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	<title>Texte - Töne - Visuelles</title>
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	<description>Die Homepage: Texte – Töne – Visuelles von Achim Beinsen</description>
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		<title>Mit den Wölfen heulen: Wolfsprojekt im Wisentgehege Springe</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Mar 2011 13:35:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[(TAZ vom 30.09.2010) Für Matthias Vogelsang ist es nichts Ehrenrühriges, mit den Wölfen zu heulen. Im Gegenteil. Wenn er morgens bei seinem Rudel im Wisentgehege Springe eintrifft, begrüßt er die sechs Vierbeiner mit einem laut anschwellenden Wouhuu-Wouhuu. Aus sechs Wolfskehlen schallt ihm dann ein Echo entgegen. Vogelsang übersetzt: &#8220;Sie freuen sich, dass ich komme.&#8221; Der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(<em><a href="http://www.taz.de/1/nord/artikel/1/mit-den-woelfen-heulen">TAZ vom 30.09.2010</a></em>) <img src="http://wolfstagebuch.wisentgehege-springe.de/wp-content/uploads/2010/12/TH03303-300x199.jpg" alt="Wolf im Wisentgehege Springe" align="left" vspace="" /><br />
Für Matthias Vogelsang ist es nichts Ehrenrühriges, mit den Wölfen zu heulen. Im Gegenteil. Wenn er morgens bei seinem Rudel im Wisentgehege Springe eintrifft, begrüßt er die sechs Vierbeiner mit einem laut anschwellenden Wouhuu-Wouhuu. Aus sechs Wolfskehlen schallt ihm dann ein Echo entgegen. Vogelsang übersetzt: &#8220;Sie freuen sich, dass ich komme.&#8221; Der Mann beherrschst eine Sprache, die außer ihm wohl nur wenige verstehen, geschweige denn sprechen: Wölfisch.<br />
<span id="more-214"></span><br />
Seit April 2010 haben im Wisentgehege Springe südlich von Hannover vier nordamerikanische Timberwölfe ihr Zuhause, im Juli kamen noch zwei kleine Polarwölfe hinzu. Das neue sechsköpfige Rudel steht im Zentrum eines Forschungsprojekts zum Wolfsverhalten und zur Interaktion zwischen Mensch und Wolf. Der 48-jährige Vogelsang ist der Leiter des Projekts, aber er ist gleichzeitig viel mehr: er ist Mutter- und Vaterersatz für die jetzt noch jungen Wölfe und in den nächsten Jahren auch ihr Leitwolf. Als solcher will Vogelsang sie ihr ganzes Leben lang begleiten. &#8220;Wer so verrückt nach diesen Tieren ist wie ich&#8221;, sagt er, &#8220;der muss wohl selbst etwas vom Wolf in den Adern haben&#8221;. Seine Leidenschaft ist gleichzeitig auch eine Mission: Er will mit den Jahrhunderte alten Vorurteilen vom bösen, gefährlichen und blutrünstigen Wolf aufräumen und den Menschen zeigen, wie diese Tiere wirklich sind.</p>
<p>Wolfsvater Vogelsang hat die Babys schon in den ersten Tagen nach der Geburt in seine Obhut genommen. Von ihrer Mutter waren sie verstoßen worden, und Vogelsang beförderte die Kleinen aus ihrem ungarischen Wildauffanggehege auf sein Anwesen in der Nähe von Northeim. Dort nahmen die Babys in der Küche Quartier. Jedes einzelne brachte Vogelsang mit der Flasche und seiner stetigen Präsenz durch die schwierigen ersten Wochen. Seine Frau Birgit half ihm dabei. Für den gelernten KFZ-Meister ist das Engagement für die Wölfe zur Lebensaufgabe geworden.</p>
<p>Wer einen Wolf großziehen will, der muss sich wie ein Wolf verhalten. Vogelsang heulte seine Schützlinge in den Schlaf, kaute ihnen die ersten Fleischbrocken vor und würgte sie ihnen ins Maul, genau so, wie es eine leibhaftige Wolfsmutter getan hätte. Als es nach sieben Wochen von der Vogelsangschen Küche ins zukünftige Wolfsrevier im Wisentgehege ging, campierte er zwei Monate lang mit seinen Kleinen im Stroh und wich Tag und Nacht nicht von ihrer Seite.</p>
<p>Neben Kuscheln und Fürsorge steht allerdings noch etwas anderes auf dem wölfischen Erziehungsplan: Respekt vor dem Ziehvater. Denn spätestens nach zwei Jahren sind aus den süßen Knuddeltieren kapitale, geschlechtsreife Wölfe geworden, und dann sollte Vogelsangs Position im Rudel unangreifbar sein. Sonst könnte es Ärger geben. So muss der Wolfschef schon jetzt dafür sorgen, dass später keiner seiner Zöglinge auf die Idee kommt, ihm den Rang streitig zu machen.</p>
<p>Mit dem in vielen Hundeschulen praktizierten Leckerli-Training wird man beim Wolf nicht weit kommen. Denn während der Hund sich gut dem Menschen anpasst, muss der Mensch sich auf den Wolf einstellen. &#8220;Wenn ich hier im Gehege bin&#8221;, sagt Vogelsang, &#8220;dann lasse ich mich verwolfen und lege den Menschen ab. Wölfe sind Wildtiere.&#8221;</p>
<p>Gerade wegen ihrer Unabhängigkeit findet Vogelsang diese Wesen faszinierend. Sie seien zwar wilde Tiere, aber uns in vielerlei Hinsicht ziemlich ähnlich. Ihn begeistert die Intelligenz der Wölfe, ihr komplexes Sozialverhalten und ihre ausgeprägt arbeitsteilige Lebensweise. &#8220;Im Wolfsrudel hat jeder seinen Platz und seine Aufgabe&#8221;, erklärt er. &#8220;Wenn ein Tier nicht mehr auf die Jagd gehen kann, ist es beispielsweise für die Bewachung der Höhle zuständig.&#8221; Vogelsang schwärmt: &#8220;Alles was Hunde können, können Wölfe zehnmal besser.&#8221;</p>
<p>Seit seiner Jugend verschlang er alles, was an Literatur zum Thema Wolf zu kriegen war. Irgendwann lernte er den aus Ungarn stammenden Tierforscher und Wolfstrainer Zoltan Horkai kennen. Horkai vermittelte ihm den ersten leibhaftigen Kontakt mit einem Wolf, und Vogelsangs Wolfsleben begann. Zu Hause hat er inzwischen ein eigenes 5.000 Quadratmeter großes Gehege mit einem achtköpfigen Rudel. Wenn er sich nicht gerade um seine Jungwölfe im Wisentgehege kümmert, dann verbringt er die Zeit gern dort. Auch nachts tauscht Vogelsang immer wieder das Bett gegen ein Strohlager zwischen den Wölfen.</p>
<p>Im Wisentgehege Springe sind Yakima, Tala, Akela und Nantan, so heißen die vier Timberwölfe, sowie die zwei noch namenlosen Polarwölfe derzeit die Attraktion. Nachmittags um vier ist Fütterung und meist versammeln sich dann etliche Fans vorm Wolfsrevier. Wenn alle -Wölfe, Wolfsvater und Publikum &#8211; in Stimmung sind, wird gemeinsam geheult, und manchem Damhirsch nebenan mag es dabei Angst und Bange werden.</p>
<p>Als besonderes Angebot für Wolfsfreunde, haben sich Vogelsang und die Wildpark-Leitung die Aktion &#8220;Wolfspfleger auf Zeit&#8221; ausgedacht. Wer will, kann Vogelsang für einige Stunden bei der Wolfsbetreuung begleiten. Dabei geht der Gast mit dem Rudelchef ins Gehege, die kleinen Wölfe kommen dann meist neugierig heran, um den Besucher vorsichtig zu beschnuppern. Wen die Tiere mögen, der darf mit einer herzlichen Begrüßung rechnen.</p>
<p>Ein ganzer Tag mit den Wölfen kostest 160 Euro, ein halber 90. Außerdem kann man eine Fotosession oder einen Spaziergang mit Wolfsvater Vogelsang und einem der Wölfe an der Leine durchs Wisentgehege buchen. Die Aktion läuft demnächst aus. Dann muss Vogelsang neu entscheiden, ob er seinen Schützlingen den direkten Kontakt mit Nicht-Wölfen noch gestatten kann &#8211; ihm selbst natürlich ausgenommen.</p>
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		<title>Aus aktuellem Anlass: Der General und das Kosovo</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Jul 2010 15:11:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Vorangestellt Gestern, am hat 22. Juli 2010, hat der Internationale Gerichtshof in Den Haag sein Urteil zur Unabhängigkeitserklärung der südserbischen Provinz Kosovo verkündet. Die Mehrzahl der Richter in Den Haag, zehn von insgesamt 14, haben die Loslösung für rechtens erklärt. Dieses Urteil nehmen wir zum Anlass um daran zu erinnern, dass die mediale Berichterstattung über [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><h4>Vorangestellt</h4>
<p><em>Gestern, am hat 22. Juli 2010, hat der Internationale Gerichtshof in Den Haag sein Urteil zur Unabhängigkeitserklärung der südserbischen Provinz Kosovo verkündet. Die Mehrzahl der Richter in Den Haag, zehn von insgesamt 14, haben die Loslösung für rechtens erklärt.<br />
Dieses Urteil nehmen wir zum Anlass um daran zu erinnern, dass die mediale Berichterstattung über den Konflikt und die Politik der westlichen Länder auch hierzulande nicht ohne Widerspruch geblieben sind. Dabei kam der Protest nicht nur von einer Seite, von der man ihn ohnehin erwartete, nämlich von der Linken – seinerzeit noch PDS – und ihrem Umfeld. Auch ein ehemals hochkarätiger Bundeswehrgeneral hat seit dem Nato-Krieg von 1999 immer wieder seine Stimme erhoben und versucht, eine andere Sicht auf die Geschehnisse publik zu machen. Der Name des Mannes ist Hans Loquai. Im Jahr 2005 stellte er seine Positionen unter anderem auf einer Veranstaltung im niedersächsischen Neustadt am Rübenberge vor.  <a href="http://www.langeleine.de/?p=151"> Ich berichtete seinerzeit für das hannoversche Online-Journal &#8220;Lange Leine&#8221; darüber.</a><br />
Aus aktuellem Anlass wird mein Beitrag aus dem Jahr 2005 hier noch einmal wiedergegeben.</em></p></blockquote>
<h2>Scharfe Kritik an Darstellung des Kosovo-Krieges</h2>
<p><strong>Der Ex-General Heinz Loquai hat im Rahmen einer Veranstaltungsreihe des Arbeitskreises Regionalgeschichte in Neustadt am Rübenberge die deutsche Beteiligung am Kosovo-Krieg kritisiert.</strong><br />
<span id="more-146"></span><br />
Vielleicht sei er ja ein Armee-Fossil, das den alten Zeiten hinterher trauere, als die Bundeswehr noch eine reine Verteidigungsarmee war, sagte Heinz Loquai und lächelte süffisant. Der drahtige und seriös mit einem grauen Anzug und Krawatte bekleidete 67-jährige Ex-General sprach am Donnerstag, dem 3. November 2005, im Hotel Scheve in Neustadt am Rübenberge vor einem bunt gemischten Auditorium aus Bundeswehr-Veteranen, Gewerkschaftern, Mitgliedern der Linkspartei und Friedensbewegten. Sein Thema: Die Bundeswehr-Auslandseinsätze im Allgemeinen und der Kosovo-Krieg von 1999 im Speziellen.</p>
<p><img src="http://www.langeleine.de/wp-content/loquai_04.jpg" alt="Heinz Loquai" /><br />
General a.D. Heinz Loquai</p>
<h3>Loquai: Kosovo-Krieg war vermeidbar</h3>
<p>Loquais Auffassung zufolge war dieser Krieg vermeidbar. Die politisch Verantwortlichen hätten die deutsche Bevölkerung über die wahren Zusammenhänge getäuscht, um den ersten Kampfeinsatz der Bundeswehr nach 1945 zu rechtfertigen, erklärte der Offizier. Seiner Ansicht nach handelte es sich dabei um einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg.</p>
<h3>Informationen aus Krisenregion widersprachen offizieller Darstellung</h3>
<p>Von 1991 bis 1995 leitete Loquai das Zentrum für Abrüstungskontrolle der Bundeswehr. Dann wurde er zum Leiter des militärischen Beraterstabes bei der deutschen OSZE-Vertretung in Wien berufen. Der militärische Bereich der deutschen OSZE-Mission war eine der wichtigsten Schaltstellen für Informationen aus dem ehemaligen Jugoslawien. Loquai saß an der Quelle. „Die Informationen, die wir aus den Krisenregionen bekamen und das, was die Politiker und die Medien darüber berichteten, passten einfach nicht zusammen“, sagte Loquai. Das damals verbreitete Schwarz-Weiß-Bild von den Serben als Tätern und den Albaner als Opfern habe der Öffentlichkeit die Möglichkeit verstellt, den Konflikt richtig zu begreifen, sagte er.</p>
<h3>Verschärfung des Kosovo-Konfliktes durch kosovo-albanische UCK</h3>
<p>Ab 1997 war es zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der kosovo-albanischen Befreiungsarmee UCK und den jugoslawischen Sicherheitskräften gekommen. Dabei seien etwa 250.000 Menschen aus ihren Dörfern und Städten vor den Kämpfen geflohen, referierte der Bundswehr-General a.D. Im Jahr 1998 erfolgte vor diesem Hintergrund eine Internationalisierung des Konfliktes. Beide Seiten wurden von den USA und der EU zu Friedensgesprächen aufgefordert. In einem Abkommen habe sich der jugoslawische Präsident Milosevic bereit erklärt, den größten Teil seiner Truppen aus dem Kosovo abzuziehen, berichtete Loquai. „Von serbischer Seite hat man sich an das Abkommen gehalten.“ Die UCK sei jedoch mit ihren Leuten in das Vakuum gestoßen, das durch den Abzug entstanden war, führte der General aus: „Sie besetzten Ortschaften und errichteten überall Straßensperren. Das hätte sich kein Staat gefallen lassen.“</p>
<h3>Hat der Kriegseinsatz die humanitäre Katastrophe ausgelöst?</h3>
