Winter an der Küste

Sturm an der Ostseeküste Schild: Sorry we`re closed Spätestens im Oktober, wenn die Tage merklich kürzer werden und die Temperaturen deutlich nach unten gehen, kehrt in den deutschen Ferienorten an der Nord- und Ostseeküste eine fast gespenstische Ruhe ein. Strand-Bars und Strand-Kioske, Kneipen, Souvenirläden und selbst Lebensmittelgeschäfte schließen für die nächsten Monate ihre Türen. Die Strände haben sich geleert. Kalter Wind wühlt die See auf, fegt über das Land, die gelben Gräser am Strand wiegen sich in seinen pfeifenden Böen. Der dunkle und von Wolken verhangende Himmel gewährt nur trübes Zwielicht, das alles in eine morbide Atmosphäre taucht. Sie beschwört eine Szenerie, die als Kulisse für Geschichten von Ende, Verlassenheit und Einsamkeit gemacht zu sein scheint. Die Orte wirken wie zu Geisterstädten mutierte Stätten ehemals quirliger Geschäftigkeit. Werbetafeln und Plastikbanner locken in bunten Bildern vor verschlossen Türen mit Coca Cola, Eiskrem, Fischbrötchen oder Döner. Jetzt dienen sie nur noch dem Sturm als Schlagwerk und Orgelpfeifen für seine winterlichen Symphonien.

No Go oder Must Be? Zucker im Tee!

“Na – wenn’s also keinen Tee gibt, dann wollen wir wenigstens ein bißchen philosophieren“ sagt Werschinin in Anton Pavlovič Čechovs Drama „Drei Schwestern“. Mehr Spaß macht es natürlich, bei einem Tässchen Tee zu philosophieren; zum Beispiel über die Frage, ob und wie man den Tee süßen sollte. Für die meisten Tee-Puristen ist Zucker im Tee ein absolutes No-Go. Zucker im Tee wäre Selbstbetrug, behaupten manche, denn der eigentliche Teegeschmack sei dabei gar nicht mehr wahrzunehmen. Der britische Tee-Importeur Stephen Twining etwa meint, Zucker sei so dominant, dass er den Eigengeschmack des Tee überdecke. Twining: „Tee ist keineswegs bitter, wenn Sie ihn richtig zubereiten: Wichtig ist, die richtige Ziehdauer einzuhalten. Die optimale Zeit steht auf jeder Verpackung. Das Wasser soll vorher nicht schon einmal aufgekocht worden sein.“ Milch im Tee, das lässt der Teehändler gerade noch gelten. Er ist eben ein echter Brite. Natürlich werden von den Zucker-Gegnern auch gesundheitliche Gründe ins Feld geführt. Zucker reize die Bauchspeicheldüse und könne langfristig zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen. Und Süßstoff? Obwohl das wahrscheinlich noch nicht ganz erwiesen ist, stehen einige darin enthaltene Substanzen im Verdacht, krebserregend zu sein. Egal, alles was Spaß macht ist ohnehin schädlich, werden die notorischen Zucker-im-Tee-Verfechter wohl einwenden. Aber bevor man sich jetzt den nächsten Löffel Zucker in den Tee schaufelt, sollten vielleicht erst einmal die möglichen Alternativen in Betracht gezogen werden. Da käme als erstes Honig infrage. Der wirke als natürlicher Geschmacksverstärker und enthalte lebenswichtige Minerale und Nährstoffe, postet etwa robertru im Online-Portal gutefrage.net . Und Nicole Quast, "Expertin für Yoga, Abnehmen und Diat", empfiehlt auf experto.de nicht etwa das Süßholzraspeln, sondern die Verwendung von Süßholz im Tee. Okay, man kann das ja alles einmal ausprobieren. Und wenn es nicht schmeckt, notfalls doch wieder zum bewährten Zucker, ob weiß, braun oder als Kluntje, wie es der Ostfriese mag, zurückkehren. Oder den Tee vielleicht doch ungesüsst trinken!?

Feine Früchtchen

Es gibt Weine, zu denen entwickelt man schon beim ersten Glas eine geradezu freundschaftliche Beziehung, und plötzlich stellt sich jener Effekt ein, den die Pfälzer mit den Worten „da kansch net mähr uffhöre“ beschreiben. Komme uns jetzt keiner mit der Sucht-Keule. Hier geht es um nichts weniger als um die Kommunikation zwischen Mensch und Wein. Hat dir der Wein etwas zu sagen oder nicht, das ist der springende Punkt. Jeder Weinfreund spricht da auf unterschiedliche Geschmacks-Modifikationen und Wein-Charaktere an. In unserem Fall werden in der Regel Weine mit moderater Säure, gut integrierten Tanninen und stark ausgeprägten Fruchtaromen bevorzugt. Das sind sonnenverwöhnte Tropfen, die meist recht alkoholhaltig daherkommen. Heutzutage findet man sie beispielsweise immer häufiger unter den Übersee-Weinen, die aus der Syrah-Traube – auch Shiraz genannt – gekeltert werden. Aber in den europäischen Weinländern werden ebenfalls vermehrt reinsortige Tropfen dieser Edel-Rebe auf den Markt gebracht. Obwohl der allgemeine Trend laut Weinreporter Mario Scheuermann eher zum Wein mit weniger Alkohol geht, haben auch die alkohollastigen Fruchttorpedos eine große Anhängerschaft, und das muss ja nicht per se schlecht sein.

