Natur – aber bitte nicht pur. Oder: Grimms Märchen in Neuauflage

Es ist jetzt schon ein Weilchen her, da hat die Hannoversche Allgemeine Zeitung über ein Massaker, genauer gesagt über ein Schafsmassaker berichtet. Selbiges richteten ausnahmsweise einmal nicht die Menschen sondern einige Wölfe an, die es vom Truppenübungsplatz Bergen bei der Suche nach ihrem Abendbrot auf eine nahegelegene Schafsweide verschlagen hatte. Als der Wolfsberater Jörg-Rüdiger Tilk eintraf, so schreibt die HAZ,
hatten sich schon alle fünf Schafhalter aus dem Ort dort versammelt. Die Sache hatte sich in Windeseile herumgesprochen. Eine Nachbarin hatte die Schafsleichen entdeckt. Eine andere erzählte, sie habe nachts um eins die Wölfe heulen gehört. Allen bot sich ein grausiges Bild: Acht Schafe lagen tot auf der Weide verstreut, zwei weitere hatten Verletzungen erlitten, denen sie später erlagen. Tilk war gleich überzeugt: ‚Das Rudel muss von einem Trecker oder Auto gestört worden sein, Wölfe töten nicht einfach zum Spaß und lassen die Beute dann liegen.’ Für Elli Hasselmann war und ist das kein Trost. Der Schock sitzt der 68-Jährigen noch im Nacken. „Der Wolf tötet mit Kehlbiss“, erinnert sie sich schaudernd. „Eins der Schafe stand mit offener Luftröhre da.“
Wolfsberater Tilk und seine Kollegen untersuchten den Ort des Geschehens eingehend, um auch sicherzustellen, dass es sich bei den Tätern wirklich um Wölfe gehandelt hat. Denn von so einem Nachweis hängt es ab, ob die geschädigten Landwirte eine Entschädigung und auch eine finanzielle Unterstützung für die Anschaffung von Herdenschutzhunden und das Anbringen ausreichend hoher Sicherheitszäune erhalten. Doch obwohl das jetzt wohl klar gestellt ist, stimmen die betroffenen Schafshalter und andere Wolfsfeinde das alte Lied vom bösen Wolf an: Naturromantik und Artenvielfalt seien schön und gut, aber auf diese eine Art, den Wolf, könne sie gut verzichten, gab eine der Schafszüchterinnen zu Protokoll. Und ein HAZ-Leser mit dem Pseudonym „Louis der Kater“ kommentierte den Artikel im Leserforum mit den Worten:
Wenn ich am Abend auf meinem Balkon stehe kann ich die Wölfe zwischen Gehrden und Ronnenberg hören, stundenlanges Heulen mit anschliessendem schmatzen sprechen eine deutliche Sprache, ich jedenfalls gehe Abends nur noch mit Jagdgewehr aus dem Haus. Hoffentlich wird die Politik schnellsten tätig damit wir nicht mit Meldungen wie, - Wolf raubt Baby aus dem Kinderwagen, oder, - Wölfe überfallen Wohnhaus und rauben die Kinder, wir kennen ja alle die Geschichte von den Grimm's .
Da fragen wir uns natürlich, meint der Betreffende das wirklich ernst oder hat er nur eine sehr hintergründige Art von Humor. Und warum lautet sein HAZ-Nutzername dann nicht Rotkäppchen? Heidschnuckenherde auf der Wiese Mögen Menschen und auch Wölfe gern: Heidschnucken Ich fürchte, er meint es ernst. Denn ein bisschen Natur, das finden wir doch alle schick, aber sie darf natürlich niemandem weh tun. Das, was so mancher für Natur hält, ist realiter nichts anderes als ein vom Menschen gehegter Park und Wirtschaftsraum, in dem sich das allgemeine Naturverständnis selbst ad absurdum führt. Denn noch immer gilt Natur als eine sich selbst überlassene Wildnis, nach der wir uns alle doch so sehr sehnen. Kommt diese Art von Natur dann allerdings einmal in Gestalt eines Wolfes daher, greift der Naturliebhaber lieber zum Jagdgewehr, um sie wieder auf ein ihn nicht beängstigendes Maß zurück zu stutzen. Ehrlich gesagt, mir tun die zugerichteten Schafe auch leid. Aber die Schafszüchterin aus Bergen und der HAZ-Leser „Luis der Kater“ haben wahrscheinlich kein Problem damit, ein Kotelett von Schweinen zu essen, die über Hunderte von Kilometern durch die Republik kutschiert worden sind, um dann im Schlachthof auf recht brutale Art und Weise zu Tode gebracht zu werden. Killen fürs Kotti darf eben nur der Mensch, und wehe, ihm kommt da ein Wolf in die Quere. Ich habe es bereits an anderer Stelle gesagt: Natur ist nicht zum Nulltarif zu haben. Landwirte müssen unterstützt werden, um ihre Weiden sicher einzäunen und – beziehungsweise oder – sich wehrhafte Herdenschutzhunde zulegen zu können. Dafür müssen Kommunen, Länder und der Bund was springen lassen. Dann geht’s einstweilen auch wieder den Schafen und Lämmern gut, jedenfalls bis zu ihrer letzten Reise in den Schlachthof.

Wolf in Großburgwedel?

