der eine Aussie-Hündin mit einem blauen Auge hat, die meinem Sheppy auch ansonsten recht ähnlich sieht, betrachtet diese Bemerkungen und Nachfragen – nach dem blauen Auge, ob da Husky mit drin ist und Ähnliches – irgendwie als Affront. Ich nicht. Schließlich sind die Fragen und Bemerkungen so gut wie immer freundlich. Der Sheppy ist halt eine Schönheit. Australian Shepherd Satchmo

4. Februar 2015
von beinsen
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Red Pepper Greek Salad oder: Wie gehts weiter in Griechenland?

Ganz großes Kino

Das war schon ganz großes Kino, was sich da am Freitag den 30. Januar 2015 in Athen abgespielte. Gianis Varoufakis, Finanzminister der vor einer Woche neu gewählten Regierungskoalition aus Linksbündnis Syriza und der als rechtspopulistisch bezeichneten Partei der Unabhängigen Griechen, setzte den derzeitigen Chef der sogenannten Eurogruppe, Jeroen Dijsselbeom, faktisch vor die Tür: „Unsere Regierung wird mit größtem Engagement mit der Eurozone, der EU und dem IWF zusammenarbeiten – aber mit der Troika, die ein Programm umsetzen will, dessen Idee wir als antieuropäisch betrachten und die auch das europäische Parlarment für nicht demokratisch legitimiert hält, wollen wir nicht zusammen arbeiten“, erklärte Varoufakis auf einer gemeinsamen Pressekonferenz. Mit sichtlich frustrierter Miene schmiss sein Verhandlungspartner den Kopfhörer für die Simultanübersetzung auf den Tisch und „ergriff die Flucht nach vorn“, wie eine Tagesschau-Sprecherin kommentierte. Dijsselbeoms Flucht nach vorn äußerte sich im Wesentlichen darin, zeitnah den Ausgang des Versammlungsortes anzusteuern.

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4. Januar 2015
von beinsen
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Rote Mojosauce nach Art Villa Heyde

Mojosauce rot & grün Rote Mojosauce nach Art Villa Heyde
  • Zwei rote Paprikaschoten etwa fünf bis zehn Minuten kochen.
  • Eine frische Chilischoten entkernen hinzugeben und fünf Minuten mitkochen. Alternativ kann man auch Chilipulver oder getrocknete Chilis verwenden.
Zusammen mit
  • zwei Knoblauchzehen,
  • einem gestrichenen Teelöffel Kreuzkümmel,
  • etwas Salz, Pfeffer und
  • einem gestrichenen Teelöffel Paprikapulver, süß, sowie
  • etwa 50 bis 100 Milliliter Olivenöl
pürieren. Abkühlen lassen. Genießen!