<p>Die NATO habe den Krieg spätestens seit 1999 gewollt, meinte Loquai. Von März 1998 bis Februar 1999 habe es im Kosovo laut internen Informationen durch Nachrichtendienste und OSZE-Beobachter etwa 200 Todesopfer gegeben. Darunter serbische Polizisten und Soldaten, albanische Kämpfer sowie serbische und albanische Zivilisten. „200 Tote zuviel“, sagte Loquai, „aber das war nicht die humanitäre Katastrophe, von der die deutschen Politiker sprachen, allen voran Josef Fischer und Rudolf Scharping.“ Er fügte hinzu: „Der Vergleich zwischen Auschwitz und den Ereignissen im Kosovo, mit dem Fischer den Kriegseinsatz begründete, war eine ungeheuerliche Verharmlosung der nationalsozialistischen Judenvernichtung.“ Die wirkliche humanitäre Katastrophe sei durch den Kriegseinsatz erst ausgelöst worden, sagte Loquai.</p>
<h3>Loquai empörte sich über „offensichtliche Lügen“ der ehemaligen Bundesregierung</h3>
<p>Heinz Loquai hat seit 1999 zwei Bücher über den Kosovo-Krieg geschrieben. „Ich war empört über diese offensichtlichen Lügen und musste mich deshalb zu Wort melden“, sagte er. Er hält es für einen Treppenwitz der Geschichte, dass ausgerechnet die rot-grüne Bundesregierung der endgültigen Remilitarisierung der deutschen Außenpolitik den Weg bereitet habe. Noch bis 1998 waren die meisten Politiker in der SPD und bei den Grünen gegen Kampfeinsätze der Bundeswehr im Ausland.</p>
<p>Loquai meint, dass der Kosovo-Krieg hätte verhindert werden können, wenn die NATO nicht einseitig Partei für die albanische Seite ergriffen hätte und die OSZE-Beobachtermission weiter geführt worden wäre. Loquai zeigte sich an diesem Abend entrüstet. Er sieht in den damaligen Vorkommnissen einen Skandal, der als solcher nie in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Für den General a.D. ist die Bundeswehr seit dem Kosovo-Krieg nicht mehr die alte Verteidigungsarmee, in der er gedient hat. Auslandseinsätze, wie derzeit in Afghanistan, seien zur Normalität geworden.</p>
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		<title>Pflegekammern gegen Pflege-Krise</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Jul 2010 16:41:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Soziales]]></category>

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		<description><![CDATA[(pflegen-online , Ausgabe 04/2009 &#8211; Nr. 111) Die Fachverbände der Kranken- und Altenpflege fordern seit Langem die Einrichtung einer Pflegekammer. Was ist davon zu erwarten? Mehr Bürokratie und Kontrolle oder eine Verbesserung der Pflege? Im Oktober dieses Jahres hat der Kieler Rechtsgelehrte Gerhard Igl sein neuestes Gutachten zum Thema Pflegekammern vorgestellt. Darin vertritt er die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.pflegen-online.de/nachrichten/aktuelles/der-neue-pflegebrief-ist-erschienen-12-2009.htm?PHPSESSID=a">(pflegen-online , Ausgabe 04/2009 &#8211; Nr. 111)</a><br />
<strong>Die Fachverbände der Kranken- und Altenpflege fordern seit Langem die Einrichtung einer Pflegekammer. Was ist davon zu erwarten? Mehr Bürokratie und Kontrolle oder eine Verbesserung der Pflege?</strong><br />
Im Oktober dieses Jahres hat der Kieler Rechtsgelehrte Gerhard Igl sein neuestes Gutachten zum Thema Pflegekammern vorgestellt. Darin vertritt er die Auffassung, dass eine Kluft zwischen der tatsächlichen Stellung der Pflegeberufe im Gesundheitswesen und ihrer öffentlich-rechtlichen Position herrsche. Dieses Missverhältnis sollte durch die Gründung von Pflegekammern beseitigt werden, sagt Igl. Auftraggeber des Gutachtens ist der Deutsche Pfle-geverband (DPV). Für dessen Geschäftsführer Rolf Höfert stellt die Expertise denn auch ein Signal an alle Bedenkenträger dar, endlich einzulenken und den Weg für die Pflegekammern freizumachen.<br />
<span id="more-141"></span></p>
<p><a href='http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/wp-content/uploads/2010/07/dg-bank1.jpg' title='dg-bank1.jpg'><img src='http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/wp-content/uploads/2010/07/dg-bank1.jpg' alt='Gebäude - Glasfront' /></a></p>
<p>Die Forderung nach Einrichtung von Pflegekammern steht bereits seit 20 Jahren auf der politischen Agenda: 1990 wurde in München der erste Förderkreis gegründet. In den folgenden Jahren etablierten sich in vielen anderen Bundesländern ähnliche Initiativen und 1995 hoben die Aktivisten eine Nationale Konferenz zur Gründung einer Pflegekammer aus der Taufe. An vorderster Stelle engagieren sich dabei insbesondere Repräsentanten des Deutschen Pflegerates (DPR), des Deutschen Pflegeverbandes (DPV) und anderer Interessenverbände für die sogenannte Verkammerung ihres Berufsstandes. Von der Kammerbildung verspricht man sich einen größeren Einfluss der eigenen berufspolitischen Positionen. Damit soll die berufliche Autonomie der Pflegeberufe gefördert und eine einheitliche Qualitätskontrolle von Pflegeleistungen ermöglicht werden. Darüber hinaus, so die Hoffnung, könne damit die weitere Professionalisierung und Verselbstständigung der Pflegeberufe gegenüber anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen vorangetrieben werden. Die Hoffnung wird wohl nicht zuletzt von dem Wunsch genährt, sich als eigenständige Disziplin gegenüber den Ärzten stärker zu profilieren. </p>
<p><a href='http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/wp-content/uploads/2010/07/dg-bank2.jpg' title='dg-bank2.jpg'><img src='http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/wp-content/uploads/2010/07/dg-bank2.jpg' alt='Gebäude - Glasfront' /></a></p>
<p>Das Kammerwesen ist Ländersache. Kammern sind sogenannte Körperschaften des öffentlichen Rechts, Organisationen also, denen der Staat – in diesem Fall die Bundesländer – per Gesetz bestimmte hoheitliche Aufgaben überträgt. In ihnen sollen Betroffene gesellschaftlich bedeutende Angelegenheiten in Selbstverwaltung regeln. Mit ihren Forderungen nach einer Pflegekammer orientieren sich die Pflegeverbände an den Ärztekammern. Diese sind beispielsweise für die Überwachung der Berufsausübung ihrer Mitglieder, die Organisation von Fortbildungen, die Festlegung von Qualitätsstandards der ärztlichen Versorgung, die Abnahme von Prüfungen und insgesamt für die Interessenvertretung der Ärzteschaft verantwortlich. Es gilt die Pflichtmitgliedschaft für alle Angehörigen der Berufsgruppe. </p>
<p><a href='http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/wp-content/uploads/2010/07/dg-bank3.jpg' title='dg-bank3.jpg'><img src='http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/wp-content/uploads/2010/07/dg-bank3.jpg' alt='Gebäude - Glasfront' /></a></p>
<p>Durch den öffentlich-rechtlichen Status könnten die Vertreter der Pflegelobby zukünftig entscheidend an Gesetzgebungsverfahren und an der Regelung von Konflikten zwischen Pfle-genden und anderen Interessengruppen, wie etwa der Ärzteschaft, mitwirken. In der Tat würde die Pflegekammer einen erheblichen Machtzuwachs ihrer Repräsentanten mit sich bringen. Den in der Nationalen Konferenz zur Gründung einer Pflegekammer engagierten Pflegeaktivisten geht es nach eigener Aussage jedoch nicht vordergründig um die eigenen Interessen, sondern um das Allgemeinwohl: Die Hauptaufgabe einer zukünftigen Pflege-kammer sei es, „zum Wohle der Allgemeinheit die Bürgerinnen und Bürger vor gesundheitli-chen Nachteilen und Schäden durch unsachgemäße Pflege zu schützen“, schreiben sie auf ihrer Website. Dazu bedürfe es der „Implementierung und Durchsetzung einer für alle Angehörigen der Pflegeberufe gültigen Berufsethik“. Und das lässt sich ihrer Auffassung nach am besten durch die Gründung einer Pflegekammer realisieren. Denn diese kann ihren Mitgliedern die Ausübung oder das Unterlassen bestimmter Handlungen verordnen und die Nichtbefolgung sanktionieren. Und da man aus der Kammer nicht austreten kann, sind sol-che Vorgaben allgemeinverbindlich. Bei Renitenz droht schlimmstenfalls Berufsverbot. Ge-rade in dieser Verbindlichkeit von Beschlüssen für alle beruflich Pflegenden sehen die Be-fürworter ein Plus. Das bringe Sicherheit für die Bevölkerung. Nicht zuletzt habe die Politik damit einen zentralen Ansprechpartner. </p>
<p>Die politische Verantwortlichen in den Bundesländern konnten sich bisher jedoch kaum mit dem Gedanken an eine Pflegekammer anfreunden. Der studierte Mediziner und neue Bun-desgesundheitsminister Philipp Rösler beispielsweise gilt noch aus seiner Zeit als FDP-Fraktionsvorsitzender im niedersächsischen Landtag als Gegner von Pflegekammern. Auch in der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ist man von der Idee einer Pflegekammer nicht be-geistert. Der organisatorische und finanzielle Aufwand für deren Einrichtung stehe in keinem vernünftigen Verhältnis zu seinem Nutzen, haben die Gewerkschafter in einem Positionspa-pier aus dem Jahr 2005 zu Protokoll gegeben. Für die Umsetzung der von den Pflegever-bänden propagierten Aufgaben bedürfe es keiner Pflegekammer. ver.di wirft den Pflegever-bänden eine Stellvertretermentalität vor. Die Interessen der Bürger würden in einem demo-kratischen Staat durch gewählte demokratische Organe gewährleistet, nicht durch Kammern. Die ver.di-Funktionäre betrachten das Engagement für eine Pflegekammer wohl nicht zuletzt als Wildern im eigenen Revier. Schließlich sind Interessenvertretung und Formulierung be-rufspolitischer Forderungen ureigene gewerkschaftliche Kompetenzen. Und die Gruppe der abhängig beschäftigten Pflegenden bildet einen hohen Anteil unter den ver.di-Mitgliedern.  </p>
<p><a href='http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/wp-content/uploads/2010/07/dg-bank4.jpg' title='dg-bank4.jpg'><img src='http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/wp-content/uploads/2010/07/dg-bank4.jpg' alt='Gebäude - Glasfront' /></a></p>
<p>Aber auch aus den Reihen der in der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten e.V. (DGVP) organisierten Patientenvertreter sind Zweifel hörbar. Begrüßenswert sei zwar, dass die Institutionen zukünftig mit einer Stimme sprächen, doch sähe man dieses Ziel lieber auf anderem Wege verwirklicht. Zitat: „Die in sich selbst ruhenden und mit sich selbst beschäftigten Kammern als Körperschaft des öffentlichen Rechts sind bewiesenermaßen häu-fig Bremser von konstruktiven Entwicklungen und Verursacher von Bürokratie.“<br />
Als Vorsichtsmaßnahme gegen Bürokratisierung und als kleines Bonbon für die Patienten-vertreter schlägt Pflegeaktivistin Monika Skibicki die Einrichtung von Kontrollinstanzen vor. Dem Geschäftsführer könne ein ständiger Beirat zur Seite gestellt werden, „der sich aus Pa-tienten- und Angehörigenvertretern sowie Vertretern anderer Gesundheits- und Heilberufe zusammensetzt“. Mit den Pflegekammer gäbe es endlich eine allgemeine und demokratisch legitimierte Interessenvertretung aller Berufsangehörigen.</p>
<p>Doch gerade die Frage nach der Legitimität ist umstritten. wollen die beruflich Pflegenden überhaupt eine Kammer? Der Bremer Jurist Lutz Barth, der sich in seinem Internetportal IQB &#8211; Das Portal zum Medizin- und Pflegerecht kritisch mit dem Thema Pflegekammer auseinan-dersetzt, wirft den Verbänden Geheimniskrämerei vor. So weigere sich der Deutsche Pflege-rat beharrlich, Zahlen über seinen Organisationsgrad offenzulegen. Für ihn werde zuneh-mend klarer, dass der DPR darum wisse, eben nicht die Mehrheit der beruflich Tätigen hinter sich zu haben, meint Barth.<br />
Kritiker werfen den Verbänden daher vor, dass sie eher für sich als für die beruflich Pflegenden sprächen. Auch seien Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit einer Pflegekammer ange-bracht. So wird darauf hingewiesen, dass die Verkammerung der Pflege notwendigerweise eine Pflichtmitgliedschaft für die professionell Pflegenden mit sich bringt. Hier wird insbeson-dere das Recht auf Vereinigungsfreiheit berührt, ordnet der Staat per Gesetz eine Vereini-gung doch quasi zwangsweise an. </p>
<p>Bereits im Jahr 1998 kam jedoch der Rechtswissenschaftler Otfried Seewald aus Passau in einem Gutachten für den Förderverein zur Gründung einer Pflegekammer in Bayern e.V. zu dem Ergebnis, dass verfassungsrechtliche Bedenken fehl am Platz sind. Die Meinungsplura-lität sei insbesondere dadurch gesichert, dass Pflegekräfte Mitglieder werden und an den Entscheidungsprozessen der Kammer mitwirken können. Damit werde soziale Macht ermög-licht und gleichzeitig in verbindliche Rechtsnormen eingebunden. Zu einem vergleichbaren Ergebnis kommt Gerhard Igl in seinem neusten Gutachten. </p>