Ein 2008er Shiraz aus Südaustralien

Im vorliegenden Fall führte ein 2008er Shiraz vom Weingut Bleasdale in Südaustralien zum besagten „Net-mähr-uffhöre-Effekt“. Der Wein hat, wie man es von der Syrah-Traube kennt, eine dunkelrote Farbe und besticht schon beim ersten Schnuppern mit kräftigen Cassis- Aromen. Dieser Eindruck bestätigt sich am Gaumen, und neben der zusätzlichen Pflaumen-Note ist hier gar ein Hauch von Lavendel wahrnehmbar. Etwas Kirsche im Nachhall rundet das Frucht-Bouquet ab. Attention: Dieser Wein hat immerhin 14,5 Prozent Alkohol zu bieten. Bleasdale Shiraz Gekeltert wird der Tropfen auf dem Weingut Bleasdale in Südaustralien, ein Familienunternehmen, dessen derzeitiger Inhaber Robbie Potts nun in der fünften Generationen Weinbau betreibt. Sein Ururgroßvater Frank Potts hat die Gegend am Langhorne Creek um das Jahr 1860 für den Weinbau entdeckt und war damit dort lange Zeit allein auf weiter Flur. Inzwischen sind andere hinzu gekommen. Bleasdale „liegt 75 Kilometer südöstlich von Adelaide am Lake Alexandrina, einem zum Indischen Ozean hin offenen Haff. Die Reben wachsen auf flachen Kiesschotterböden, die durch den Bremer River und den Angas River angeschwemmt wurden. Das Klima ist trocken. Die durchschnittlichen Niederschläge liegen bei 410 Millimeter. Im Winter, wenn die Flüsse viel Wasser tragen, werden die Rebanlagen regelmäßig geflutet“.
Weingut
Bleasdale
Anbaugebiet
Langhorne Creek, Südaustralien
Jahrgang
2008
Traube
Shiraz
Farbe
Dunkelrot
Nase
Cassis
Gaumen
Cassis, Pflaaume, Lavendel
Nachklang
Cassis, Kirsche
Alkoholgehalt
14,49%
Restzucker
1,7 g/l
Säure
6,9g/l
Gesamteindruck
Ein charaktervoller aroma- und nuancenreicher Wein mit weichem Nachklang!


Angeblich wollte Robbie Potts seinerzeit eigentlich nicht am Langhorne Creek bleiben, sondern weiter ziehen nach Tasmanien, dem zu Australien gehörenden Eiland südlich des Kontinents. Das hat irgendwie nicht sein sollen. Aber hätte er es bis dahin geschafft, wäre ihm vielleicht auch einmal ein spezielles tasmanisches Gericht vorgesetzt worden, das im Übrigen hervorragend zu dem heute von seinem Nachfahren Frank produzierten Shiraz passt: die tasmanische Ente. Dazu braucht man getrocknete tasmanische Kirschen, aber die aufzutreiben, ist nicht leicht. Wir haben daher getrocknete Süßkirschen aus Europa verwendet und uns auch sonst einige kleine Variationen beim Kochen erlaubt. Es läuft also eher auf Entenbrust tasmanischer Art hinaus.

Entenbrust tasmanischer Art

60g getrocknete Kirschen 4 EL Zitronensaft und 100ml trockenen Rotwein in einen Topf geben und kurz zum Kochen bringen. 1 bis 2 Auberginen in dünne Scheiben schneiden, mit Salz bestreuen und 10 bis 15 Minuten ziehen lassen. Zwei Stangen Porree putzen, gegebenenfalls halbieren. 1 bis 2 Zucchini waschen und in dünne Scheiben schneiden. 1 rote und 1 grüne Paprika waschen, aufschneiden, säubern und in dünne Ringe oder Streifen schneiden. 2 Möhren putzen und in kleine Scheiben schneiden. Das Gemüse zusammen mit 1 gehackten Knoblauchzehe in eine Auflaufform geben geben. Salzen und Pfeffern und mit süßem Paprika würzen. Das Gemüse mit etwas Oliveöl einpinseln und etwa 30 Minuten in den auf 200 Grad vorgeheizten Backofen stellen Die Entenbrust auf der Fettseite zwei- bis dreimal kreuzweie einschneiden und in einer Pfanne in Butter Pfanne anbraten. Die Seite mit der Fettschicht sollte etwas länger braten, bis zu kross ist. Die Ente aus der Pfanne nehmen, in einen geschlossen Bräter oder eine Auflaufform geben und etwa 20 Minuten in den auf 200 Grad vorgeheizten Backofen stellen. 2 El Balsamessig in den Bratensatz geben und von der Pfanne lösen. Den Bratensatz zu der vorbereiteten Kirschsoße geben, mit etwas Honig, Salz und Pfeffer abschmecken und schließlich mit etwa 150 ml italienischem Masala, wahlweise kann man auch Portwein verwenden, auffüllen. Cirka 10 Minuten sämig einköcheln lassen. Ente aufschneiden und zusammen mit der Soße und dem Gemüse servieren. Dazu kann man Backkartoffeln oder auch Weißbrot reichen. Das Ganze ist insbesondere zusammen mit dem Bleasdale-Shiraz ein Genuß!