25. Dezember 2014
von beinsen
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Can I Kick It?

„People’s Instinctive Travels and the Paths of Rhythm“, veröffentlicht im April 1990, gehört nach Auffassung vieler Kritiker zu den besten Hip Hop Alben, die je produziert worden sind. Und das zurecht! Die Rappertruppe „A Tribe Called Quest (ATCQ)“ zeigte bereits in ihrem Debütwerk jene typisch unaufgeregte Art zu rappen, die sie nicht zuletzt dem Frontman Q-Tip verdankt.
HipHop küsst Jazz: so in etwa könnte das Motto des Albums lauten, das die erfolgreiche Fortsetzung einer gerade erst begonnen musikalischen Liaison war. Die vier Tribes hatten bemerkt, dass so mancher Jazzer auch den HipHop inzwischen als Ausdruck schwarzer Kultur anerkannte. Lange galt das nur für den Funk oder Soul. Die Tribes betrachteten den Jazz daher als einen natürlichen Verbündeten – und zwar sowohl politisch als auch musikalisch. „Da sind viele Gemeinsamkeiten zwischen Jazz und HipHop“, sagte Q-Tip in einem Gespräch mit dem Buchautor Shawn Taylor: „Wie Rap, so erlangte auch der Jazz nie die Reputation, die ihm eigentlich zustand. Und als er sie dann doch erhielt, begann gleichzeitig seine Ausbeutung.“
Bevor „Peoples Instinktive Travels“ im Frühjahr 1990 erschien, hatte ATCQ-Mitglied Q-Tip bereits erste Lorbeeren mit erfolgreichen Aufnahmen bei den Jungle Brothers und De La Soul gesammelt. Kein Wunder also, dass sich ATCQ auch in ihren Texten an den Vorbildern der “No School” wie De La Soul orientieren: Künstler, die den Rap und Hip-Hop aus der Schmuddelecke des mit Obszönitäten gespickten Gangsta-Raps holten. Oder wie der Rezensent Jason Elias schrieb: Der Song „Bonita Applebum“ etwa beweise, das man keine Geräusche von Pistolenkugeln oder Erniedrigungen brauche, um einen großartigen Rapsong zu machen. Wie wahr!
Doch es gab auch andere Stimmen: Der US-amerikanische Kritiker Chuck Eddy schmähte „People’s Instinctive Travels“ als „Pseudo-Jazz“ und als das am wenigstens tanzbare HipHop-Album, das er je gehört habe. Geschenkt: Trotz dieses Verdikts schafften es einige Auskoppelungen, wie die Ohrwürmer „Bonita Applebum“ oder „Can I Kick it“, bis ganz nach oben in die US-amerikanischen Charts – und in die Diskotheken. Und auch auf der Liste der 100 besten HipHop Alben, die das Magazin The Source im Jahr 1998 veröffentlichte, konnten sich A Tribe Called Quest mit „Peoples Instinctive Travels“ und zwei weiteren Veröffentlichungen platzieren.
Und das zu Recht! Der Sound von „A Tribe Called Quest“ (ATCQ) ist immer wieder ein musikalisches Aha-Erlebnis: Unprätentiös cool und gleichzeitig unglaublich groovend. Die Tribes erzeugen in ihren Sounds eine fast psychedelische Atmosphäre und gleichzeitig ein jazziges, fast swingendes Klangspektrum.
Can I kick it? to all the people who can quest like a tribe does? Yes you can. Vielleicht hat sich ja sogar ein US-Präsident von „A Tribe Called Quest“ inspirieren lassen!?

 

17. September 2014
von beinsen
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Big Dogshit

Kinderspielplätze sind für Hunde bekanntlich verbotenes Terrain. Diese Regl hat ja eigentlich auch ihre Richtigkeit. Schließlich sollen sich die Kleinen nicht mit den Hinterlassenschaften unserer Vierbeiner beschmutzen, das ist ekelig und gefährdet potenziell die Gesundheit. So weit so gut!

Die Fußballwiese

Hinter der Schule in unserem Stadtteil gibt es eine Fußballwiese und eine Skaterbahn. Ein hoher Zaun soll verhindern, dass die Bälle versehentlich auf den Nachbargrundstücken oder im nahe gelegenen Teich landen. Südwestlich der Wiese liegt ein kleines Wäldchen, kaum 100 Meter lang und 50 Meter breit. Aus irgendeinem Grund hat man im hohen Zaun einen kleinen quadratischen Durchschlupf gelassen, der es erlaubt, in den Wald zu gelangen. Oft hinterlassen die Jugendlichen hier ihre leeren Flaschen und sonstigen Müll, doch das hält sich einigermaßen in Grenzen.

Ein Super-Versteckspiel für den Sheppy!

Überhaupt wird die Wiese äußerst selten frequentiert, zumindest um die Zeit des frühen Nachmittags herum, wenn ich hier mit dem Shepherd meine Mittagspause verbringe (zu den Zeiten, als ich noch als freier Journalist gearbeitet habe). Wir drehen dann einmal eine Runde um den Teich und gehen hinterher noch auf die Wiese. Der Shepherd bleibt auf meine Anweisung vorn am Wiesenrand sitzen und ich überquere das Gelände, um in dem Wald ein Schlüsseletui zu verstecken. Dann kehre ich zum Shepherd zurück und schicke ihn auf die Suche. Das Etui zu finden und zu apportieren ist für den Shepherd eine Lappalie. Aber das Ganze macht ihm saumäßig viel Spaß

NO SHIT

Manchmal, wenn Jugendliche auf dem Grundstück sind um Fußball zu spielen oder zu skaten, lasse ich diese Aktion ausfallen, denn Hunden ist das Betreten des Geländes ja eigentlich verboten. Es ist halt ein Kinderspielplatz. Aber der Shepherd ist bei dieser Aktion immer so konzentriert, dass er gar nicht auf die Idee kommen würde, auf die Wiese zu kacken, das erledigt er bereits vorher im Gebüsch am Teich. Und selbst Bein heben um zu markieren fällt aus, wenn er im Arbeitsmodus ist. Das Suchen ist schließlich viel zu aufregend. Ich kann den Shepherd also guten Gewissens die Wiese überqueren lassen. Und sollte es doch mal anders kommen, habe ich ja Entsprechendes dabei, um den Platz wieder sauber zu hinterlassen. Lass deinen Hund hier nicht hinkacken!