<p>Steter Tropfen höhlt den Stein. Das 20-jährige Engagement für Pflegekammern scheint sich langsam auszuzahlen und auf politischer Ebene ein Umdenken hervorzurufen. Die SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag hat im August dieses Jahres eine parlamentarische Initiative für die Einrichtung einer Pflegekammer in Niedersachsen angekündigt. Pflegekammern seien geeignet, berufliche Qualitätsstandards festzulegen und deren Einhaltung zu überwachen, sodass in Einrichtungen gleiche Standards gelten, argumentieren die nieder-sächsischen Sozialdemokraten. Damit vollzieht die SPD-Niedersachsen eine Wende, denn zuvor stand sie dem Pflegekammer-Gedanken eher skeptisch gegenüber.<br />
In Hessen ist man inzwischen noch einen Schritt weiter. Hier hat das Sozialministerium im September 2007 ein Positionspapier für die Einrichtung einer Pflegekammer verabschiedet. Das Papier orientiert sich stark an den Vorstellungen der Pflegeverbände und soll jetzt als Grundlage für weitere Beratungen zum Pflegekammer-Projekt dienen. So könnte Hessen vielleicht schon bald vorangehen und mit der Gründung der ersten Pflegekammer in Deutschland aufwarten. Die Nachahmung andernorts ist dann nicht sehr unwahrscheinlich.<br />
<strong>Zum Nach- und Weiterlesen</strong><br />
<a href="http://www.pflegekammer.de">Nationale Konferenz zur Errichtung von Pflegekammern in Deutschland. URL: http://www.pflegekammer.de</a><br />
<a href="http://www.pflegekammer-niedersachsen.de/">Förderverein zur Errichtung einer Pflegekammer in Niedersachsen e.V. URL: http://www.pflegekammer-niedersachsen.de/</a><br />
<a href="http://www.iqb-info.de sowie http://blog-pflegekammern.iqb-info.de">IQB &#8211; Das Portal zum Medizin- und Pflegerecht. URL: http://www.iqb-info.de sowie http://blog-pflegekammern.iqb-info.de</a></p>
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		<title>Mystik und Müll</title>
		<link>http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/?p=50</link>
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		<pubDate>Thu, 20 May 2010 21:59:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein süßlich modriger Geruch liegt in der Luft. Neben unverputzten zwei- bis vierstöckigen Häusern reihen sich armselige Baracken, zusammengezimmert aus alten Brettern und Wellblech, bedeckt mit Plastikplanen, Pappe und Strohmatten. In den schlammigen Straßen türmen sich Berge von Müll. Der Abfall ist allgegenwärtig. Hier, im Stadtteil Moytamadea der ägyptischen Metropole Kairo, leben mehrheitlich christliche Kopten. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein süßlich modriger Geruch liegt in der Luft. Neben unverputzten zwei- bis vierstöckigen Häusern reihen sich armselige Baracken, zusammengezimmert aus alten Brettern und Wellblech, bedeckt mit Plastikplanen, Pappe und Strohmatten.</p>
<p><img src="http://www.yallaev.de/muellviertel.jpg" alt="Müll in Kairo" height="228" width="344" /><br />
 In den schlammigen Straßen türmen sich Berge von Müll. Der Abfall ist allgegenwärtig. Hier, im Stadtteil Moytamadea der ägyptischen Metropole Kairo, leben mehrheitlich christliche Kopten. Sie sind die Müllsammler der Stadt.</p>
<p><img src="http://www.yallaev.de/zabalin.jpg" alt="Müllsammler" height="233" width="338" /><br />
<em>Kopten sind die Müllsammler in der ägyptischen Metropole Kairo</em></p>
<p><span id="more-50"></span></p>
<p><strong>Berge von Müll faulen vor sich hin</strong><br />
Zwischen Blech, Glas, Plastikflaschen, Papier und Stoffresten faulen Fleisch- und andere organische Abfälle vor sich hin. Schweine und Ziegen wühlen nach Essbarem, die Schnauzen im Unrat vergraben. Kinder und Erwachsene sortieren Gegenstände aus dem Müll, errichten hier einen Haufen aus alten Blechen, dort einen aus Plastikabfällen, daneben einen anderen aus Glasresten. Viele von ihnen haben eitrige Ekzeme an Händen und Gesichtern. Auf morschen Eselskarren, Kleinlastern oder den Gepäckträgern rostiger Fahrräder wird immer neuer Unrat in großen Plastiksäcken herangeschafft.<br />
Das Kairoer Müllviertel liegt am Rande der Mokattam-Berge. Hier befindet sich die Höhlenkirche des heiligen Samaàn. Der einzige Weg dorthin führt durch Moytamadea. Alle die kommen, müssen durch die Müllstadt. Europäer, die diesen Ort besuchen, bewegen sich abseits der Touristenpfade. Denn in den meisten Reiseführern findet der Weg durch das Müllviertel hinauf zur Felsenkirche keine Erwähnung.<br />
<strong>Die Höhlenkirche von Samaàn</strong><br />
Steil ragen die hellen Felsen in die Höhe. Auf einer Anhöhe oberhalb des Viertels befindet sich ein von Klippen umrahmter Platz. Bis zu zwei Meter hohe Reliefs mit den Darstellungen von Heiligen und biblischen Motiven sind über die weiß bis hell-rötlich schimmernden Felsen verteilt. Weiter hinten ist ein mehrere Meter breiter Eingang zu sehen. Er führt in eine riesige Kirche, die hier in den Kalkstein gehauen wurde. Abschüssig auf den Altarraum zulaufend sind im Halbkreisen Bänke aufgestellt. Die Szenerie erinnert an ein griechisches Amphitheater. Bis zu 15.000 Menschen kann die Höhlenkirche aufnehmen. Links und rechts vor dem Altarraum gibt es kleine Säulengänge, geschmückt mit Kreuzen und Ikonen. In einem Glaskasten werden Reliquien des Schutzheiligen aufbewahrt. Für die Gläubigen ist dies ein heiliger Wallfahrtsort. Der Legende nach hat der Heilige Samaàn das Christentum in Ägypten vor dem Untergang bewahrt. Durch ein Wunder habe er den Berg gespalten und den arabischen Eroberern damit die Kraft des christlichen Glaubens vor Augen geführt.<br />
Die Menschen suchen die Nähe zu ihren Heiligen. Sie knien vor den Bildern, berühren und küssen sie. Die Heiligen und der Glaube an ihre Kraft, der Glaube an Wunderheilungen und Erscheinungen ist hier sehr präsent. Die Höhlenkirche gehört zu einer größeren Klosteranlage, die erst seit den siebziger Jahren wieder genutzt und seither mit Spendengeldern wohlhabender Kopten baulich rekonstruiert wird.<br />
<strong>Nachfahren der alten Ägypter</strong><br />
Mit etwa zehn bis zwölf Millionen Gläubigen bildet die koptische Kirche in Ägypten die größte christliche Glaubensgemeinschaft im Nahen Osten. Während der Anteil der koptischen Christen an der ägyptischen Bevölkerung insgesamt auf knapp zehn Prozent geschätzt wird, sind sie im Wirtschaftsleben überproportional mit etwa 20 Prozent vertreten. Die Kopten verstehen sich als die Nachfahren der alten Ägypter, die der Islamisierung des Landes im 7. Jahrhundert trotzten. Als ihren Kirchengründer betrachten sie den Apostel Markus, der  62 Jahre nach Christus in Ägypten missioniert haben soll. Im Jahr 451 trennte sich die koptische Glaubensgemeinschaft von der orthodoxen Kirche in Byzanz. Anlass der Trennung war ein Glaubensstreit. Mit der Auffassung, dass sich das göttliche und das menschliche Wesen in der einen Natur Jesus Christus’ verbunden habe, grenzten sich die Kopten sowohl gegen Rom als auch gegen Byzanz ab. In der orthodoxen und katholischen Kirche gilt bis heute die Lehre von den zwei Naturen Jesus’, der göttlichen und der menschlichen zugleich.<br />
<strong>Der koptische Papst</strong><br />
Der Patriarch der koptischen Kirche führt seit alter Zeit den Titel „Papst.“ Er residiert in Alexandria. Derzeit hat Seine Heiligkeit Shenouda III. dieses Amt inne. Seit der ehemalige Präsident Sadat das Land in den siebziger Jahren zu einem islamischen Staat erklärte, fühlen sich viele Angehörige der christlichen Minderheit benachteiligt. Positionen in öffentliche Ämtern bleiben den Kopten häufig verschlossen, hier sind sie lediglich mit 1,5 Prozent vertreten.</p>
<p><img src="http://www.heiligenlexikon.de/Fotos/Kopten-Papst.jpg" alt="Der koptische Papst" /><br />
<em>Das Oberhaupt der Koptischen Kirche: Seine Heiligkeit Papst Shenouda III., Papst von Alexandrien und Patriarch des Stuhles vom Heiligen Markus, seit 1972 der 116. Nachfolger auf dem Patriarchenstuhl des Hl. Markus.</em></p>
<p>Obwohl für Ägyptenbesucher in der Regel wenig von den Spannungen zwischen Kopten und Muslimen zu spüren ist, kam es im letzten Jahrzehnt immer wieder zu Anschlägen auf Christen und christliche Einrichtungen. Zwar sind diese Überfälle seltener geworden, doch viele Angehörige der Minderheit fühlen sich nach wie vor in Ägypten nicht sicher. Von offizieller Seite soll indes der Eindruck vermieden werden, der Extremismus sei nicht unter Kontrolle. Ebenso wie vor touristischen Einrichtungen ist die Polizeipräsenz auch vor Kirchen oder um die koptischen Wohnviertel herum besonders hoch. Seit die Attacken zunehmen, scharen sich die Kopten enger um ihre Kirche und bringen dies auch äußerlich zum Ausdruck. Viele lassen sich ein kleines blaues Kreuz auf die Hand tätowieren. Die Religion gewinnt eine zunehmende Bedeutung als Identitätssymbol.<br />
<strong>Koptisches Mönchtum erlebt eine Renaissance</strong><br />
Der Einfluss der Kirche auf das Leben der Menschen steigt und so erfährt auch das koptische Mönchtum eine Renaissance. Verlassene und verfallene Klöster werden wieder in Besitz genommen, restauriert oder neu erbaut. Ägypten ist das Ursprungsland des mönchischen Lebens und mit dem Christentum eng verbunden. Der sowohl von den Kopten als auch von orthodoxen und katholischen Christen verehrte Heilige Antonius gilt als der erste christliche Eremit und Begründer dieser gottgeweihten Lebensform. Im 4. Jahrhundert zog er sich in die Einsamkeit zurück. Das Antoniuskloster liegt einige hundert Kilometer südlich von Kairo in der Wüste. Die Ursprünge des Klosters sollen noch auf die Einsiedelei des Heiligen selbst zurückgehen.<br />
Bruder Jusuf kümmert sich um die hier eher seltenen ausländischen Gäste. Früher war er Apotheker in Kairo, vor sechs Jahren begab er sich in die Abgeschiedenheit des Klosterlebens. Er trägt eine grobgewebte schwarze Kutte und die für koptische Mönche typische Wollmütze. Seit die Kirchen in Ägypten wieder einen größeren Zulauf hätten, entschieden sich so wie er auch andere Akademiker für den Rückzug ins Kloster, erzählt der fromme Mann den Reisenden auf deutsch. „Die Mönche haben in Ägypten ein sehr großes Ansehen. Das liegt hier stärker in der geistlichen Tradition“, sagt Bruder Jusuf. Für viele Gläubige gehöre es wie selbstverständlich zum religiösen Leben, die Klöster aufzusuchen. Dadurch komme bei einigen der Wunsch auf, selbst Mönch zu werden. Nachwuchsprobleme gebe es nicht. Jusuf stellt Ikonen her. „Das bedeutet Kontemplation“, sagt er. Es gehe nicht darum, die Ikonen zu verkaufen, sondern sich in die Malerei von Christus- und Heiligenmotiven zu versenken.<br />
<strong>Linsensuppe zum Frühstück</strong><br />
Klosteranlagen und Wüstensand verschwimmen farblich miteinander in einem hell-rötlich lehmigen Ton. Quaderförmige Bauten mit kleinen flachen Kuppeln ragen aus dem Wüstensand empor. Dicke Backsteinmauern sollen das Klosterinnere vor der flirrenden Wüstenhitze schützen. Ein großer Teil der Anlagen wurde kellerförmig in die Erde gebaut. Nur wenig Licht dringt aus den kleinen Fensteröffnungen herein. Einige der Gemäuer sind Hunderte von Jahren alt, andere erst kürzlich wiedererrichtet worden. Ausländer brauchen ein Empfehlungsschreiben des Patriarchats in Kairo, um hier übernachten zu können. Die Schlafräume sind spärlich mit einfachen Bettgestellen aus Holz, wackligen Tischen und Stühlen möbliert. Morgens und abends reichen die Mönche ein kleines Gastmahl aus Fladenbrot, Ziegenkäse, Oliven und Linsensuppe.<br />
Bereits kurz vor sechs Uhr morgens kommen die ersten Busse zum Kloster. Sie bringen Gläubige heran, die in der Frühe am Gottesdienst teilnehmen wollen. Der Besuch des Klosters sei für die Gläubigen wichtig, um den Kontakt zu ihrer Kirche herzustellen, erklärt Bruder Jusuf. Daher gäbe es unter den Anreisenden auch viele Auslandsägypter, die ihren Aufenthalt im Herkunftsland dazu nutzten, ein Kloster zu besuchen.<br />
Weihrauchschwaden durchziehen die nur spärlich beleuchtete Klosterkirche. Der Gottesdienst besteht aus einer Vielzahl von liturgischen Gebeten, klagend anmutenden Heiligenlitaneien und anderen Gesängen. Wenig haben diese orientalischen Klänge mit der heutigen Musik in westlichen Kirchen gemein. Höhepunkt ist die Heilige Kommunion. Die sakralen Handlungen, etwa die Weihung des Brotes und des Weines, werden von den Priestern hinter einer mit kirchlichen Malereien bedeckten Holzwand, der Ikonostase, vollzogen. Den Augen der Gemeindemitglieder bleibt der eigentliche Altarraum verborgen. Mit einem großen silbernen Kelch kommen die Mönche und Priester hinter der Altarwand hervor. Andächtig schreiten die ägyptischen Gottesdienstteilnehmer nach vorn, um die Gaben in Empfang zu nehmen. Nach koptischer Vorschrift mussten sie dafür zuvor 12 Stunden fasten. Auf einem Löffel wird Brot in den Weinkelch getunkt und den Gläubigen in den Mund gereicht.<br />