Liebe hund-um-hannover.de Besucher: Ich gestehe, ich habe diesen Internetauftritt in den letzten Monaten sträflich vernachlässigt. Sorry und Dank an alle, die trotzdem hin und wieder vorbei geschaut haben. Jetzt soll es aber wirklich öfter mal wieder Neues aus Canidistan geben. Und hier auch gleich der neuste Knaller: Streift ein Wolf durch die Region Hannover? Wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) vom 21.02.2013 berichtet, behaupten drei Autofahrer unabhängig voneinander, Meister Isegrim letzte Woche im Stadtgebiet von Großburgwedel gesichtet zu haben. Zwar konnte wegen des Tauwetters keine sichere Fährte entdeckt werden. Der Chef der örtlichen Jägerschaft, Hegeringleiter Walter Heuer, hält es aber für möglich, dass einer der Wölfe, die auf dem Truppenübungsplatz Bergen gesichtet worden sind, den Weg bis nach Großburgwedel zurückgelegt hat. In Bergen hat ein Wolfspaar vor einigen Monaten nachweislich Nachwuchs bekommen, und der wird langsam flügge. So könnte der eine oder andere mit eigenen Familiengründungsambitionen durchaus auf die Wanderschaft gegangen sein. Die HAZ schreibt:
"Vom großen Laufpensum der Wölfe ist auch Expertin Britta Habbe überzeugt. Ganz Deutschland liege mittlerweile im Streifgebiet; man könne einem jungen Wanderwolf „überall und jederzeit in Deutschland begegnen“, hatte die Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Niedersachsen im September bei einer Informationsveranstaltung in Isernhagen gesagt. Von den Sichtungen in Burgwedel hat die Biologin am Mittwoch erfahren, sich allerdings nicht dort umgesehen."
Die niedersächsische Wolfsexpertin Britta Habbe wertet alle eingehenden Wolfssichtungen aus. Sie rät allen den Großburgwedelern dazu, Ruhe zu bewahren. Der vermeintliche Wolf könnte auch einfach ein stiften gegangener Husky gewesen sein. Wölfe sind Cooler Wolf ziemlich cool, süß, Zwei kleine Wölfe und wollen doch nur spielen! Kleiner Wolf und Mensch Allerdings, ob der Wolf das weiß? Wer einen sieht, sollte lieber ruhig aber bestimmt seines Weges gehen. Einen wilden Wolf zu knutschen, ist nicht nachahmenswert. Wolfssichtungen können direkt an Dr. rer. nat. Britta Habbe, Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft, gemeldet werden: e-Mail, Telefon 0511/5304318, mobil 0179/9075166

Gern gesehene Zuwanderer: Niedersachsen wird Wolfsland!

Niedersachsen wird Wolfsland, titelt die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) in ihrer heutigen Ausgabe. Jägerpräsident Helmut Dammann-Tamke und Umweltminister Hans-Heinrich Sander rechnen laut HAZ damit, dass schon im kommenden Jahr ein Wolfspaar im Wendland oder in der Lüneburger Heide zusammenfindet und Nachwuchs bekommt. Wölfe „sind menschenscheu, umtriebig und haben vielerorts einen schlechten Ruf“, schreibt die HAZ weiter. Bei der Landesregierung in Hannover und den meisten Jägern seien sie aber gern gesehene Zuwanderer. Mehr lesen

Wie der Mensch auf den Hund kam

Fakt ist: Der Hund stammt direkt vom Wolf ab. Frühere Spekulationen, wie etwa noch von Konrad Lorenz, der auf bestimmte Schakalarten als Vorfahren tippte, sind inzwischen durch Genanalysen widerlegt worden. Auch wurde vor noch nicht allzu langer Zeit vermutet, dass der Urhund irgendwann in Mesopotamien durch eine zunächst langsam verlaufenden Domestizierung aus dem Wolf hervor gegangen ist, und sich von dort aus über die ganze Welt verbreitete. Inzwischen gilt es jedoch als bewiesen, dass unabhängig voneinander erste noch wolfsähnliche Hundeschläge aus verschiedenen Wolfstypen in Zentralasien, Nordafrika und dem vorderen Orient entstanden (Bloch 2011). Lange Zeit wurde außerdem die Theorie vertreten, Steinzeitmenschen hätten zunächst verwaiste Wolfswelpen in ihre Obhut genommen, aufgezogen und so an den menschlichen Kontakt gewöhnt. Chihuahua Ach in ihm steckt ein Wolf Durch Weiterzüchtung sei so der Hund entstanden. Heute geht man eher von der Annahme aus, dass die Wölfe selbst sich den Menschen immer weiter annäherten, um sich an ihren Nahrungsabfällen schadlos zu halten. Dies müssten Wölfe mit einer geringeren „Fluchtdistanz gewesen sein, die sich nicht so leicht stören ließen und nicht beim kleinsten Verdacht einer Störung das Weite suchten“, wie der Wissenschaftsjournalist Alwin Schöneberger formuliert (Schöneberger, 76). Wahrscheinlich haben die noch nomadisierenden Menschen irgendwann mitbekommen, dass sie an dem Verhalten der von den menschlichen Abfällen lebenden Caniden, das lateinische Wort für „hundeartige“, damals noch eine sich langsam zum Hund entwickelnden Wolfsart, erkennen konnten, ob irgendwo Gefahren lauerten. Diese Wölfe umlagerten die menschlichen Lagerstätten und machten es den anderen Beutegreifern schwerer, sich ihnen zu nähern. Das nutzten die Menschen aus ¬– Mensch und Wolf kamen in Kontakt. Schließlich erkannte man auch die Nützlichkeit der mittlerweile schon zum Hund gewordenen Wölfe für die Jagd. Mehr lesen

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