Verboten ist verboten!

Eines schönen Frühlingstages ist die Wiese von einem älteren Herrn mit kleinem Kind belegt, ich schätze Opa und Enkel. Der Shepherd ist bereits wieder im Arbeitsmodus und so fasse ich mir ein Herz und spreche den Herrn an: „Sagen Sie, würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn ich hier mit meinen Hund eine kurze Übung durchführe? Wir sind auch schnell wieder weg.“ Der Mann guckt mich an und langsam beginnt seine Gesichtfarbe ins Rötliche zu tendieren. Was folgt ist eine Tirade über Spielplätze, Hundekacke, die einschlägigen Rechtsnormen und die blöden Hundebesitzer. „Aber mein Hund kackt hier nicht auf die Wiese und falls doch, mache ichs weg“, versuche ich ihn zu beschwichtigen. Das bringt den Typen nur noch mehr in Rage. „Das sagen alle, warum verstehen Sie nicht endlich, dass Hunde hier verboten sind“, fährt er mich an. „Schon verstanden, viel Spaß noch“, gebe ich zurück und ziehe wütend von dannen.

Der Hund! Kann nichts dafür!

Der Shepherd hat während der ganzen Szene brav am Wiesenrand gesessen und die Szene beobachtet. Jetzt neigt er leicht den Kopf zur Seite, was bei ihm meistens Unverständnis signalisiert. Das scheint den Mann irgendwie zu rühren: „Der Hund kann ja nichts dafür“, ruft er mir hinterher. „Ich auch nicht“, erwidere ich ärgerlich. Moralisch fühle ich mich diesem „Hundehasser“ zehnmal überlegen. In den nächsten Wochen ist das Terrain wieder frei. Opa und Enkel lassen sich nicht mehr blicken.

Oh Shit! Mein Glaube an das Gute im Menschen wackelt

Eines sonnigen Tages überquere ich wie so oft die Wiese, um den Schlüssel für meinen Sheppy im Wald zu verstecken. Da laufe ich doch plötzlich äußerst knapp an einem riesigen Haufen Hundekacke vorbei. Mir fällt der Opa wieder ein und mein moralisches Überlegenheitsgefühl schmilzt wie Butter in der Sonne dahin: Der Opa hat ja nur allzu recht. Es gibt sie, diese asozialen Hundebesitzer, die ihre Pfiffis ohne mit der Wimper zu zucken mitten auf einen Kinderspielplatz kacken lassen und sich, als wäre nichts gewesen, klammheimlich verpieseln. Woher sollte denn der Opa wissen, dass ich nicht auch so einer bin? Derzeit binde ich mich mit Petra und dem Sheppy im Urlaub an der Ostsee. Am Eingang zum Hundestrand befindet sich ein Hundekotbeutelspender, dem es nie an Beuteln mangelt. Direkt unter den Kasten mit den Beuteln ist gibt es einen Abfallbehälter. Und was liegt da nun zu Fuße dieser zweckmäßigen Installation. Ein dicker fetter Haufen Hundekacke. Da soll einer nicht den Glauben an die Menschheit verlieren.

2. August 2014
von beinsen
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José Ramón Morán – ein Mystiker auf dem Pilgerweg von Licht und Klang

Singe, brenne, lebe!