<strong>Christliche Mystik bei den Kopten</strong><br />
Anders als in den europäischen Kirchen besteht in der koptischen Kirche nicht der Anspruch, die sakralen Handlungen dem Verständnis der Menschen näher zu bringen. Die Menschen sollen sich selbst dem Geheimnis des Heiligen annähern. Das kann nach Auffassung der Kopten nicht vermittelt werden. Der koptische Gottesdienst zieht sich über mehrere Stunden hin. Dabei herrscht in der Kirche ein reges Kommen und Gehen. Die Menschen unterhalten sich, spazieren herum und wenden sich dann wieder den sakralen Handlungen zu. „Die Gläubigen verlassen sich darauf, dass da schon das Richtige, das Heilige passiert“, erklärt Bruder Jusuf. „Deshalb müssen sie nicht ständig dabei sein“.<br />
In der koptischen Kirche lebt die christliche Mystik, die kontemplative Versenkung in Gebete und Liturgie, viel stärker fort als im Westen. Die Kopten, so schreibt die Ägyptologin Emma Brunner-Traut in ihrem Buch über die ägyptischen Christen, hätten ein an den Anfängen, nicht am Fortschritt orientiertes Zeit- und Geschichtsverständnis. Weder Reform-Renaissance noch Aufklärung seien ihnen begegnet. Das hat ihre Frömmigkeit geprägt, der das pädagogische, predigende Element und die kritische Bibelexegese fremd sind. Die koptische Kirche, die nie zur Staatskirche wurde, hat ihre Traditionen über fast zwei Jahrtausende hinweg unter schwierigen Bedingungen erhalten. Darauf sind die Kopten stolz. „Wir sind die älteste christliche Kirche der Welt“ sagt Jusuf. Sie hätten, fügt er hinzu, bis heute an dem Wort festgehalten, dass ihnen Antonius zum Testament machte: „Haltet nicht an auf dem Wege! Hütet euch vor dem Abfall vom Glauben. Bewahret eure Freunde!“<a href="http://jushe.wordpress.com/2007/08/27/zwischen-mull-und-mystik/"></a></p>
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		<title>Benediktiner in der Großstadtwüste</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Feb 2010 12:53:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[(Asphalt Magazin, Januar 2010) Im hannoverschen Stadtteil List betreiben Benediktiner ein kleines Kloster, die Cella Sankt Benedikt. Derzeit führen hier zwei Mönche ein modernes Großstadtleben nach alten benediktinischen Ordensregeln. Im Mittelpunkt stehen Arbeit und Gebet. Jetzt ist ein Ausbau der Kapelle geplant. Hinter der Fassade des Gründerzeitgebäudes in der Vossstraße 36 vermutet wohl kaum jemand [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(Asphalt Magazin, Januar 2010)<br />
<strong>Im hannoverschen Stadtteil List betreiben Benediktiner ein kleines Kloster, die Cella Sankt Benedikt. Derzeit führen hier zwei Mönche ein modernes Großstadtleben nach alten benediktinischen Ordensregeln. Im Mittelpunkt stehen Arbeit und Gebet. Jetzt ist ein Ausbau der Kapelle geplant.</strong><br />
Hinter der Fassade des Gründerzeitgebäudes in der Vossstraße 36 vermutet wohl kaum jemand ein Gotteshaus. Das sich hier etwas Besonderes verbirgt, lässt allenfalls das aufwendig gestaltete Fenster neben der Eingangstür erahnen. Es ist ein Werk der Künstlerin Hella Santarossa, die etwas Ähnliches bereits für den Christuspavillon auf der Expo 2000 geschaffen hat.<br />
<span id="more-111"></span></p>
<h2>Ein lichter und freundlicher Ort</h2>
<p>Wir befinden uns in der Kapelle der Cella Sankt Benedikt, eines Klosters im Kleinformat, ansässig im hannoverschen Stadtteil List. Die Klosterkapelle hat eher den Charakter eines Meditationsraums denn einer Kirche. Es ist ein lichter und freundlicher Ort. Statt Gestühl stehen kleine Gebetshocker bereit, wer will, kann auf den Bänken an den Seitenwänden Platz nehmen. Pater Dieter sitzt im weißen Ordensgewand auf einem großen hellen Teppich, der sich zwischen Altar und Lesepult, dem Ambo, ausbreitet. In feierlichem gregorianischen Gesang stimmt er einen Psalm an: „Gott ist uns Zuflucht und Stärke – vielfach bewährt als Helfer in Nöten“. Acht Besucher sind an diesem Abend zur Vesper erschienen: „Darum bangen wir nicht, mag auch die Erde wanken – mögen Berge stürzen in die Tiefe des Meeres“, antworten sie mit dem nächsten Vers.  </p>
<h2>&#8220;Nach der Konfession wird keiner gefragt&#8221;</h2>
<p>Mehrmals in der Woche laden die Mönche zur Teilnahme an den Gottesdiensten ein. An Wochenenden kommen auch schon mal über 50 Leute, um die musikalisch oft besonders gestalteten Feiern zu erleben: „Wir Benediktiner sind ein gastfreundlicher Orden“, sagt der 51-jährige Benediktinerpater Dieter Haite, „bei uns sind alle herzlich willkommen. Nach der Konfession wird keiner gefragt“.<br />
<img src="http://www.kath-kirche-hannover.de/typo3temp/pics/ad605db193.jpg" alt="Cella Sankt Benedikt" /><br />
<strong><em>Cella Sankt Benedikt in der Voßstraße 36</em></strong><br />
Seit 1988 existiert die klösterliche Zelle im Kern Hannovers. Den Anstoß zur Gründung gab der ehemalige Hildesheimer Bischof Josef Hohmeyer. Neue Orte klösterlichen Lebens zu schaffen war sein Anliegen, und damit wandte er sich an die Benediktinerabtei Königsmünster im nordrhein-westfälischem Meschede. „Wir waren bereit, aber wir wollten etwas Neues machen“,  erzählt Pater Dieter, der von Anfang an dabei war und die Gründung organisierte: „Deswegen sind wir als kleine Gemeinschaft in die Großstadt gegangen. Das gab es bei den Benediktiner noch nicht.“ Ein Experiment für die an das Leben in großen Klöstern gewohnten Mönche. Derzeit wohnen und arbeiten zwei Ordensmänner in der Cella, zwischendurch waren es auch schon einmal fünf. „Gruppendynamik gibt es auch bei Mönchen“, berichtet Pater Dieter, „das enge Zusammenleben in einer kleinen Gemeinschaft hat anfangs manchmal zu Spannungen geführt“.</p>
<h2>Rückzug in die Metropole</h2>
<p>Pater Dieter und Bruder Karl-Leo Heller sind geblieben. Das städtische Leben bringt sie ihrem Verständnis nach wieder stärker an die Ursprünge des Mönchtums heran. Während sich die ersten Mönche in die Einöden der Sahara zurückzogen, haben die zwei Benediktiner die Anonymität der Metropole gewählt. „Die Hektik und Vereinzelung in der Stadt, all das hat ja etwas von Wüste“, sagt Pater Dieter. Hier wollen die Ordensbrüder mit ihrer Cella eine Oase bilden, die durch Beratung und Begleitung in der Stadt präsent ist. Aber weniger als Prediger und Redner sondern eher als Fragende: „Wir wollen verstehen, wie die Menschen oft fern von der Kirche in der Stadt leben, wonach sie innerlich suchen.“ </p>
<h2>Ora Et Labora</h2>
<p>Wohl nicht zufällig haben die Benediktiner daher beratende Berufe gewählt. Ordensgründer. Benedikt trug seinen Anhängern im 5. Jahrhundert auf, jedes Kloster wirtschaftlich unabhängig zu führen. Das gilt auch heute noch. Pater Dieter hat sich nach seinem Theologiestudium zum Coach und Supervisor weitergebildet. Seit 1998 arbeitet er als freier Berater für Wirtschaftsunternehmen sowie für soziale und kirchliche Einrichtungen. Während der Expo in Hannover gestaltete er das Programm im Christuspavillon. Bruder Karl-Leo betreibt eine Praxis für Atem-, Stimm- und Sprechtherapie.<br />
Die Brüder üben ihre Tätigkeiten überwiegend in der Cella aus, das ist ihnen wichtig. Denn neben der Arbeit gehört das gemeinsame Gebet zu den Hauptstationen im Klosteralltag. Ora et labora, Arbeit und Gebet, lautet die Grundregel des Ordens. „Die sieben Gebetszeiten sind fester Bestandteil unseres Lebens“, erklärt Pater Dieter. Das hat für die beiden Brüder nichts Eintöniges, im Gegenteil: „Für uns bleibt dadurch immer eine Spannung erhalten. Das ist eine Kraft, die den Benediktinerorden über viele Jahrhunderte geprägt hat“, sagt der Mönch.</p>
<h2>Ausbau der Kapelle geplant</h2>
<p>Für die beiden Mönche ist die Kapelle das geistige Zentrum des kleinen Klosters. Deshalb und weil auch die Besucherzahl wächst, ist nun der Ausbau geplant. Alles soll sakraler, feierlicher, größer und heller werden. Damit bekommt die Klosterkapelle endlich das Gewicht, das ihr zusteht, meinen die Mönche. Nach außen, zur Straße hin, wird sich wenig ändern. „Aber wer uns sucht, wird uns auch finden“, sagt Pater Dieter.</p>
<p><strong>Interview</strong></p>
<h1>Freiheit ist etwas Göttliches</h1>
<h2>Benediktinerpater Dieter Haite über Religion und Christentum heute</h2>
<p><strong>AB:</strong> Pater Dieter, leben wir in einer gottlosen Gesellschaft?<br />
<strong>Pater Dieter:</strong> Nein, genau das Gegenteil ist der Fall. Aber Glaube und Spiritualität haben sich in ihren Konturen deutlich verändert. Das ist nicht mehr einfach mit christlichen Begriffen zu fassen sondern eine sehr freie Suche. Religion lässt sich nicht erzwingen. Dem steht die Freiheit entgegen und Freiheit ist vom Kerngedanken her immer schon etwas Göttliches.<br />
<strong>AB:</strong> Gerade in der Stadt scheint das Christentum heute an Boden zu verlieren. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?<br />
<strong>Pater Dieter:</strong> Die Kirche hat ein Problem damit, sich verständlich zu machen. Was sind eigentlich die Geheimnisse, die man in der Liturgie feiert? Und die Kirche hat den großen Fehler gemacht, Moral mit Religion zu verwechseln. Religion ist nicht Moral sondern stellt die großen Fragen, die sich jeder stellt: Woher komme ich, wer bin ich und wo will ich hin. Darum geht es. Man muss die Menschen und ihre Gefühle ernst nehmen.<br />
<strong>AB:</strong> Müssen also Gottesdienst und Liturgie verständlicher werden?<br />
<strong>Pater Dieter:</strong> Man muss nicht alles verstehen, es braucht eine Spannung zur Fremde. Aber die darf nicht als Macht missbraucht, sondern sollte eher als Einladung zur Reise verstanden werden, so als führe man in exotische Länder. Das Fremde erfahrbar werden zu lassen und nicht alles tot zu reden spielt eine große Rolle dabei. Dazu bedarf es einer Modernisierung, ohne das Alte völlig platt zu machen.<br />
<strong>AB:</strong> Pater Dieter, vielen Dank für das Gespräch!</p>
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		<title>Pepper Adams –  Sie nannten ihn „The Knife“</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Sep 2009 22:47:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 10. diesen Monats jährte sich zum 23sten Mal der Todestag von Pepper Adams, einem der talentiertesten Baraitonsaxophonisten aus der Ära des sogeannnten Hardbops. Das Baritonsaxophon mit seinem warmen und celloähnlichen Klang hat in Big Bands traditionell eine tragende Funktion für die &#8220;rhythm section&#8220;. Pepper Adams gehört zu den wenigen Musikern, die sich erfolgreich als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 10. diesen Monats jährte sich zum 23sten Mal der Todestag von Pepper Adams, einem der talentiertesten Baraitonsaxophonisten aus der Ära des sogeannnten Hardbops.  Das Baritonsaxophon mit seinem warmen und celloähnlichen Klang hat in Big Bands traditionell eine tragende Funktion für die &#8220;<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Rhythm_section">rhythm section</a>&#8220;. Pepper Adams gehört zu den wenigen Musikern, die sich erfolgreich als Solisten an dieses Instrument gewagt haben. “Wir nannten ihn das Messer” hat der Bandleader Mel Lewis einmal über ihn gesagt, “denn sein Ton schnitt regelrecht in uns hinein. Und wenn er mit dem Spielen fertig war, hatte er uns alle auf unsere wahre Größe zurecht gestutzt”.</p>
<p><span id="more-103"></span><br />
<object width="425" height="344"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/-SwZqUl9GNI&#038;hl=de&#038;fs=1"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/-SwZqUl9GNI&#038;hl=de&#038;fs=1" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="425" height="344"></embed></object><br />
<strong><em>BOSSA NOUVEAU von Pepper Adams</em></strong></p>
<p><strong>Rasiermesserscharfes Timing</strong><br />
Stechend und intensiv war Adams Ton, mit einem rasiermesserscharfen Timing, gleichzeitig hatte er einen ungeheuren Swing, sein Sound erinnerte eher an die großen schwarzen Altsaxophonisten denn an die Baritonspieler seiner Zeit.<br />
