Pepper Adams: Sie nannten ihn The Knife

Ein Musikerportrait

Nur wenige Jazzmusiker haben sich an das Baritonsaxophon als Soloinstrument gewagt. Zu ihnen gehört Pepper Adams. Und er zählt zweifellos zu den besten großen Solisten, die der Jazz hervorgebracht hat.

In den Saxophonsätzen größerer Orchester übernahm das Baritonsaxophon meistens die Basslinien. Wenn Pepper Adams es spielte, war nichts mehr von der Mühe zu spüren, die es kostete, dieses Instrument zu beherrschen. "Wir nannten ihn das Messer", hat der Bandleader Mel Lewis einmal über Pepper Adams gesagt, "denn sein Ton schnitt regelrecht in uns hinein. Und wenn er mit dem Spielen fertig war, hatte er uns alle auf unsere wahre Größe zurecht gestutzt"

Pepper Adams auf dem Cover von Twelfth & Pingree
Pepper Adams auf dem Cover von Twelfth & Pingree

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Dachbodenfund des Jahres: „Live Dates“ von Wishbone Ash

Dachbodenfund des Jahres: „Live Dates“ von Wishbone Ash

So manch alte Vinyl-Scheibe staubt noch auf Dachböden oder in den Regalen einer Abstellkammer vor sich hin, während der Zahn der Zeit längst unerbittlich an den musikalischen Vorlieben ihres einstigen Käufers genagt und sie dem Vergessen preisgegeben hat. Doch manchmal mag er sich wage an den Sound seiner Jugend erinnern, um schließlich, neugierig geworden auf das Alte, die Suche aufzunehmen. Und siehe da: Welche geniale Wiederentdeckung.

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Can I Kick It?

Can I Kick It?

„People’s Instinctive Travels and the Paths of Rhythm“, veröffentlicht im April 1990, gehört nach Auffassung vieler Kritiker zu den besten Hip Hop Alben, die je produziert worden sind. Und das zurecht! Die Rappertruppe „A Tribe Called Quest (ATCQ)“ zeigte bereits in ihrem Debütwerk jene typisch unaufgeregte Art zu rappen, die sie nicht zuletzt dem Frontman Q-Tip verdankt.
HipHop küsst Jazz: so in etwa könnte das Motto des Albums lauten, das die erfolgreiche Fortsetzung einer gerade erst begonnen musikalischen Liaison war. Die vier Tribes hatten bemerkt, dass so mancher Jazzer auch den HipHop inzwischen als Ausdruck schwarzer Kultur anerkannte. Lange galt das nur für den Funk oder Soul. Die Tribes betrachteten den Jazz daher als einen natürlichen Verbündeten – und zwar sowohl politisch als auch musikalisch. „Da sind viele Gemeinsamkeiten zwischen Jazz und HipHop“, sagte Q-Tip in einem Gespräch mit dem Buchautor Shawn Taylor: „Wie Rap, so erlangte auch der Jazz nie die Reputation, die ihm eigentlich zustand. Und als er sie dann doch erhielt, begann gleichzeitig seine Ausbeutung.“
Bevor „Peoples Instinktive Travels“ im Frühjahr 1990 erschien, hatte ATCQ-Mitglied Q-Tip bereits erste Lorbeeren mit erfolgreichen Aufnahmen bei den Jungle Brothers und De La Soul gesammelt. Kein Wunder also, dass sich ATCQ auch in ihren Texten an den Vorbildern der “No School” wie De La Soul orientieren: Künstler, die den Rap und Hip-Hop aus der Schmuddelecke des mit Obszönitäten gespickten Gangsta-Raps holten. Oder wie der Rezensent Jason Elias schrieb: Der Song „Bonita Applebum“ etwa beweise, das man keine Geräusche von Pistolenkugeln oder Erniedrigungen brauche, um einen großartigen Rapsong zu machen. Wie wahr!
Doch es gab auch andere Stimmen: Der US-amerikanische Kritiker Chuck Eddy schmähte „People’s Instinctive Travels“ als „Pseudo-Jazz“ und als das am wenigstens tanzbare HipHop-Album, das er je gehört habe. Geschenkt: Trotz dieses Verdikts schafften es einige Auskoppelungen, wie die Ohrwürmer „Bonita Applebum“ oder „Can I Kick it“, bis ganz nach oben in die US-amerikanischen Charts – und in die Diskotheken. Und auch auf der Liste der 100 besten HipHop Alben, die das Magazin The Source im Jahr 1998 veröffentlichte, konnten sich A Tribe Called Quest mit „Peoples Instinctive Travels“ und zwei weiteren Veröffentlichungen platzieren.
Und das zu Recht! Der Sound von „A Tribe Called Quest“ (ATCQ) ist immer wieder ein musikalisches Aha-Erlebnis: Unprätentiös cool und gleichzeitig unglaublich groovend. Die Tribes erzeugen in ihren Sounds eine fast psychedelische Atmosphäre und gleichzeitig ein jazziges, fast swingendes Klangspektrum.
Can I kick it? to all the people who can quest like a tribe does? Yes you can. Vielleicht hat sich ja sogar ein US-Präsident von „A Tribe Called Quest“ inspirieren lassen!?