Es ist der 21. September 2012 in der alt-katholischen Kirche St. Maria Angelica in Hannover: Kerzen werden entzündet und spenden dem halbdunklen Kirchenraum von überall her ihr funkelndes Licht. Vorn, neben dem Altar, stimmt einer mit lauter und klarer Stimme den Lichthymnus an und zieht die Anwesenden sofort in seinen Bann. „Du Licht vom Lichte, in Liebe leuchtest du, Jesus Christus.“ Der Mann vorn neben dem Altar heißt José Ramón Morán, von den meisten einfach José genannt, und er feiert hier aus Anlass der Langen Nacht der Kirchen mit den Alt-Katholiken und ihren Gästen das Lucernarium, die Lichtfeier. Seit Jahrzehnten beschäftigt sich José mit alt-kirchlicher Musik und Liturgie, und so hat er auch den Lichthymnus vor Jahren in einem französischen Kloster wieder entdeckt, wo er von dem Dominikaner-Mönch André Gouze neu vertont worden ist. Die Lichtfeier gehört zu den ältesten Abendgebetsformen überhaupt. Sie wurde in frühkirchlicher Zeit täglich beim Untergehen der Sonne gefeiert. Weiterlesen →

12. Juni 2014
von beinsen
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Hunde-Nomen est Omen

Während man früher eher Pragmatismus bei der Namensgebung für seinen Hund walten ließ, muss es dabei heute extravagant, trendy und trotzdem individuell zugehen.
Ein Erfahrungsbericht mit persönlichem Einschlag.
Ja, mit den Hundenamen ist das schon so eine Sache. Nachdem jetzt meine Hundeblog- und Journalisten-Kollegin Inka Burow sowie selbst die Frankfurter Allgemeine Zeitung etwas dazu geschrieben haben, muss ich hier auf hund-um-hannover.de natürlich auch noch meinen Senf dazu geben. Inka Burow erinnert sich an einen Jäger, über den sie in ihren frühen Journalistinnen-Jahren einmal ein Portrait verfasst hat: Dabei sei ihr hauptsächlich der Jäger-Dackel „Purzel’“ im Gedächtnis geblieben, mit dem sie während des Interviews den Sessel teilen musste. Im Gesprächsverlauf habe sich heraus gestellt, dass es sich bereits um „Purzel 5“ handelte. Sie sei schockiert gewesen, schreibt Inka. Während heutzutage auch der Hundename für das Image seines Halters herhalten muss und daher möglichst extravagant und individuell zu sein hat, legte man früher eher ein instrumentelles Verhältnis gegenüber dem Hund und dessen Benennung an den Tag. Ein Onkel von mir betrieb in den sechziger, siebziger und achtziger Jahren einen kleinbäuerlichen Betrieb in der Nähe des niedersächsischen Städtchens Burgdorf. Gegenüber dem Hauseingang stand eine Hundehütte und hier residierte als Wachhund über Jahrzehnte ein Hund namens Bobby. Natürlich nicht einer, sondern im Verlauf der Jahre immer mal wieder ein anderer, der Name allerdings blieb stets derselbe: Bobby! Dabei handelte es sich um Mischlinge, die sich aber auch äußerlich immer sehr ähnlich waren, so etwas wie ein Mix aus Schäferhund und hellem Labrador. Und hätte man nicht gewusst, dass ein Hundeleben selten länger als 15 Jahre währt, so wäre wohl der hier über Jahre immer mal wieder stattfindende Generationenwechsel gar nicht aufgefallen. Mein Onkel mochte seine Bobbys – aber sie hatten tagsüber wie nachts, winters wie sommers, ihren Platz in dieser Hundehütte und dafür zu sorgen, dass kein Fremder sich unbemerkt dem Anwesen nähern konnte. Heutzutage stürben die traditionellen Hundenamen wie Rex, Hasso und Bello – und auch der Name Bobby mag dazugehören – aus, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Der Hundebesitzer wolle zeigen, dass er Kosmopolit sei: „Vor 100 Jahren hießen Hunde ob ihres Äußeren manchmal noch „Krummbein“. Andere sagten mit ihren Namen etwas über ihre Funktion oder ihre Fähigkeiten aus: ‚Greifan’ oder ‚Putzenweg’ oder ‚Taugenichts’. Heute hingegen lassen nur noch wenige Namen auf Äußerlichkeiten schließen - und wenn, dann nur verschlüsselt oder zumindest nicht in deutscher Sprache“. Nun ja, „Putzenweg“, „Krummbein" oder „Taugenichts“ hätten auch mir gefallen. Und wohl zu Beruhigung meiner Frau ist mir dieser FAZ-Artikel nicht schon früher unter die Augen gekommen. Etwa damals, als wir über die Namensgebung des kleinen Aussierüdens durchaus kontrovers beratschlagten, der demnächst ins Haus kommen sollte. Dieser Hund heißt weder Hasso noch Bello. Und auch nicht Slibowitz! Auf einem der ersten Bilder, die ich seinerzeit im Internet von Australien Shepherds fand, war ein Exemplar vom Schlag Red Tri – also mit rot-weiß-brauner Fellzeichnung – zu sehen, der gerade einem wild gewordenen Rind beherzt in die Fersen zwackte. „Der Hund muss Zwacker heißen“, so meine spontane Eingebung. Doch schon bald beschlichen mich Zweifel. Nomen est Omen, wie wird der arme Hund dastehen, sollte er seinem Namen irgendwann wirklich einmal Taten folgen lassen. Das fiele doch gleich auf den namensgebenden Besitzer zurück. Dann Störtebeker, das fand ich witzig und echt originell. „Bloß nicht“, protestierte meine Frau, „außerdem haben se’ den doch geköpft“. Stimmt eigentlich, musste ich einräumen, diese Assoziation gefiel mir auch nicht. Und so kamen wir ganz kosmopolitisch und individuell auf einen Namen aus dem Bereich der Jazzmusik. Ob unser Hund die mag, konnte ich bisher noch nicht verifizieren. Aber man ist und bleibt doch ein Kind seiner Zeit. Im Trend bei Hundenamen sind derzeit übrigens auch die Bezeichnungen für hochprozentige alkoholische Getränke, wie Whiskey, Grappa oder Ramazotti. Das kann man auch bei Inka Burow nachlesen: „Wenn ich heute darüber nachdenke, könnte mein mit „Grappa“ wenige Jahre später begonnenes Hundenamengebungskonzept eine Folge des kleinen blonden Ramazzottis aus Herford sein, mit dem meine große Liebe zu Hunden begonnen hat vor fast 19 Jahren.“ Ich persönlich bin bei meiner Frau mit dem Vorschlag „Slibowitz“ gescheitert. Leider oder zum Glück. Ich weiß es nicht! PS. Also für alle, die etwas ganz Individuelles und Ausgefallenes suchen: Der Name "Slibowitz" ist noch frei!