Damit bildete er klanglich einen deutlichen Gegenpol zu seinem berühmteren Baritonkollegen Gerry Mulligan, dessen Ton immer auf eine dunstige aber vibratoarme Weise rein und oft fast klassisch konzertant wirkte. Völlig zu Unrecht stand Pepper Adams Zeit seines Lebens unter dem Schatten des etwa drei Jahre älteren Mulligan, der allerdings die ästhetischen Vorstellungen weißer Jazzfans aus dem Mittelstand besser traf.<br />
Pepper Adams hingegen war expressiv, ganz und gar bluesorientiert und von der schwarzen Spiritualität des Hard Bop Sounds beseelt. Hard Bop, das war die musikalische Sprache schwarzer Jazzmusiker, die sich in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts auf die kulturellen Roots der Afroamerikaner bezogen: Blues, Worksongs und Gospel waren ihre Quellen. Pepper Adams, ein Weißer, konnte sich darin so überzeugend ausdrücken, dass ihn für einen Schwarzen hielt, wer ihn nicht gesehen sondern nur gehört hatte. Und umgekehrt: Wer ihn sah vermochte sich kaum vorzustellen, welch ein musikalisches Feuerwerk dieser hagere Typ mit großer Hornbrille und Schnurrbart auf seinem Bariton hervorzaubern konnte. Gelehrt sehe er aus, sagten manche. </p>
<p><img src="http://www.villa-peppermint.de/wp-content/uploads/2009/05/f-pepperadams.jpg" alt="f-pepperadams" title="f-pepperadams" width="253" height="340" class="aligncenter size-full wp-image-121" /></p>
<p><strong>Die Motor City Scene</strong><br />
Am 08. Oktober 1930 wurde Pepper Adams als Park Adams in Highland Park, US Bundestaat Illinois, etwa 20 Meilen von Chicago entfernt, geboren. Es herrschte die Wirtschaftskrise in den USA. Die Familie Adams zog mehrfach um, der Arbeit wegen. Zuerst nach New York, wo der Zwölfjährige begann, Tenorsaxophon zu lernen und Jazzmusik zu hören. Coleman Hawkins, Duke Ellington, Don Byas, Charlie Christian und andere Jazzer begeisterten ihn. Hier hatte er 14-jährig seinen ersten professionellen Auftritt als Musiker, in der Begleitcombo des damals bekannten Boogie Woogie Pianisten Meade Lux Lewis.</p>
<p><img src="http://www.villa-peppermint.de/wp-content/uploads/2009/05/muso-top-muso-pic_pepper-adams.jpg" alt="muso-top-muso-pic_pepper-adams" title="pepper adams" align="left"" /></p>
<p>Im Jahr 1946 ließ sich die Familie Adams in Detroit wieder. In Detroit boomte schon seit einigen Jahren die Autoindustrie, in Detroit gab es Jobs. Detroit war ein Magnet für Menschen auf der Suche nach Arbeit: Es war die Autostadt der USA, von vielen bis heute als „Motor City oder Motown“ bezeichnet. Hier fand Pepper Adams zum Bariton. Und auch seine musikalische Heimat fand er hier, die „Motor City Szene“. Donald Byrd gehörte dazu, Paul Chambers, Tommy Flanagan, Elvin Jones und andere, die den Hard Bop Jazz der fünfziger Jahre entscheidend mitprägten. Pepper Adams und die Afroamerikaner der Motor City Jazz-Scene passten zusammen wie die Faust aufs Auge: Der weiße Baritonsaxophonisten spielte sein Instrument so bluesdurchtränkt, als wäre er schon immer einer von ihnen gewesen.</p>
<p>Pepper Adams gehörte zu den ganz wenigen weißen Musikern, die in der Hard Bop Community der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts Anerkennung fanden. Für sein 1958 auf dem Blue Note Label veröffentlichtem Album <a href="http://www.amazon.de/10-at-5-Spot-Pepper-Adams/dp/B000000Y1U/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#038;s=music&#038;qid=1241617059&#038;sr=1-1">„10 to 4 at the 5-Spot“</a> bekam er den Down Beat Kritiker Preis in der Kategorie Neue Talente. </p>
<p><a href="http://www.amazon.de/Critics-Choice-Pepper-Adams/dp/B000BO87PK/ref=sr_1_2?ie=UTF8&#038;s=music&#038;qid=1241616825&#038;sr=1-2"><img src="http://www.villa-peppermint.de/wp-content/uploads/2009/05/pepperadams-critics-choice.jpg" alt="pepperadams-critics-choice" title="pepperadams-critics-choice" width="500" height="500" class="aligncenter size-full wp-image-123" /></a></p>
<p><strong>&#8220;Big Apple&#8221; &#8211; der Musikermagnet</strong><br />
Viele der jungen Detroiter Jazzmusiker zog es nach New York, in die Metropole des modernen Jazz. Dort bildeten sie eine eigene kleine Gemeinschaft, die der Musik des Big Apple neue Impulse gab. 1956 zog es auch Pepper Adams in die Stadt. Gemeinsam mit Donald Byrd leitete er in den fogenden Jahren ein Quintett, das einige bedeutende Alben produzierte. Auf „<a href="http://www.amazon.de/Touchstone-UK-Donald-Byrd/dp/B00004TJ4N/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#038;s=music&#038;qid=1241616914&#038;sr=1-1">Touchstone</a>“ saß dabei der junge Herbie Hancock am Klavier.  </p>
<p>Damals in den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren war es wie heute für junge ambitionierte Musiker nicht einfach, in New York Fuß zu fassen. Aus dem ganzen Land strömten die Talente in den Big Apple, um sich um Anerkennung und die lukrativen Jobs in den Clubs und Studios zu bemühen.<br />
Als Baritonsaxophonist war Pepper Adams noch ganz gut dran, denn versierte Musiker am Bariton gab es nicht wie Sand am Meer. Doch auch Adams konnte vom Jazz allein nicht überleben und musste als Studiomusiker eben die Jobs annehmen, die sich gerade boten. Abends traf man sich dann mit anderen, um wieder Jazz zu spielen. Aus so einem Feierabendtreffen entstand 1965 die Thad Jones-Mel Lewis Big Band, mit der Adams fortan immer wieder durch die Lande tourte. </p>
<p><strong>Von New York aus durch die Welt</strong><br />
Im Laufe der Zeit entwickelte sich diese Band zu einem vielbeschäftigten Jazzorchester, das in den siebziger Jahren häufiger auch in Europa zu hören war. Im August 1975 nahm Pepper Adams auf einer dieser Europatourneen im Münchner Jazzclub Domizil sein Live-Album „<a href="http://www.amazon.de/Twelfth-Pingree-Pepper-Adams/dp/B000SQD0X0/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#038;s=music&#038;qid=1241616971&#038;sr=1-1">Twelfth and Pingree</a>“ auf.</p>
<p>Ab 1978 war Adams als Solist und Studiomusike wieder vornehmlich in New York tätig. Über seine Engagements in verschiedenen Jazzorchestern hinaus hat Pepper Adams zeit seines Lebens mit vielen der Berühmtheiten des Jazz zusammen gearbeitet. Unter ihnen Julian Cannonbal Adderley, Charly Mingus, John Coltrane und Chet Baker. Dem im August 1975 verstorbenen Cannonball Adderley widmete Adams das noch im gleichen Monat aus dem Konzert im Münchner Domicile entstandene Album „Julian“.<br />
Pepper Adams starb am 10. September 1986 an den Folgen einer Krebserkrankung. Mit Adams verlor die Jazzszene viel zu früh einen der talentiertersten Musiker seiner Zeit. Er hat als einer der wenigen Weißen in diesem Genre den Hardbop stilbildend mitgeprägt. Adams ist auf unzähligen Jazzalben vertreten und hat selbst etliche unter seinem Namen produziert. Zeifellos gehört sein Name in die Reihe der ganz Großen des Jazz.    </p>
<h3><a href="http://itunes.apple.com/WebObjects/MZStore.woa/wa/viewIMix?id=315144654 ">Hier reinhören &#8211; Musik von Pepper Adams als Imix</a></h3>
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		<title>Christlicher Beistand für HIV-Infizierte und AIDS-Kranke</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Mar 2009 09:02:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Soziales]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Christen heute&#8221;, 52. Jahrgang vom November 2008 Die Lazarus Legion warnt vor einem nachlassenden Problembewusstsein gegenüber HIV und AIDS An der Wand des Gruppenraums der Lazarus Legion in Hannover hängt ein großes gewebtes Tuch, das Hannover AIDS-Quilt. Eingefasst in eine Borte aus den Regenbogenfarben ist es mit den Namen von 62 an AIDS verstorbenen Menschen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.alt-katholisch.de/christen_heute/index.html"><em>&#8220;Christen heute&#8221;, 52. Jahrgang vom November 2008</em></a><br />
<strong><br />
Die Lazarus Legion warnt vor einem nachlassenden Problembewusstsein gegenüber HIV und AIDS</strong> </p>
<p>An der Wand des Gruppenraums der Lazarus Legion in Hannover hängt ein großes gewebtes Tuch, das Hannover AIDS-Quilt. Eingefasst in eine Borte aus den Regenbogenfarben ist es mit den Namen von 62 an AIDS verstorbenen Menschen bestickt. In diesem Raum werden Besprechungen abgehalten und Gruppenaktivitäten durchgeführt, einmal in der Woche treffen sich HIV-Infizierte und AIDS-Kranke hier zu einem gemeinsamen Frühstück, bei dem es oft auch heiter zugeht. Dennoch, der Tod und das Andenken an die Opfer der Krankheit sind an diesem Ort stets präsent. </p>
<p><span id="more-98"></span></p>
<h4>Christlicher Beistand für die neuen „Aussätzigen“</h4>
<p>Das hannoversche AIDS-Quilt sei immer dabei, wenn einmal jährlich anlässlich des Welt-AIDS Tages der ökumenische AIDS Gedenkgottesdienst in einer hannoverschen Kirche stattfindet, sagt Wolfgang Ester, der Vorsitzende der Lazarus Legion. Seit 1997 bekleidet der heute 44-jährige Ester dieses Amt. Die Mitglieder des Vereins haben es sich zur Aufgabe gemacht, HIV-Infizierten und AIDS-Kranken professionellen Beistand zu leisten. Genauer gesagt geht es um Christenbeistand, und dieser Namenszusatz – „Christenbeistand für HIV-Infizierte und AIDS-Kranke“ – sei ihm sehr wichtig, hebt der Vorsitzende hervor: „Der Sinn des christlichen Glaubens ist es schließlich vor allem, Nächstenliebe zu üben und Gutes zu tun.“ Diesen christlichen Prinzipien fühlen sich die ehren- und zwei hauptamtlichen Mitarbeiter der Lazarus Legion verpflichtet. Der Name des Vereins bezieht sich auf den aussätzigen Lazarus im Lukas-Evangelium, dem es nicht gestattet wurde, die vom Tisch des Reichen fallenden Brotkrümel aufzusammeln.</p>
<h4>Aidskranken mit Rat, Tat und menschlicher Nähe zur Seite stehen</h4>
<p>Auch Vertreter der christlichen Kirchen haben die von HIV- und AIDS-Betroffenen zeitweilig wie Aussätzige behandelt und ihnen nicht immer die nötige Solidarität entgegengebracht. In den ersten Jahren nach dem Ausbruch der Epidemie sei es für gläubige Menschen insbesondere in der römisch-katholischen Kirche fast unmöglich gewesen, sich an Geistliche oder andere Kirchenvertreter zu wenden, berichtet Wolfgang Ester: „Als Strafe Gottes und als Schwulenkrankheit hat man AIDS bezeichnet.“ Einige Mitglieder der alt-katholischen Gemeinde Hannover-Niedersachsen wollten diesen Zustand nicht akzeptieren. Spontan entschloss man sich seinerzeit, etwas zu tun. Das war im Jahr 1987. Der damalige Gemeindepfarrer Daniel Conklin stellte beherzt seine Privaträume zur Verfügung, um Betroffenen eine Anlaufstelle zu bieten und ihnen mit Rat, Tat und menschlicher Nähe zur Seite zu stehen. In diesen Räumen in der hannoverschen Podbielskistraße ist die Lazarus Legion bis heute geblieben. „Hier in diesem Gruppenraum war früher Daniels Wohnzimmer“, erzählt Wolfgang Ester lächelnd. Der Geistliche lebt und wirkt inzwischen im US-amerikanischen Seattle, der Kontakt ist jedoch nie abgerissen.<br />
Damals bezogen der Pfarrer und das Büro der alt-katholischen Gemeinde bald neue Räume in einer Nachbarwohnung. Schnell wuchs der Bedarf an professioneller Hilfe für die Betroffenen. Mit dem Provisorium im Wohnzimmer und dem ehrenamtlichen Engagement der Gemeindemitglieder allein konnte man diesen Anforderungen auf Dauer nicht gerecht werden. Über eine Finanzierung durch das Land Niedersachsen, der Stadt Hannover und der Bezirksregierung konnten zwei Sozialarbeiterstellen in Vollzeit eingerichtet und die Geschäftsstelle erhalten werden. </p>
<h4>Der Kampf ums Geld ist härter geworden</h4>
<p>Inzwischen sei der Kampf ums Geld härter geworden, erzählt Günter Lomberg, der<br />
Schatzmeister des Vereins. Die beiden Sozialarbeiter haben jetzt nur noch reduzierte Stellen. Ohne Spenden und unbezahlter Unterstützung wäre die Arbeit kaum noch zu schaffen, sagt der 64jährige Schatzmeister. „Als erster Vorsitzender übe ich hier quasi eine ehrenamtliche Geschäftsführerposition aus“, ergänzt Wolfgang Ester, „eigentlich ein Fulltime-Job“. Wolfgang Ester und Günter Lomberg, beide selbst Betroffene und inzwischen berentet, stecken so viel Zeit in die Arbeit bei der Lazarus Legion, wie es ihnen ihre gesundheitliche Situation erlaubt. „Die mittlerweile zur Verfügung stehenden Medikamente schlagen bei uns Gott sei Dank gut an“, sagt Günter Lomberg: „Das Virus ist unterhalb der Nachweisgrenze, aber ohne die Medizin würde es sich sofort wieder vermehren.“ </p>
<h4>Therapie und Gleichgültigkeit</h4>
