Schafe und Soldaten – Allianz gegen Hundefreiheit auf dem Truppi

Etwa 500 Schafe grasen derzeit auf dem Truppenübungsplatz Isernhagen-Süd, und das, was da täglich vorn hineingeht, kommt auch kurze Zeit später in verdauter Form hinten wieder raus. Bundeswehr-Feldwebel Frank Wenske stört sich daran nicht. Er macht sich vielmehr Sorgen, dass seine Soldaten beim Üben möglicherweise in Hundefäkalien herumkriechen müssten. So jedenfalls hat er es der Nordhannoverschen Zeitung laut Bericht vom 29. Juli 2011 zu Protokoll gegeben. Ob Schafskacke wirklich so viel angenehmer für die Soldaten ist, sei dahin gestellt. Ihr Vorteil besteht auf jeden Fall darin, dass sie sich von der Bundeswehr weit besser vergolden lässt als der Dog-Shit. Denn damit seine Schafe auf dem Truppi grasen und ihre Notdurft verrichten dürfen, muss Schäfer Frank Weizenkorn Pacht an die Bundeswehr entrichten. Zwar werden auch Hundebesitzer zur Kasse gebeten, nämlich in Form der recht üppigen Hundesteuer, aber weitergehende Ansprüche haben sie daraus nicht abzuleiten, wie wir wissen. Und so sind Hunde und ihre Halter auf dem Truppi auch weiterhin nicht besonders beliebt. Die Bundeswehr habe nichts gegen Hunde, wird der Feldwebel in dem Zeitungsbericht zitiert, aber sie müssten eben an der Leine geführt werden. Auch Schäfer Weizenkorn freut sich, dass auf dem Truppi jetzt endlich Schluss mit lustig für die Hunde ist. Freilaufende Exemplare hätten seine Herde angegriffen, renitente Spaziergänger und Jogger die Schafe auseinander gejagt. Ob die Bundeswehr daher plant, Leinenzwang auch für Jogger und renitente Spaziergänger einzuführen, ist uns allerdings nicht bekannt. Wegen dieser Probleme sei er jedenfalls mehrere Jahre nicht hier gewesen, erzählt Weizenkorn der Nordhannoverschen. Letztere Behauptung ist, wie Eingeweihte wissen, allerdings an den sprichwörtlichen Haaren herbei gezogen. Weizenkorn und seine Schafe sind derzeit mindestens schon im dritten Sommer in Folge auf dem Truppi präsent. Sollen sie ruhig, Hundebesitzer sind da tolerant. Aber sie fordern Freilauf für alle, Hunde wie Schafe! Und schließlich sind dann auch die Übungsbedingungen für unsere Soldaten authentischer. Oder meint jemand, in den Krisengebieten der Welt gelte irgendwo Leinenpflicht für Straßenhunde? (Artikel der Nordhannoverschen Zeitung als PDF - hier klicken)
Nordhannoversche Zeitung vom Freitag den 29. Juli 2011 500 Schafe grasen bei den Soldaten Von Katerina Jarolim-Vormeier Langenhagen. Saftig grüne Wiesen, kleine Wäldchen und angelegte Wege: Die Rede ist vom 248 Hektar großen Areal der Bundeswehr. Auf dem sogenannten Truppenübungsplatz entlang der Bothfelder Straße bis hinüber nach Isernhagen grasen derzeit 500 Schafe und ihr noch nicht gezählter Nachwuchs. Schäfer Frank Weizenkorn hält seine Herde in Schacht. Zusammen mit seinen Begleitern Lotti und Jette, den altdeutschen Hütepudeln, begleitet er tagsüber die jungen und alten Schäflein. Weizenkorn hat den Beruf von der Pike an gelernt. Seine beiden Hunde hören aufs Wort. Schon im vergangenen Jahr war der 46-Jährige mit den Tieren auf dem Übungsgelände der Bundeswehr. „Freilaufende Hunde haben damals meine Herde angegriffen“, erinnert sich der Mann aus Bückeburg. Renitente Spaziergänger und Jogger hätten seine Schafherde immer wieder auseinandergejagt. „Deshalb bin ich mehrere Jahre nicht mehr hier gewesen“, sagt Weizenkorn mit Bedauern. Von Ende April bis Ende Juli grasen jetzt die Tiere in dem Landschaftsschutzgebiet. Hierfür hat Weizenkorn einen Pachtvertrag mit der Bundeswehr unterzeichnet. Er orientiert sich an den Übungszeiten der Bundeswehr. Diese Pläne sind auch auf der Internetseite der Stadt Langenhagen sichtbar. „Wir sehen zu, dass wir uns nicht ins Gehege kommen“, berichtet Feldwebel Frank Wenske, der das Areal ständig kontrolliert. Seinen Angaben zufolge könnte die Bundeswehr mit einer Mähmaschine das gleiche Ergebnis wie mit der Schafherde erzielen, aber es soll nicht noch mehr während der Brut- und Setzzeit zerstört werden. „Landschaftsschutz ist gewollt“, sagt der Feldwebel. Weil die Bundeswehr verstärkt auf dem Gelände mit dem flachen Bewuchs probt und Schießübungen absolviert, müsse eine Regelung und Ordnung existieren. „Wir können den Soldaten nicht zumuten, dass sie in Hundefäkalien herumkriechen“, sagt Wenske und fügt hinzu, dass die Bundeswehr in den zurückliegenden Jahren das Areal kaum genutzt habe. Für viele Hundebesitzer wurden die großflächigen Wiesen zum idealen Auslauf ihrer Tiere. „Zivile Nutzer sind Gäste auf dem Gelände – und nicht, wie oft verlautet, Besitzer“, sagt Wenske. Die Bundeswehr habe nichts gegen Hunde, aber sie müssten an der Leine geführt werden, sagt der 46-Jährige. Weil in der Vergangenheit Motorcrossfahrer das Areal bevölkerten, wurden die Zuwegungen gesperrt. Seitdem ist in der grünen Perle nicht mehr so viel los – und die Schafe weiden in Ruhe.

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