10. Juni 2014
von beinsen
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"Der Haushund im Fadenkreuz der Meinungsmacher". Ein Diskussionsbeitrag von Günther Bloch

Seit über 30 Jahren erforscht Günther Bloch die Verhaltensweisen von Wölfen und Hunden. Und das zumeist in deren natürlicher Umgebung. Bloch geht hinaus in die Wildnis und beobachtet mit Geduld und Hingabe das Leben im Wolfs- oder verwilderten Hunderudel. Etliche Male musste er aufgrunddessen überkommene Auffassungen revidieren, und hat dies immer auch öffentlich getan. Dass ihn seine Fachkompetenz nicht dazu verleitete, zu den bereits existierenden „ultimativen“ Hundeerziehungskonzepten noch eins hinzuzufügen, ist ihm dabei hoch anzurechnen. Wir können also davon ausgehen: was Bloch sagt, hat Hand und Fuß. Auf seiner Website Hunde Farm Eifel hat er einen Diskussionsbeitrag über die derzeitige Situation des Haushundes in unserer Gesellschaft veröffentlicht. Der Text enthält kurz und knapp eigentlich alles, was es grundsätzlich zu diesem Thema zu sagen gibt. Die Kernthesen lauten:
  • Die Domestikation vom Wolf zum Hund ist eine großartige menschliche Kulturleistung.
  • Verhalten und Emotionen von Mensch und Hund haben sich im Verlauf vieler Jahrhunderte flexibel angepasst. Das Positive in dieser Beziehung gerät zunehmend in Vergessenheit.
  • Leider reduzieren unverantwortliche Stimmungs- und Meinungsmacher das Hundeverhalten in einer polemisch geführten Debatte mehr und mehr auf Gefährlichkeit und Aggression.
  • Massaker durch Hunde sind extrem selten. Aber der Hund ist ein Beutegreifer, der unter ungünstigen Voraussetzungen eine Herausforderung darstellen kann. Hier ist Besonnenheit statt Pauschalisierung gefragt.
  • Hunde sind keine instinktgetriebenen Maschinen. Sie kommunizieren ihre Bedürfnisse sowohl auf einer biologischen als auch sozio-emotionalen Ebene.
  • Unverantwortliche Halter müssen bestraft und isoliert werden. Wir brauchen gleichzeitig ein System, worin sozialsichere Hunde und ihre Halter belohnt werden.
  • Die freie Markwirtschaft produziert leider häufig kranke, schlecht sozialisierte und angstaggressive Hunde. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.
  • Der Hund ist ein Lauftier. Die Antwort auf viele Probleme sind großflächige Auslaufflächen.
  • Hier die Dokumentation des ganzen Textes. Weiterlesen →