<p>Seit Mitte der neunziger Jahre existieren einige wirksame Arzneimittel gegen die Erkrankung. Üblich ist heute eine Kombinationstherapie aus drei verschiedenen Wirkstoffen, die verhindern, dass sich der Krankheitserreger ausbreitet und gesunde Körperzellen befällt. „Trotzdem kann es vorkommen, dass das Virus gegen die Medikamente resistent wird“, erklärt Wolfgang Ester. Darüber hinaus vertrage nicht jeder die starken Medikamente, deren Nebenwirkungen vergleichbar seien mit einer Chemotherapie gegen Krebs. „Obwohl es Medikamente gäbe, stürben immer noch Menschen an AIDS, betonen Wolfgang Ester und Günter Lomberg.<br />
Die beiden Lazarus-Vorständler stellen allerdings eine wachsende Gleichgültigkeit gegenüber dem AIDS-Problem fest. „Viele meinen wohl, AIDS sei kein Problem mehr, weil jetzt Medikamente da sind“, sagt Günter Lomberg. Und sein Kollege Ester fügt hinzu: „Gerade die jungen Menschen, die doch mit der Krankheit aufwuchsen, interessieren sich nicht dafür und schützen sich zu wenig.“ Ein nachlassendes Problembewusstsein stellen die beiden auch in anderen Gruppen, etwa bei Homosexuellen fest.<br />
Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb sind die HIV-Neudiagnosen 2007 gegenüber dem Vorjahr wieder um 4 Prozent angestiegen. Dabei zeigen die Zahlen, dass sich das Problem keineswegs auf Männer mit homosexuellen Kontakten beschränkt. Zwar stellen sie mit 65 Prozent immer noch die größte Gruppe der Infizierten in Deutschland dar. 17 Prozent der Betroffenen haben sich die HIV-Infektion nach eigenen Angaben jedoch durch heterosexuelle Kontakte zugezogen und bilden damit die zweitgrößte Gruppe. Aus Ländern mit einer hohen HIV- und AIDS-Rate, den sogenannten „Hochprävalenzländern“, stammen 11 Prozent der vom HI-Virus Befallenen. Sechs Prozent haben sich durch Drogengebrauch angesteckt. Insgesamt waren in Deutschland Ende 2007 knapp 70.000 mit HIV infizierte Personen registriert.</p>
<h4>„Ich ertrage es nicht mehr, auf Beerdigungen zu gehen!“</h4>
<p>Für Günter Lomberg und Wolfgang Ester sind dies nicht nur Zahlen. Sie lernten im Laufe der Zeit die menschlichen Schicksale und das Leid kennen, das sich dahinter verbirgt. „In den letzten 20 Jahren haben wir etwa 110 Leute verloren, die als Klienten zu uns kamen“, sagt Wolfgang Ester. Auch im vergangenen Jahr habe es wieder einige Todesfälle gegeben. Damit klarzukommen ist für die Mitarbeiter der Lazarus Legion nicht leicht. „Ich ertrage es einfach nicht mehr, auf Beerdigungen zu gehen“, gesteht der Vorsitzende: „Das mache ich nur noch, wenn ganz enge Freunde sterben.“<br />
Obwohl Sterben und Tod nach wie vor Themen sind, hat sich mit der medikamentösen Therapie seit den neunziger Jahren natürlich auch vieles verbessert. „Theoretisch kann man mit der Krankheit alt werden“, sagt Wolfgang Ester. Und durch diese neue Situation hat sich natürlich auch der Arbeitsbereich gewandelt. Gehörte in den Anfangsjahren intensive Betreuung bis hin zur Sterbebegleitung zu den Hauptaufgaben der Lazarus-Legionäre, so haben inzwischen Ämterangelegenheiten und die Antragstellung von Renten und Sozialleistungen zugenommen. „Nach der HIV-Diagnose haben sich etliche verschuldet, weil sie glaubten, sowieso bald zu sterben“, erzählt Günter Lomberg: „Jetzt haben sie wieder Lebensperspektiven und wir unterstützen sie dabei, ihre Angelegenheiten in Ordnung zu bringen.“<br />
Ein wichtiges Einsatzfeld ist darüber hinaus nach wie vor die Präventionsarbeit, wie nicht zuletzt die steigende Zahl der Infizierten zeigt. Die beiden Sozialarbeiter des Vereins, Lutz Gädt und Sabrina Vosshans, gehen in Schulen, um junge Menschen über das Problem aufzuklären. Und sie leisten Streetwork, begeben sich etwa an bekannte Szenetreffs, wo homosexuelle Kontakte unter Männern stattfinden, um für Safer Sex und verantwortungsvolles Verhalten zu werben.</p>
<h3>Die Lazaruslegion ist weiterhin auf finanzielle Hilfe angewiesen</h3>
<p>Damit diese Arbeit geleistet werden kann, ist die Lazarus Legion weiterhin auf finanzielle Hilfe angewiesen. Zu den Unterstützern gehören neben der evangelischen Landesbischöfin Margot Käßmann inzwischen auch römisch-katholische Pfarreien. Mitglied des Vereins ist etwa die Propstei St. Clemens in Hannover, viel ehrenamtliche Hilfe kommt außerdem von der St. Josef Gemeinde in Hannover Vahrenwald und ihrem Pfarrer Heinrich Plochg. „Besonders verbunden fühlen wir uns natürlich immer noch den hannoverschen Alt-Katholiken“, sagt Wolfgang Ester, „das ist ja schließlich unsere Muttergemeinde“. Gerade in der letzten Zeit habe sich insbesondere Pfarrer Oliver Kaiser immer wieder im Bistum für die Lazarus Legion stark gemacht. „Mehrer alt-katholische Gemeinden sammeln regelmäßig eine Sonntagskollekte, die uns zugute kommt, betont Schatzmeister Günter Lomberg. Neben Hannover-Niedersachsen sind auch die alt-katholischen Gemeinden in Koblenz und Konstanz Mitglied in der Lazarus Legion, der übrigens einzigen christlichen HIV- und AIDS-Beratungsstelle im gesamten Bundesgebiet.<br />
Wolfgang Ester und Günter Lomberg hoffen darüber hinaus auf prominente Verstärkung aus Seattle. „Im nächsten Jahr“, sagt der Vorsitzende, „geht Pfarrer Daniel Conklin in den Ruhestand und will dann zurück nach Deutschland kommen. Wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn er wieder ein bisschen bei uns mitmacht“.</p>
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		<title>Wir wissen nicht mehr, wo wir hingehören</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Mar 2009 22:33:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[(Der Flüchtlingsrat, Sonderheft 117 &#8211; 2007: „Wir wollen leben, wie Menschen es verdient haben!“ Flüchtlinge im Portrait) Wie so häufig in den letzten Monaten ist die drohende Abschiebung auch heute wieder das beherrschende Thema bei den Beqiroviqs. Zu Gast ist Matthias Köhler, der Chef des Familienvaters. Aus den hinteren Zimmern tönt Kinderlärm. Bei Kaffee und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(<a href="http://www.nds-fluerat.org/zeitschrift/"><em>Der Flüchtlingsrat</em>, Sonderheft 117 &#8211; 2007: „Wir wollen leben, wie Menschen es verdient haben!“ Flüchtlinge im Portrait</a>)</p>
<p>Wie so häufig in den letzten Monaten ist die drohende Abschiebung auch heute wieder das beherrschende Thema bei den Beqiroviqs. Zu Gast ist Matthias Köhler, der Chef des Familienvaters. Aus den hinteren Zimmern tönt Kinderlärm. Bei Kaffee und Kuchen wird über Petition, Härtefallantrag und Bleiberechtsregelung geredet. &#8220;Die ist aber noch ganz schön eisig&#8221;, bemerkt Matthias Köhler zwischendurch mit einer kleinen Geste in Richtung Kuchen. &#8220;Tut mir Leid&#8221;, erwidert Jupo Beqiroviq und lächelt verschmitzt. </p>
<p><span id="more-97"></span><br />
<img src="http://www.politik-kultur.de/Bild&#038;Grafik/bequir.jpg" alt="Jupo Bequiroviq" /><br />
<em>Jupo Bequiroviq</em></p>
<p>Eisig geht es hier ansonsten nicht zu. Die halb aufgetaute Torte kann das Verhältnis zwischen ihm und seinem Arbeitgeber kaum trüben. Jupo Beqiroviq, der Mann mit den scharf geschnittenen Gesichtszügen und einem Lächeln im Blick, das ihn nur selten verlässt, hat den Inhaber einer Wohnungsverwaltungsgesellschaft mit seinem handwerklichen Talent überzeugt und arbeitet nun bei ihm als Hausmeister. Matthias Köhler unterstützt die Familie Beqiroviq inzwischen engagiert in ihren Bemühungen um ein Bleiberecht in Deutschland. &#8220;Das geht nicht spurlos an einem vorüber, wenn man sieht, wie die Familie hier seit Jahren in Deutschland lebt und immer noch im Ungewissen über die Zukunft gelassen wird&#8221;, sagt er.</p>
<p><strong>Soziale Erwägungen spielen keine Rolle</strong><br />
Seit fast 14 Jahren befinden sich die Beqiroviqs in einem rechtlichen Schwebezustand und werden nur &#8220;geduldet&#8221;, jetzt sollen sie das Land verlassen. Unermüdlich hat Jupo Beqiroviq, Jahrgang 1953, Nachbarn, Arbeitskollegen, Geschäftsleute, Kirchengemeinden und Bekannte abgeklappert, um Unterschriften für eine Petition an den niedersächsischen Landtag zu sammeln. Über 400 Unterstützer, die sich für eine Aufenthaltserlaubnis der Familie einsetzen, hat er zusammen getrommelt. &#8220;Vorab haben wir aus dem Landtag erfahren, dass die Petition trotzdem abgelehnt worden wäre&#8221;, sagt Matthias Köhler. Soziale und menschliche Erwägungen würden bei der Entscheidung wohl keine Rolle spielen, und rechtlich seien alle Möglichkeiten ausgeschöpft. &#8220;Wir haben die Petition zurückgezogen&#8221;, erklärt der 49jährige Unternehmer: &#8220;Dadurch besteht jetzt die Möglichkeit, einen Härtefallantrag zu stellen.&#8221; Erst Mitte des Jahres 2006 hat die niedersächsische Landesregierung eine Härtefallkommission eingerichtet, die abgelehnten Asylbewerbern unter bestimmten Umständen zu einem Aufenthaltsrecht in Deutschland verhelfen kann. Darin, und in dem Bleiberechtsbeschluss der Innenminister der Länder, besteht die letzte Chance der Familie auf eine Zukunft in Deutschland. </p>
<p><strong>„Früher ging es uns gut in Jugoslawien“</strong><br />
Im Jahr 1992 ist Jupo Beqiroviq zusammen mit seiner heute 37jährigen Frau Miradi und seinen Kindern Blerim und Hüsnije aus einem kleinen Dorf nahe der Stadt Istok im Kosovo geflohen. &#8220;Früher ging es uns dort gut&#8221;, sagt er, &#8220;ich habe als Verkäufer in einem Geschäft für Baustoffe und Möbel gearbeitet, wir hatten ein Haus, ein Auto, alles was wir brauchten.&#8221; Anfang der neunziger Jahre hat sich die Situation jedoch auch für die Beqiroviqs immer mehr verschlechtert. Bürgerkriegsähnliche Unruhen erschütterten damals die südserbische Provinz, deren albanische Bevölkerungsmehrheit die Unabhängigkeit forderte. &#8220;Die ganze Stadt war plötzlich voll von serbischen Soldaten mit automatischen Gewehren&#8221;, sagt Jupo Beqiroviq. Leute auf der Straße seien willkürlich verhaftet worden: &#8220;Wenn man den Soldaten guten Tag sagte, war es nicht gut. Wenn man nicht guten Tag sagte, war es noch schlechter. Wir mussten uns alles gefallen lassen.&#8221; Irgendwann habe er sich gefragt, worauf er noch warten solle. Viele seiner zehn Geschwister sowie seine Eltern waren bereits in Deutschland.<br />
Zusammen mit anderen Flüchtlingen ging es in einem Kleinbus durch das krisen- und kriegsgeschüttelte Jugoslawien Richtung Norden. Über die näheren Umstände der Flucht verliert Jupo Beqiroviq nicht viel Worte. Zunächst verschlug es die Familie in die zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber nach Braunschweig. Dort wurde ein Asylantrag gestellt. Die Ablehnung erfolgte nach drei Monaten. Eine anwaltliche Vertretung hatte die Familie nicht. &#8220;Wir kannten uns noch nicht aus mit so etwas, wussten nicht, wohin wir uns wenden sollen&#8221;, erzählt Jupo Beqiroviq. </p>
<p><strong>Die Sozialhilfe abzulehnen war gar nicht einfach</strong><br />
Knapp eine Woche nach Ankunft in der Erstaufnahmestelle wies man der Familie einen Platz in einer Hildesheimer Gemeinschaftsunterkunft zu. Einige Jahre später erhielten die Beqiroviqs schließlich die Wohnung in einem Haus der Firma Köhler. &#8220;Herr Beqiroviq hat mir am Anfang mit kleineren Reparaturen ausgeholfen&#8221;, erzählt der Unternehmer: &#8220;Das wurde dann immer mehr. Wir betreiben auch ein Studentenwohnheim, da konnte ich einen handwerklich versierten Hausmeister gut gebrauchen.&#8221; Anfang des Jahres 2001 erhielt Jupo Beqiroviq einen Arbeitsvertrag über 20 Stunden pro Woche. &#8220;Dass er eine Arbeitserlaubnis bekommen hat, war auch Glücksache, es hat sich Gott sei Dank kein bevorrechtigter Arbeitsloser für die ausgeschriebene Stelle gefunden&#8221;, meint Matthias Köhler.<br />
Als Jupo Beqiroviq den Arbeitsvertrag in der Hand hatte, meldete er sich umgehend beim Sozialamt ab. Die Familie habe jedoch weiterhin Anspruch auf ergänzende Unterstützung, wurde ihm dort mitgeteilt. Zwei Kinder waren zwar inzwischen aus dem Haus, 1993 kam jedoch die Tochter Ajshe und zwei Jahre später der Sohn Arben zur Welt. Zusammen mit der 1991 geborenen Blerina war das ein fünfköpfiger Haushalt, dessen amtlich errechneter Bedarf das kleine Einkommen des Familienvaters deutlich überstieg. Dennoch, die Beqiroviqs wollten jetzt kein Geld mehr vom Staat. &#8220;Es war gar nicht so einfach, das abzulehnen&#8221;, erzählt Jupo Beqiroviq lächelnd. Er habe dafür eine schriftliche Verzichtserklärung abgeben müssen. Die im Jahr 2001 erlassene Bleiberechtsregelung für Flüchtlinge aus Ex-Jugoslawien half der Familie Beqiroviq trotzdem nicht. Denn dafür hätten die Betroffenen bereits in den zwei zurückliegenden Jahren fest in Lohn und Brot stehen müssen. Zu diesem Zeitpunkt suchte Jupo Beqiroviq noch händeringend nach einem Job, für das Ausländeramt kein Thema.<br />
