Sep 27 2009

Pepper Adams – Sie nannten ihn „The Knife“

Autor: . Abgelegt unter Kultur

Am 10. diesen Monats jährte sich zum 23sten Mal der Todestag von Pepper Adams, einem der talentiertesten Baraitonsaxophonisten aus der Ära des sogeannnten Hardbops. Das Baritonsaxophon mit seinem warmen und celloähnlichen Klang hat in Big Bands traditionell eine tragende Funktion für die “rhythm section“. Pepper Adams gehört zu den wenigen Musikern, die sich erfolgreich als Solisten an dieses Instrument gewagt haben. “Wir nannten ihn das Messer” hat der Bandleader Mel Lewis einmal über ihn gesagt, “denn sein Ton schnitt regelrecht in uns hinein. Und wenn er mit dem Spielen fertig war, hatte er uns alle auf unsere wahre Größe zurecht gestutzt”.



BOSSA NOUVEAU von Pepper Adams

Rasiermesserscharfes Timing
Stechend und intensiv war Adams Ton, mit einem rasiermesserscharfen Timing, gleichzeitig hatte er einen ungeheuren Swing, sein Sound erinnerte eher an die großen schwarzen Altsaxophonisten denn an die Baritonspieler seiner Zeit.
Damit bildete er klanglich einen deutlichen Gegenpol zu seinem berühmteren Baritonkollegen Gerry Mulligan, dessen Ton immer auf eine dunstige aber vibratoarme Weise rein und oft fast klassisch konzertant wirkte. Völlig zu Unrecht stand Pepper Adams Zeit seines Lebens unter dem Schatten des etwa drei Jahre älteren Mulligan, der allerdings die ästhetischen Vorstellungen weißer Jazzfans aus dem Mittelstand besser traf.
Pepper Adams hingegen war expressiv, ganz und gar bluesorientiert und von der schwarzen Spiritualität des Hard Bop Sounds beseelt. Hard Bop, das war die musikalische Sprache schwarzer Jazzmusiker, die sich in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts auf die kulturellen Roots der Afroamerikaner bezogen: Blues, Worksongs und Gospel waren ihre Quellen. Pepper Adams, ein Weißer, konnte sich darin so überzeugend ausdrücken, dass ihn für einen Schwarzen hielt, wer ihn nicht gesehen sondern nur gehört hatte. Und umgekehrt: Wer ihn sah vermochte sich kaum vorzustellen, welch ein musikalisches Feuerwerk dieser hagere Typ mit großer Hornbrille und Schnurrbart auf seinem Bariton hervorzaubern konnte. Gelehrt sehe er aus, sagten manche.

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Die Motor City Scene
Am 08. Oktober 1930 wurde Pepper Adams als Park Adams in Highland Park, US Bundestaat Illinois, etwa 20 Meilen von Chicago entfernt, geboren. Es herrschte die Wirtschaftskrise in den USA. Die Familie Adams zog mehrfach um, der Arbeit wegen. Zuerst nach New York, wo der Zwölfjährige begann, Tenorsaxophon zu lernen und Jazzmusik zu hören. Coleman Hawkins, Duke Ellington, Don Byas, Charlie Christian und andere Jazzer begeisterten ihn. Hier hatte er 14-jährig seinen ersten professionellen Auftritt als Musiker, in der Begleitcombo des damals bekannten Boogie Woogie Pianisten Meade Lux Lewis.

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Im Jahr 1946 ließ sich die Familie Adams in Detroit wieder. In Detroit boomte schon seit einigen Jahren die Autoindustrie, in Detroit gab es Jobs. Detroit war ein Magnet für Menschen auf der Suche nach Arbeit: Es war die Autostadt der USA, von vielen bis heute als „Motor City oder Motown“ bezeichnet. Hier fand Pepper Adams zum Bariton. Und auch seine musikalische Heimat fand er hier, die „Motor City Szene“. Donald Byrd gehörte dazu, Paul Chambers, Tommy Flanagan, Elvin Jones und andere, die den Hard Bop Jazz der fünfziger Jahre entscheidend mitprägten. Pepper Adams und die Afroamerikaner der Motor City Jazz-Scene passten zusammen wie die Faust aufs Auge: Der weiße Baritonsaxophonisten spielte sein Instrument so bluesdurchtränkt, als wäre er schon immer einer von ihnen gewesen.

Pepper Adams gehörte zu den ganz wenigen weißen Musikern, die in der Hard Bop Community der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts Anerkennung fanden. Für sein 1958 auf dem Blue Note Label veröffentlichtem Album „10 to 4 at the 5-Spot“ bekam er den Down Beat Kritiker Preis in der Kategorie Neue Talente.

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“Big Apple” – der Musikermagnet
Viele der jungen Detroiter Jazzmusiker zog es nach New York, in die Metropole des modernen Jazz. Dort bildeten sie eine eigene kleine Gemeinschaft, die der Musik des Big Apple neue Impulse gab. 1956 zog es auch Pepper Adams in die Stadt. Gemeinsam mit Donald Byrd leitete er in den fogenden Jahren ein Quintett, das einige bedeutende Alben produzierte. Auf „Touchstone“ saß dabei der junge Herbie Hancock am Klavier.

Damals in den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren war es wie heute für junge ambitionierte Musiker nicht einfach, in New York Fuß zu fassen. Aus dem ganzen Land strömten die Talente in den Big Apple, um sich um Anerkennung und die lukrativen Jobs in den Clubs und Studios zu bemühen.
Als Baritonsaxophonist war Pepper Adams noch ganz gut dran, denn versierte Musiker am Bariton gab es nicht wie Sand am Meer. Doch auch Adams konnte vom Jazz allein nicht überleben und musste als Studiomusiker eben die Jobs annehmen, die sich gerade boten. Abends traf man sich dann mit anderen, um wieder Jazz zu spielen. Aus so einem Feierabendtreffen entstand 1965 die Thad Jones-Mel Lewis Big Band, mit der Adams fortan immer wieder durch die Lande tourte.

Von New York aus durch die Welt
Im Laufe der Zeit entwickelte sich diese Band zu einem vielbeschäftigten Jazzorchester, das in den siebziger Jahren häufiger auch in Europa zu hören war. Im August 1975 nahm Pepper Adams auf einer dieser Europatourneen im Münchner Jazzclub Domizil sein Live-Album „Twelfth and Pingree“ auf.

Ab 1978 war Adams als Solist und Studiomusike wieder vornehmlich in New York tätig. Über seine Engagements in verschiedenen Jazzorchestern hinaus hat Pepper Adams zeit seines Lebens mit vielen der Berühmtheiten des Jazz zusammen gearbeitet. Unter ihnen Julian Cannonbal Adderley, Charly Mingus, John Coltrane und Chet Baker. Dem im August 1975 verstorbenen Cannonball Adderley widmete Adams das noch im gleichen Monat aus dem Konzert im Münchner Domicile entstandene Album „Julian“.
Pepper Adams starb am 10. September 1986 an den Folgen einer Krebserkrankung. Mit Adams verlor die Jazzszene viel zu früh einen der talentiertersten Musiker seiner Zeit. Er hat als einer der wenigen Weißen in diesem Genre den Hardbop stilbildend mitgeprägt. Adams ist auf unzähligen Jazzalben vertreten und hat selbst etliche unter seinem Namen produziert. Zeifellos gehört sein Name in die Reihe der ganz Großen des Jazz.

Hier reinhören – Musik von Pepper Adams als Imix

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