3. Juni 2014
von beinsen
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Mach mich nich an Alder! Oder: Konflikte in Canidistan

"Warum reagieren Hunde eigentlich immer aggresiv, wenn sie fremden Artgenossen begegnen?" Diese Frage wurde mir vor einiger Zeit von einem Bekannten gestellt. Der Mann hat wenig bis gar nichts für Caniden übrig und wollte im Grunde lediglich seiner Auffassung Ausdruck verleihen, dass Hunde ohnehin nur Stress verursachen. Soweit, so schlecht.

Du deins – ich meins!

Natürlich wissen wir: Wenn sich fremde Hunde begegnen, kommt es keineswegs automatisch zu aggressiven Reaktionen. Allerdings: Treffen zwei sich unbekannte geschlechtsreife Rüden oder Hündinnen aufeinander, kann es schon mal etwas knistern.. Denn schließlich stehen sich hier zwei potenzielle Konkurrenten gegenüber. In Ur-Canidistan, der Welt der Wölfe in der sogenannten freien Natur, gehen sich fremde Rudel lieber aus dem Weg, um Konflikte um Ressourcen und Reviere zu vermeiden. Übrigens: Würde es da ähnlich häufig, ähnlich brutale Konflikte geben wie unter konkurrierenden Menschengruppen, Nationen, Ethnien, Rockergruppen oder Streetgangs etwa, hätten sich die Wölfe wahrscheinlich schon gegenseitig ausgerottet. Sie tun das nicht, ein Hinweis darauf, dass sie in mancherlei Hinsicht um einiges pfiffiger sind als die Menschen. Wolfsaugen Weiterlesen →

18. Mai 2014
von beinsen
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"Collies, Sheltie & Co." Alles, was Sie schon immer über Collies wissen wollten!

Collies gehören hierzulande schon seit Jahren zu den beliebtesten Hunderassen, und deshalb ist auch schon viel über Sie zu Papier gebracht worden. Gabriela Henrichs hat jetzt im „animal learn Verlag“ erfolgreich ein neues Buch vorgelegt: Collies, Sheltie und Co.. Darin vergleicht sie die verschiedenen Collierassen miteinander, erklärt, welche Aktivitäten sich für Collies am besten eignen, gibt Hinweise für den Pflegeaufwand, beschreibt die verschiedenen Farbschlage aber auch Krankheiten und stellt Beschäftigungsmöglichkeiten vor. Ihr Anliegen: Hund und Mensch sollen möglichst optimal zueinander passen. Das Collie-Buch eignet sich für Einsteiger und Fortgeschrittene gleichermaßen. Und schließlich haben auch die vielen schönen Collie-Bilder zum Gelingen beigetragen.
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28. Februar 2014
von beinsen
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Natur – aber bitte nicht pur. Oder: Grimms Märchen in Neuauflage