<strong><br />
„Was soll ich anderes sein als Albaner?“</strong><br />
Zurück in den Kosovo konnten die Beqiroviqs trotzdem nicht. Dort war die Situation im Verlauf der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts immer mehr eskaliert. Im Jahr 1999 hatte die NATO Krieg gegen Restjugoslawien geführt und die jugoslawischen Truppen zum Abzug aus der Provinz gezwungen. Die Zivilverwaltung wurde von der UNMIK-Mission der UNO übernommen, NATO-Truppen aus verschiedenen Ländern rückten ein und übten jetzt die militärische Kontrolle aus. Sie verhinderten jedoch nicht, dass albanische Nationalisten daran gingen, Bevölkerungsminderheiten mordend und brandschatzend aus der Provinz zu vertreiben.<br />
Die Nachrichten aus Kosovo machten den Beqiroviqs klar, das in ihrer ehemaligen Heimat Menschen mit etwas dunklerer Hautfarbe wie sie nun als &#8220;Zigeuner&#8221; beschimpft und verfolgt wurden. &#8220;Vor dem Krieg waren wir Albaner&#8221;, sagt Jupo Beqiroviq, &#8220;jetzt wurde gesagt, wir sind Ashkali. Wir haben mit den Albanern gelebt, unsere Sprache ist albanisch, was soll ich anderes sein&#8221;, fragt er. &#8220;Erst nach dem Krieg wurde behauptet, wir gehören mehr zur Romaseite.&#8221; </p>
<p><strong>Pogrome gegen Roma und Ashkali nach dem Kosovokrieg</strong><br />
Bereits vor dem Kosovokrieg bezeichnete sich ein Teil der Bevölkerung in der südserbischen Provinz als &#8220;Ashkali&#8221;. Sie glauben, dass ihre Vorfahren vor langer Zeit mit den Heeren Alexander des Großen auf den Balkan kamen und ursprünglich aus Ägypten stammen. Viele, wie Jupo Beqiroviq, die aufgrund ihrer dunkleren Hautfarbe dieser Gruppe zugerechnet werden, interessierte der ethnische Stempel jedoch nicht. Sie fühlten sich in erster Linie als Albaner und standen auch während des Krieges auf albanischer Seite. &#8220;Jetzt wissen wir auf einmal nicht mehr, wo wir hingehören&#8221;, sagt Jupo Beqiroviq.<br />
&#8220;Albaner unterscheiden nicht zwischen Ashkali und Roma&#8221;, schreibt Nikolaus von Holtey, der für die Organisation Pax Christi in Heidelberg Flüchtlinge aus Kosovo berät, in einem Online-Dossier. Neben der Bezeichnung &#8220;Magjup&#8221;, zu deutsch Zigeuner, sei auch der Ausdruck &#8220;Albaner zweiter Hand&#8221;, also &#8220;zweiter Klasse&#8221;, seit alters her üblich. Beide Ausdrücke besitzen eine herabsetzende Bedeutung&#8221;, notiert von Holtey1.<br />
Für die Betroffenen im Kosovo hat das Signum &#8220;Zigeuner&#8221; fatale Konsequenzen. Mehrmals war von Holtey seit dem Kosovokrieg vor Ort, hat mit Opfern gesprochen und wurde selbst bedroht. In einem seiner Berichte beschreibt er die Pogrome gegen Ashkali in dem Städtchen Vucitrn: &#8220;Am 21.06.1999 trafen Gruppen von Männern, zum Teil bewaffnet, in den Straßen der Ashkalia ein. Mit Gewalt drangen sie in einzelne Häuser ein. Unter Morddrohungen mit vorgehaltener Waffe und schweren körperlichen Mißhandlungen mit Holz- und Eisenstangen wurden die ersten Familien aus ihren Häusern vertrieben. Weder alte Menschen, noch Frauen und Kinder wurden verschont. Es wurde mit Fäusten, Gewehrkolben, Äxten und Hämmern geschlagen. Es wurde getreten, gestoßen und an den Haaren gezogen. Frauen wurde vor Augen der Familie Kleidung zerrissen. Frauen wurden (sic) vor Augen der Familie sogar die Unterwäsche nach Gold und Geld durchsucht. Kinder wurden mit dem Messer am Hals als Druckmittel mißbraucht, Wertgegenstände herauszurücken und das Haus sofort zu verlassen. [...] Überall war das Weinen und Schreien der Wehrlosen zu hören. Der Rauch der brennenden Häuser war überall zu sehen und zu riechen2.&#8221;</p>
<p><strong>„Die wollen uns da nicht mehr“</strong><br />
Ähnlich muss es auch in dem Ort zugegangen sein, aus dem die Beqiroviqs stammen. &#8220;Das Dorf gibt es nicht mehr&#8221;, sagt Jupo Beqiroviq, und plötzlich erstarrt das Lächeln in seinem Gesicht: &#8220;Alles weg, alles kaputt, da steht nur noch der Friedhof.&#8221; Trotzdem ist die Loyalität gegenüber seinen ehemaligen albanischen Landsleuten noch so groß, dass er niemandem die Schuld daran geben mag. &#8220;Ich weiß nicht, wer das war&#8221;, sagt er, &#8220;ich war ja nicht dabei, als das passiert ist.&#8221; Für Jupo Bequirovic ist allerdings klar, dass er und seine Familie nicht mehr im Kosovo leben können. Auch wenn er es nicht direkt aussprechen will, weiß er doch, warum sein Haus zerstört wurde. &#8220;Ich kann nicht zurück&#8221;, sagt er, &#8220;die wollen uns da nicht. Deshalb ist auch unser Dorf weg!&#8221;<br />
Organisationen wie Amnesty International oder die Schweizer Flüchtlingshilfe geben seiner Einschätzung recht und beschreiben die Situation von Ashkali und Roma in Kosovo nach wie vor als desolat. Arbeit und Sozialleistungen gibt es für diese Bevölkerungsgruppen so gut wie nicht. Viele leben in provisorischen Baracken oder gar Zelten innerhalb lagerähnlicher Enklaven und trauen sich aus Angst vor Gewalttaten kaum aus ihren Vierteln heraus. &#8220;Verbale Belästigung und Einschüchterung von albanischer Seite gelten als Routinevorkommnisse, die aus Angst vor Vergeltung kaum mehr gemeldet werden&#8221;, schreibt die Schweizer Flüchtlingshilfe in einem Bericht.3</p>
<p><strong>Immer in Angst, nachts abgeschoben zu werden</strong><br />
Regierung und Behörden in Deutschland wollen die Flüchtlinge jedoch loswerden. Im Dezember 2002 forderten die Innenminister der Länder die Betroffenen auf, zurückzukehren, da eine freiwillige Rückkehr &#8220;grundsätzlich möglich&#8221; sei. In den ersten Jahren nach dem Krieg weigerte sich die UNMIK-Verwaltung in Kosovo zunächst, Abgeschobene aufzunehmen. Im Jahr 2003 vereinbarten UNMIK und deutsches Innenministerium im Rahmen eines sogenannten &#8220;Memorandum of Understanding&#8221; dann die &#8220;begrenzte zwangsweise Rückführung von Angehörigen bestimmter ethnischer Minderheitengruppen&#8221;.5<br />
Seitdem sind auch die Beqiroviqs immer mehr unter Druck geraten, Deutschland zu verlassen. &#8220;Die letzte Duldung haben sie nur noch bekommen, damit das Petitions- oder Härtefallverfahren durchgeführt werden kann&#8221;, berichtet Matthias Köhler. &#8220;Wenn ich an Kosovo denke, werde ich verrückt &#8220;, sagt Jupo Beqiroviq: &#8220;Wir haben immer Angst gehabt, dass wir vielleicht nachts abgeschoben werden, wir wussten manchmal nicht mehr, ob wir morgen noch da sind.&#8221; Er würde alles tun, um seiner Familie das Leben dort nicht zumuten zu müssen, beteuert er. Seine Ehefrau Miradi redet kaum. Die Ärzte haben bei ihr eine Depression diagnostiziert, außerdem leidet sie unter Lymphkontenvergrößerung. </p>
<p><strong>Ständig in Sorge über die Zukunft</strong><br />
Bei der Familie sei immer ein Hoffen und Bangen zu beobachten, erzählt Matthias Köhler: &#8220;Das Ganze letzte Jahr war sehr spannungsgeladen. Man merkt auch Herrn Beqiroviq an, dass er mit den Nerven manchmal ganz schön fertig ist.&#8221; Der Chef stellt fest, dass sein Mitarbeiter dadurch manchmal einen unkonzentrierten Eindruck bei der Arbeit macht. &#8220;Ja&#8221;, bestätigt Jupo Beqiroviq, &#8220;ich bin oft vergesslich und merke selbst, dass meine Gedanken ganz weit weg sind.&#8221; Manchmal spreche er mit meiner Frau, höre aber gar nicht richtig zu, was sie erzähle: &#8220;Ich denke dann mal wieder darüber nach, was die Zukunft bringt.&#8221;</p>
<p><strong>„So etwas ist unmenschlich“</strong><br />
Am 17. November 2006 haben die Innenminister der Länder auf ihrer Konferenz beschlossen, dass Flüchtlinge, die &#8220;faktisch wirtschaftlich und sozial im Bundesgebiet integriert sind&#8221;, ein Bleiberecht erhalten sollen. Bedingung ist, dass die Familien seit mindestens sechs Jahren in Deutschland leben und der Lebensunterhalt selbst verdient wird. &#8220;Ich hoffe, ich kriege jetzt einen Aufenthalt&#8221;, sagt Jupo Beqiroviq, &#8220;das ist vielleicht unsere letzte Chance.&#8221; Sein Chef Matthias Köhler teilt diese Hoffnung mit ihm. &#8220;Die Leute müssen endlich anfangen können, wieder richtig zu leben&#8221;, sagt er. An der Flüchtlingspolitik in Deutschland muss sich seiner Auffassung nach grundsätzlich etwas ändern: &#8220;Es kann nicht sein, jemanden zehn Jahre im Wartestand zu lassen.&#8221; Man habe die Beqiroviqs über zehn Jahre gezwungen, eine Pause im Leben einzulegen. Matthias Köhler hebt die Stimme: &#8220;So etwas ist unmenschlich, das darf nicht sein!&#8221;<br />
1 <a href="http://www.hilfe-hd.de/kosovo/">1 http://www.hilfe-hd.de/kosovo/</a><br />
2 <a href="http://www.hilfe-hd.de/kosovo/koreisen.htm#Progrom%20gegen%20die%20Ashkalia ">http://www.hilfe-hd.de/kosovo/koreisen.htm#Progrom%20gegen%20die%20Ashkalia </a><br />
3 <a href="http://www.osar.ch/2005/07/26/kosovo_rae_050725_d">http://www.osar.ch/2005/07/26/kosovo_rae_050725_d</a><br />
4 <a href="http://www.asyl.net/Magazin/Docs/2003/M-3/2849.pdf ">http://www.asyl.net/Magazin/Docs/2003/M-3/2849.pdf </a><br />
5 <a href="http://unhcr.de/pdf/231.pdf">http://unhcr.de/pdf/231.pdf</a></p>
<p><strong>Postskriptum</strong><br />
Eine Aufenthaltserlaubnis hat die Familie aufgrund fehlender Pässe trotz der Arbeitsstelle von Jupo Beqiriviq bis März 2007 immer noch nicht erhalten. Ein Pass wurde Jupo von den serbischen Behörden bisher nicht ausgestellt, da alle seine Papiere angeblich im Bürgerkrieg verloren gegangen seien. Somit könne seine Identität nicht nachgewiesen werden. Jupo bemüht sich beim serbischen Konsulat in Hamburg um eine Lösung. Darüber hinaus sind die hier geborenen Kinder nicht bei den Behörden im Herkunftsland der Eltern angemeldet worden. Das muss jetzt nachgeholt werden, damit sie entsprechende Pässe erhalten können, die für eine Aufenthaltserlaubnis erforderlich sind.</p>
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		<title>Mostar &#8211; Neuer Glanz nach dem Krieg</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Mar 2009 22:31:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[(Die Tageszeitung vom 29.07.2006) Der Schriftsteller Ivo Andric schwärmte einst vom goldglitzernden Licht in Mostar. Gut zehn Jahre nach dem Friedensschluss in Bosnien kommen wieder Touristen in die Stadt an der Neretva. Das Wahrzeichen, die alte Brücke aus dem 16. Jahrhundert, ist wieder aufgebaut worden, ebenso das Händlerviertel. Aber immer noch teilt eine unsichtbare Linie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>(<a href="http://www.taz.de/4/reise/europa/bosnien-herzegowina/artikelseite/1/neuer-glanz-nach-dem-krieg/">Die Tageszeitung vom 29.07.2006</a>)</em></p>
<p><strong>Der Schriftsteller Ivo Andric schwärmte einst vom goldglitzernden Licht in Mostar. Gut zehn Jahre nach dem Friedensschluss in Bosnien kommen wieder Touristen in die Stadt an der Neretva. Das Wahrzeichen, die alte Brücke aus dem 16. Jahrhundert, ist wieder aufgebaut worden, ebenso das Händlerviertel. Aber immer noch teilt eine unsichtbare Linie die Stadt. </strong></p>
<p><span id="more-96"></span></p>
<p><a href='http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/wp-content/uploads/2008/03/mostar-7.jpg' title='mostar-7.jpg'><img src='http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/wp-content/uploads/2008/03/mostar-7.jpg' alt='mostar-7.jpg' /></a><br />
<em>Foto: Beinsen</em></p>
<p>Der junge Mann in Badehose steigt auf die Mauer und breitet die Arme aus. Eine Menschenmenge auf der alten Brücke im Herzen der bosnisch-herzegowinischen Stadt Mostar beobachtet gespannt die Szene. Macht ers oder macht ers nicht? Der Mann steigt wieder von der Mauer herab und sammelt Geld im Publikum. Wenn er 30 Euro zusammen habe, werde er springen, verspricht er. So wiederholt sich die Szene einige Male. Inzwischen klettert ein anderer im Neoprenanzug auf die Mauer, hält kurz inne und stürzt sich mit den Beinen voran in den grünblauen Strom, der etwa 20 Meter unter ihm dahinfließt. Ein entsetztes Raunen geht durch die Zuschauergruppen, dann Erleichterung. Nach wenigen Sekunden taucht er wieder auf und schwimmt ans felsige Ufer.</p>
<p><img src="http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/wp-content/uploads/2008/03/mostar.jpg" alt="Mostar" /><br />
<em>Foto: Beinsen</em></p>
<p>Gut zehn Jahre sind vergangen, seit das Dayton-Abkommen im Dezember 1995 den Krieg in Bosnien-Herzegowina beendete. Im Sommer vor zwei Jahren bekam Mostar sein Wahrzeichen zurück. Es gab der herzegowinischen Metropole den Namen: Alte Brücke heißt in der Landessprache Stari Most, Mostar bedeutet Brückenwächter.</p>
