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Achim Beinsen: Freier Journalist und Sozialarbeiter

Pinot Grigio meets Grauburgunder

Pinot Grigio 2009 Weingut: Bidoli Vini Anbaugebiet: Italien, Friaul Traube: Pinot Grigio Farbe: Gelb Nase: Melone Gaumen: Pfirsich, etwas Zitone Nachklang: etwas Feige und Ananas Alkoholgehalt: 13% Restzucker: 0,3g/l Gesamtsäure: 7,1g/l Gesamteindruck: Ein Wein Marke Studentenkneipe Jüngst wurde anlässlich der Konfirmation meines Patenkindes beim Italiener getafelt. Nachdem sich alle eingefunden hatten, kam die Frage nach dem passenden Wein auf. „Ein Pinot Grigio vielleicht“, so der Vorschlag von einem Tischnachbarn. Stirnrunzeln meinerseits. Lieber einen süßen Roten?“, hakte der Tischnachbar süffisant lächelnd nach und war wohl überzeugt, hier auf einen echten Dilettanten in Geschmacksfragen gestoßen zu sein. Nein, es soll nicht schlecht über Pinot Grigio-Trinker geredet werden. Aber lassen wir kurz Martin S. Lambeck, den Weinexperten von Welt-Online, zu Wort kommen: „Kennen Sie die Szene? Im Freundeskreis lobt ein Alfa-Romeo-Fahrer den „tollen Pinot Grigio“ beim Nobel-Italiener gegenüber der Firma. Manch einer kauft sogar für viel Geld den Pinot Grigio für daheim. Dabei kann vieles (wenn auch bei weitem nicht alles), was an Pinot Grigio aus Italien auf den deutschen Markt drängt, mit dem deutschen Grauburgunder kaum mithalten. Es handelt sich dabei im Übrigen um die gleiche Rebsorte.“ Damit kein falscher Eindruck entsteht: Unser Tischnachbar von der Konfirmationsfeier fährt zwar Cabrio, aber keinen Alfa-Romeo. Auch muss dahingestellt bleiben, ob er für viel Geld den teuren Pinot Grigio für daheim kauft. Fest steht jedoch, dass diese italienische Weinsorte, deren deutsches Pedant Grauburgunder heißt, bei ihm in gutem Ruf steht. Warum auch nicht? Ist denn der Grauburgunder wirklich besser als die im mediterranen Italien gereifte Rebe? Weinblättchen wollte es wissen und hat daher eine Stichprobenuntersuchung durchgeführt. Zu diesem Zweck wurde beim gleichen Händler – es handelt sich um das Wein- und Spirituosen Franchaise-Unternehmen „Vom Fass“ – jeweils eine Flasche Pinot Grigio und eine Flasche Grauburgunder ausgewählt. Bei der italienischen Variante handelt es sich um einen Pinot Grigio, Jahrgang 2009, vom Weingut Bidoli im norditalienischen Friaul, der Heimat des Pinot Grigio. Alkoholgehalt 13 Prozent. Schüchtern und verhalten gibt sich dieser Wein in der Nase, immerhin lässt sich eine leichte Melonen-Note erheischen. Am Gaumen erkennen wir Pfirsich und etwas Zitrone, das alles jedoch nicht besonders ausgeprägt. Im Nachhall kann der Tropfen mit leichten Nuancen vom rebentypischen Feigenaroma in Korrespondenz mit einer Idee Ananas aufwarten. Insgesamt ist hier nichts Spektakuläres zu berichten. Ein Wein Marke Studentenkneipe. Für Euro 7,95 die Flasche, soviel muss man für den Tropfen beim „Vom Fass“ zahlen, lässt sich jedenfalls Besseres bekommen. Auf der deutschen Seite schicken wir einen Grauburgunder der Winzergenossenschaft Oberbergen, Jahrgang 2009, ins Rennen. Es handelt sich um einen Wein der Lage Oberbergener Baßgeige am Kaiserstuhl. Man lese und staune, so etwas gibt es wirklich im „Vom Fass“. Bei der Bassgeige handelt es sich um eine terassenförmig angelegte Steillage, von der bekanntlich selten Schlechtes kommt. Steillagen bedeuten mühselige Erntearbeit, da meist von Hand gelesen werden muss. Und allein deshalb möchte der Winzer hier nichts vergeigen, sondern mit seiner harten Arbeit einen guten Wein produzieren, der auch einen guten Preis erzielt. Trotzdem kostet der Bassgeigen-Grauburgunder einen Euro weniger als der wahrscheinlich maschinell geerntete Pinot Grigio. Weinlage der Extraklasse: Oberbergener Baßgeige Weinlage der Extraklasse: Oberbergener Baßgeige Sehr hell mit goldenen Reflexen schimmert der Grauburgunder im Glas und verwöhnt die Nase mit fruchtigen Gerüchen nach Kiwi, Ananas und etwas Apfel. Am Gaumen sind deutliche Aromen von Feige, Birne und Grapefruit wahrnehmbar. Dabei hinterlässt der Wein im Nachhall einen leicht moussierenden Eindruck von Birne und Mango, das alles eingebettet in eine spritzige aber nicht aufdringliche Säure. So macht das Weintrinken Spaß, ein frischer und gehaltvoller Tropfen, der allerdings auch 14 Prozent Alkohol aufs Tablett bringt. Im Vergleich mit dem Bidoli-Pino Grigio schneidet dieser Grauburgunder auf jeden Fall um Längen besser ab und ist zudem auch noch um einen Euro günstiger zu haben. An Lambecks Einschätzung scheint also etwas dran zu sein. Ob sich dieses Ergebnis verallgemeinern lässt, müssen wir allerdings dem Gaumen und dem Urteilsvermögen der Weintrinker, Alfa Romeo- und Cabrio-Fahrer selbst überlassen. Oberbergener Bassgeige Grauburgunder 2009 Weingut: Winzergenossenschaft Oberbergen Anbaugebiet: Deutschland, Baden, Kaiserstuhl, Lage Oberbergener Baßgeige Traube: Grauer Burgunder Farbe: Hellgelb mit goldenen Reflexen Nase: Kiwi, Ananas, etwas Apfel Gaumen: Feige, Birne, Grapefruit Nachklang: Birne, Mango Alkoholgehalt: 14% Restzucker: 4,6g/l Gesamtsäure: 6,1 g/l Gesamteindruck: Frisch, fruchtig, gehaltvoll Beide Weine gibt es in den Weinläden der Weinhandelskette "Vom Fass"
Updated: 4. Januar 2015 — 18:54

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