Es ist jetzt schon ein Weilchen her, da hat die Hannoversche Allgemeine Zeitung über ein Massaker, genauer gesagt über ein Schafsmassaker berichtet. Selbiges richteten ausnahmsweise einmal nicht die Menschen sondern einige Wölfe an, die es vom Truppenübungsplatz Bergen bei der Suche nach ihrem Abendbrot auf eine nahegelegene Schafsweide verschlagen hatte. Als der Wolfsberater Jörg-Rüdiger Tilk eintraf, so schreibt die HAZ,
hatten sich schon alle fünf Schafhalter aus dem Ort dort versammelt. Die Sache hatte sich in Windeseile herumgesprochen. Eine Nachbarin hatte die Schafsleichen entdeckt. Eine andere erzählte, sie habe nachts um eins die Wölfe heulen gehört. Allen bot sich ein grausiges Bild: Acht Schafe lagen tot auf der Weide verstreut, zwei weitere hatten Verletzungen erlitten, denen sie später erlagen. Tilk war gleich überzeugt: ‚Das Rudel muss von einem Trecker oder Auto gestört worden sein, Wölfe töten nicht einfach zum Spaß und lassen die Beute dann liegen.’ Für Elli Hasselmann war und ist das kein Trost. Der Schock sitzt der 68-Jährigen noch im Nacken. „Der Wolf tötet mit Kehlbiss“, erinnert sie sich schaudernd. „Eins der Schafe stand mit offener Luftröhre da.“
Wolfsberater Tilk und seine Kollegen untersuchten den Ort des Geschehens eingehend, um auch sicherzustellen, dass es sich bei den Tätern wirklich um Wölfe gehandelt hat. Denn von so einem Nachweis hängt es ab, ob die geschädigten Landwirte eine Entschädigung und auch eine finanzielle Unterstützung für die Anschaffung von Herdenschutzhunden und das Anbringen ausreichend hoher Sicherheitszäune erhalten. Doch obwohl das jetzt wohl klar gestellt ist, stimmen die betroffenen Schafshalter und andere Wolfsfeinde das alte Lied vom bösen Wolf an: Naturromantik und Artenvielfalt seien schön und gut, aber auf diese eine Art, den Wolf, könne sie gut verzichten, gab eine der Schafszüchterinnen zu Protokoll. Und ein HAZ-Leser mit dem Pseudonym „Louis der Kater“ kommentierte den Artikel im Leserforum mit den Worten:
Wenn ich am Abend auf meinem Balkon stehe kann ich die Wölfe zwischen Gehrden und Ronnenberg hören, stundenlanges Heulen mit anschliessendem schmatzen sprechen eine deutliche Sprache, ich jedenfalls gehe Abends nur noch mit Jagdgewehr aus dem Haus. Hoffentlich wird die Politik schnellsten tätig damit wir nicht mit Meldungen wie, - Wolf raubt Baby aus dem Kinderwagen, oder, - Wölfe überfallen Wohnhaus und rauben die Kinder, wir kennen ja alle die Geschichte von den Grimm's .
Da fragen wir uns natürlich, meint der Betreffende das wirklich ernst oder hat er nur eine sehr hintergründige Art von Humor. Und warum lautet sein HAZ-Nutzername dann nicht Rotkäppchen? Heidschnuckenherde auf der Wiese Mögen Menschen und auch Wölfe gern: Heidschnucken Ich fürchte, er meint es ernst. Denn ein bisschen Natur, das finden wir doch alle schick, aber sie darf natürlich niemandem weh tun. Das, was so mancher für Natur hält, ist realiter nichts anderes als ein vom Menschen gehegter Park und Wirtschaftsraum, in dem sich das allgemeine Naturverständnis selbst ad absurdum führt. Denn noch immer gilt Natur als eine sich selbst überlassene Wildnis, nach der wir uns alle doch so sehr sehnen. Kommt diese Art von Natur dann allerdings einmal in Gestalt eines Wolfes daher, greift der Naturliebhaber lieber zum Jagdgewehr, um sie wieder auf ein ihn nicht beängstigendes Maß zurück zu stutzen. Ehrlich gesagt, mir tun die zugerichteten Schafe auch leid. Aber die Schafszüchterin aus Bergen und der HAZ-Leser „Luis der Kater“ haben wahrscheinlich kein Problem damit, ein Kotelett von Schweinen zu essen, die über Hunderte von Kilometern durch die Republik kutschiert worden sind, um dann im Schlachthof auf recht brutale Art und Weise zu Tode gebracht zu werden. Killen fürs Kotti darf eben nur der Mensch, und wehe, ihm kommt da ein Wolf in die Quere. Ich habe es bereits an anderer Stelle gesagt: Natur ist nicht zum Nulltarif zu haben. Landwirte müssen unterstützt werden, um ihre Weiden sicher einzäunen und – beziehungsweise oder – sich wehrhafte Herdenschutzhunde zulegen zu können. Dafür müssen Kommunen, Länder und der Bund was springen lassen. Dann geht’s einstweilen auch wieder den Schafen und Lämmern gut, jedenfalls bis zu ihrer letzten Reise in den Schlachthof.

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