Im Jahr 2000 habe ich ein politikwissenschaftliches Studium an der Universität Hannover mit einer Arbeit über die Rolle der Muslime im jüngsten Jugoslawienkrieg abgeschlossen (vgl. Beinsen 2002). Man hat mir seinerzeit eine Dissertation nahegelegt und vor diesem Hintergrund plante ich, den Zerfall Jugoslawiens in den Kontext von globaler Krise und Staatszerfall zu stellen. Der vorliegende Text war daher ursprünglich als erstes Kapitel einer umfassenderen Untersuchung über ethnische und ethnonationale Konflikte im Kontext des Zerfalls staatlicher Strukturen und staatlicher Hegemonie angelegt, wie sie sich insbesondere im Zusammenbruch multinationaler Staatsverbände staatssozialistischer Provenienz, etwa der Sowjetunion und der Bundesrepublik Jugoslawien, abzeichneten. Beabsichtigt war, diese Dissoziations- und Auflösungsprozesse in den Kontext einer umfassenderen Analyse der krisenbegleiteten Globalisierungsprozesse im ausgehenden 20. Jahrhundert zu stellen und am Beispiel der misslungenen Transformation Jugoslawiens zu beleuchten. War der Zusammenbruch der multinationalen Systeme wie der Sowjetunion und Jugoslawien nur ein Menetekel auf eine sich abzeichnende Krise des marktwirtschaftlich-kapitalistischen Weltsystems, wie der Postmarxist und Wertkritiker Robert Kurz in seinem im Jahr 1994 erschienenen Werk „Der Kollaps der Modernisierung“ behauptete?
Diese Frage gab vor einigen Jahren den Anstoß für die vorliegende Untersuchung unter dem Titel ‚Globalisierung und Krise des Postfordismus‘. Sie arbeitet zunächst den Begriff der ‚Globalisierung‘ historisch auf: Die Analyse spannt den Bogen von den Anfängen des Handelskapitalismus über die Industrielle Revolution und den klassischen Imperialismus bis hin zum Fordismus und Postfordismus
Im Zentrum steht der postfordistische Strukturwandel: Technologe-Schübe (Mikroelektronik), Prekarisierung und die Entkopplung der Finanzmärkte von der Realwirtschaft schwächen gesellschaftliche Integrationsmechanismen und erzeugen globale Krisenwellen. Dies führt in bestimmten Weltregionen zum Verfall staatlicher Gewaltmonopole, zum Anwachsen transnationaler Schattenwirtschaften und zum Ausbruch neuer, ethnonationaler Konflikte.
Die Untersuchung eines Zusammenhangs dieser Prozesse mit dem ethnonationalen Zerfall Jugoslawiens, wie ursprünglich geplant, ist aus persönlichen und inhaltlichen Gründen nicht mehr erfolgt. Im Ergebnis wurden jedoch verschiedene empirische Befunde zusammengetragen, die ein Schlaglicht auf die sozialökonomische und politische Krisenlage des ausgehenden 20. Jahrhunderts und daraus resultierende politische Brüche werfen. Diese Ergebnisse sollen daher den interessierten Lesern und Leserinnen nicht vorenthalten werden.
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