<p>Inzwischen gehören die wagemutigen Sprünge wieder zu den Touristenattraktionen in der Stadt mit ihren etwa 100.000 Einwohnern. Junge muslimische Männer aus dem Westteil verdienen sich im Sommer damit ihren Lebensunterhalt. &#8220;Versuchen Sie das lieber nicht&#8221;, sagt die 24-jährige Vesna Hrsto, eine schlanke Frau mit langen braunen Haaren, auf Deutsch zu ihrer Reisegruppe. Gerade gestern Abend sei ein Mann, der seiner Freundin imponieren wollte, beim Sprung von der Brücke ums Leben gekommen. &#8220;Wahrscheinlich hat er in dem eiskalten Gebirgswasser einen Herzschlag gekriegt&#8221;, vermutet Vesna. Der Sprung in den Fluss ist nur etwas für jene, die mit seinen Tücken vertraut sind. </p>
<p><a href='http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/wp-content/uploads/2008/03/mostar-3.jpg' title='mostar-3.jpg'><img src='http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/wp-content/uploads/2008/03/mostar-3.jpg' alt='mostar-3.jpg' /></a><br />
<em>Foto: Beinsen</em></p>
<p>Stari Most ist das Wahrzeichen der Stadt und gleichzeitig ein einzigartiges Monument historischer Baukunst. Mit einer Spannweite von knapp 29 Metern ist der Brückenbogen der größte Steinbogen der Welt. Vor 13 Jahren fiel dieses Meisterwerk der Gewalt zum Opfer. Im Jahr 1993 begann der Krieg zwischen den Muslimen und Kroaten in Mostar, nachdem sie zuvor gemeinsam gegen serbische Truppen gekämpft hatten. Wochenlang wurde vom kroatischen Ostteil der Stadt aus auf die Altstadt im Westen gefeuert. Von dort schossen Muslime zurück. Im November lagen bereits große Teile der Stadt in Schutt und Asche. Die Brücke über die Neretva war beschädigt, aber sie hielt. Erst ein tagelanger gezielter Panzerbeschuss von kroatischer Seite brachte sie am 9. November 1993 zum Einsturz, und der Fluss färbte sich rot. &#8220;Der Krieg hat die Brücke zum Bluten gebracht&#8221;, sagten die Leute.</p>
<p><a href='http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/wp-content/uploads/2008/03/mostar-4.jpg' title='mostar-4.jpg'><img src='http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/wp-content/uploads/2008/03/mostar-4.jpg' alt='mostar-4.jpg' /></a><br />
<em>Foto: Beinsen</em></p>
<p>Bereits 1996 wurde mit dem Wiederaufbau von Altstadt und Stari Most begonnen. Dabei stellte sich heraus, dass die osmanischen Baumeister einen einzigartigen Mörtel aus rotbrauner Tonerde verwendet hatten, das &#8220;Blut&#8221; der Brücke. Unter der Leitung der Unesco, finanziert vor allem mit Geldern der Weltbank, arbeiteten Expertenteams aus aller Welt an der originalgetreuen Rekonstruktion des historischen Bauwerks. Altstadt und Brücke erstrahlen jetzt in neuem Glanz.</p>
<p><a href='http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/wp-content/uploads/2008/03/mostar-6.jpg' title='mostar-6.jpg'><img src='http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/wp-content/uploads/2008/03/mostar-6.jpg' alt='mostar-6.jpg' /></a><br />
<em>Foto: Beinsen</em></p>
<p>Die Waren der Kaufleute in der Carðija,dem alten muslimischen Händlerviertel, blitzen und leuchten in den Auslagen: handgewebte Stoffe, kupfernes und silbernes Mokkageschirr, aber auch Rangabzeichen der ehemaligen Kriegsparteien und zu Kugelschreibern umgearbeitete Patronenhülsen. Besucher aus aller Welt schlängeln sich durch die engen Gassen, begutachten die angebotenen Waren, sitzen in den Bars und Restaurants, schlürfen türkischen Mokka oder essen Cevapcici und trinken dazu bosnisches Bier. Zu besichtigen gibt es etwa die prächtige Koski-Mehmed-Pascha-Moschee aus dem Jahre 1617 mit ihrem alten Brunnen im Innenhof, das Türkische Haus mit der erhaltenen Wohneinrichtung aus osmanischer Zeit und viele andere Relikte aus dieser Ära.</p>
<p><a href='http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/wp-content/uploads/2008/03/mostar-7.jpg' title='mostar-7.jpg'><img src='http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/wp-content/uploads/2008/03/mostar-7.jpg' alt='mostar-7.jpg' /></a><br />
<em>Foto: Beinsen</em></p>
<p>Ist also alles wieder beim Alten? &#8220;Nein&#8221;, sagt Vesna, &#8220;Mostar ist eine geteilte Stadt&#8221;. Die katholische Frau ist für ein kroatisches Reiseunternehmen tätig. Den Krieg überstand die damalige Teenagerin als Flüchtling in Kroatien. &#8220;Muslime und Kroaten haben noch heute jeweils eigene Schulen und Universitäten und leben weitgehend getrennt.&#8221; Außerdem habe jede Seite ihre eigene Feuerwehr und Müllabfuhr. Immerhin gebe es inzwischen dank UNO und EU eine einheitliche Stadtverwaltung und eine gemeinsame Polizei.</p>
<p><a href='http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/wp-content/uploads/2008/03/mostar-8.jpg' title='mostar-8.jpg'><img src='http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/wp-content/uploads/2008/03/mostar-8.jpg' alt='mostar-8.jpg' /></a><br />
<em>Foto: Beinsen</em></p>
<p>Vesna wohnt mit ihrer Familie am &#8220;Bulevar&#8221; in der Stadtmitte. Dort, etwa 200 Meter westlich der Altstadt, verlief früher die Frontlinie. Auch heute teilt der &#8220;Bulevar&#8221; die Stadt in den östlichen muslimischen Teil und den kroatisch-katholischen Teil im Westen. Die Grenze ist unsichtbar geworden. Militärstellungen, Zäune und Checkpoints wurden weggeräumt. Die meisten mit Einschusslöchern übersäten Häuserwände haben einen neuen Putz bekommen.</p>
<p>Im Jahr 1996 sei sie nach Mostar zurückgekehrt, erzählt Vesna. Erst drei Jahre später habe sie sich wieder in den muslimischen Teil der Stadt getraut. &#8220;Mein Vater hat auf der kroatischen Seite gekämpft&#8221;, berichtet sie. Er wolle den muslimischen Ostteil der Stadt nie mehr betreten. &#8220;Mein Vater will nicht den Leuten begegnen, die auf ihn geschossen haben&#8221;, sagt Vesna. Die seelischen und sozialen Zerstörungen, die der Krieg hinterlassen hat, sind nicht so schnell zu beseitigen wie die äußerlichen.</p>
<p>Seit sechs Jahren füllt sich die Stadt wieder mit Besuchern. Viele Touristen kommen nur zu einem kurzen Ausflug von der kroatischen Küste hierher&#8221;, berichtet Vesna. &#8220;Wir wünschen uns mehr Besucher, die länger bleiben&#8221;. Vesna hat prominenten Beistand. Ivo Andric, der mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnete bosnische Schriftsteller, schwärmte von Mostar: &#8220;Wenn man in Mostar übernachtet, ist es nicht das Geräusch, das einen morgens weckt, sondern das Licht. Es glitzert wie ein goldener, unruhiger Abglanz in einem Glas mit Wein aus der Herzegowina&#8221;, schrieb er.</p>
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		<title>Der Dom am Deich</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Jan 2009 10:34:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Tief hängen die dunklen Wolken über der Küste. Brackige Gräben durchziehen das gelblich-braune Gras der Salzwiesen. Sie sind aus dem Schlick des Meeres entstanden und haben die Nordsee an manchen Stellen weit hinter den Deich zurückgedrängt. Das Auge verliert sich im Nebeldunst, der über Meer und Wiesen hängt und beides zu einer einzigen weiß-grauen Weite [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Tief hängen die dunklen Wolken über der Küste. Brackige Gräben durchziehen das gelblich-braune Gras der Salzwiesen. Sie sind aus dem Schlick des Meeres entstanden und haben die Nordsee an manchen Stellen weit hinter den Deich zurückgedrängt. Das Auge verliert sich im Nebeldunst, der über Meer und Wiesen hängt und beides zu einer einzigen weiß-grauen Weite verschmilzt. Es ist Winter auf Nordstrand. </p>
<p><span id="more-95"></span></p>
<p>Aus der alt-katholischen Theresienkirche dringt Licht, die Tür ist offen. An der Frontseite des Gebäudes über dem Eingang ist in großen, schmiedeeisernen Buchstaben das Wort „DOM“ zu lesen.  Weihrauchduft durchzieht die Kirche. Kerzen in kunstvoll geschmiedeten Ständern zieren Chor und Altarraum. Auf filigran geschnitzten Sockeln an den Wänden stehen verschiedene Heiligenfiguren. Dahinter das Bild des Gekreuzigten, über das sich eine von Säulen gesäumte Kuppel neigt, die mit einem Sterenenfirmament bemalt ist.  Über der etwa sieben Meter langen Kommunionbank flackert das ewige Licht. Manche, die eher an die Nüchternheit der protestantischen Kirchen in Norddeutschland gewöhnt sind, mag der kleine Dom unvermittelt an eines der orthodoxen Gotteshäuser erinnern, die sie während ihres Griechenlandurlaubs kennen gelernt haben.</p>
<p><img src='http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/wp-content/uploads/2009/03/dom-nordstrand.jpg' alt='dom-nordstrand.jpg' /></p>
<p><strong>Die Alt-Katholiken laden „Ungläubige, Zweifler und andere gute Christen“ zu ihrem Gottesdienst ein</strong><br />
Zu besonderen Anlässen, etwa am Sylvesterabend oder an Weihnachten, ist der Inseldom so voll, dass kaum alle Besucher in der Kirche Platz finden. „Wir sind bekannt auf Nordstrand“, sagt Pfarrer Georg Reynders, der die alt-katholische Kirchengemeinde seit 12 Jahren betreut. Der Pfarrer ist verheiratet und hat zwei Kinder.  Die Bekanntheit und Beliebtheit verdankt der Nordstränder Dom vor allem dem 55jährigen Reynders. Er hat die Kirche zu einem offenen Ort für alle gemacht. Eingeladen sind „Ungläubige, Zweifler und andere gute Christen“, wie es auf der Homepage der Gemeinde heißt. „Zu uns kommen auch viele nicht alt-katholische Gäste“, hebt Reynders hervor. Er freut sich darüber, dass die Kirche zu einem Anziehungspunkt auf Nordstrand geworden ist.</p>
<p><strong>Eine „Insel für die Seele“</strong><br />
Die 50 km² große Insel liegt auf der Höhe des schleswig-holsteinischen Städtchens Husum und ist durch einen 4 Kilometer langen Autodamm mit dem Festland verbunden. Weitflächig verteilen sich kleine Ortschaften über das Land. Früher bestanden sie aus wenigen Bauernhöfen, heute gruppieren sich einige Wohn- und Feriensiedlungen um die Höfe herum. Dazwischen liegen ausgedehnte Wiesen und Marschgebiete, auf denen Schafe und Kühe weiden. Nördlich grenzt der Beltringharder Koog an die Insel. Dieses Neuland, das sich entlang des Autodamms fast bis zum Festland hinzieht, wurde in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts durch Eindeichungsmaßnahmen gewonnen. Es bildet Brut- und Rastplatz für zahlreiche Vogelarten und steht unter Naturschutz.</p>
<p><img src='http://www.politik-kultur.de/poku/wordpress/wp-content/uploads/2009/03/hinter-dem-deich.jpg' alt='hinter-dem-deich.jpg' /><br />
<em>Hinter dem Deich</em> (Foto: A.Beinsen)</p>
<p>„Nordstrand, dass ist eine Insel für die Seele, ein Ort für Ruhesuchende und Naturliebhaber“, sagt Pfarrer Reynders, „hier können die Menschen wirklich zu sich selbst finden“. Die Nordstrand-Fans werden ihm recht geben. Wer hingegen das mondäne Strandleben mit Partys, Bars und schicken Restaurants sucht, sollte lieber nach Sylt ausweichen. Nordstrand, das bedeutet „Entspannung pur“. Im Winter können die Besucher ausgedehnte Spaziergänge auf dem Deich unternehmen, sich den rauen Seewind um die Nase wehen lassen und anschließend in einer der rustikalen Gaststätten ein heißes Getränk mit oder ohne Schuss schlürfen. Besonders beliebt: Friesentee, Grog und Pharisäer. In den milderen Jahreszeiten werden geführte Wattwanderungen sowie Ausflüge zu den Halligen und Seehundsbänken angeboten.</p>
<p><strong>Ein echter Dom auf einer kleinen Nordsee-Insel</strong><br />
Der Dom und die altkatholische Gemeinde auf Nordstrand haben ihre ganz eigene Geschichte. Nachdem die Insel im Jahr 1634 durch eine Sturmflut weitgehend zerstört wurde, holte der Herzog einige niederländische Deichbauer ins Land. Da er auf die erfahrenen Niederländer für den Wiederaufbau der Deichanlagen nicht verzichten wollte, versprach der evangelische Landesvater den katholischen Experten die Religionsfreiheit. Im Jahr 1662 erbauten sie ihre katholische Kirche. Von den tief frommen Stiftsherren, die den Deichbau leiteten, wurde sie nach der spanischen Karmeliterin und Mystikerin Theresia von Avila benannt. Irgendwo im Fundament hinterließen die Erbauer eine Reliquie der Heiligen. „Fragen sie mich aber nicht, wo genau die ist“, sagt Pfarrer Reynders, „ich habe keine Ahnung“.<br />
Obwohl die Kirche nur Platz für knapp 100 Besucher bietet, handelt es sich dabei wirklich um einen Dom, wie Reynders stolz betont. Gestiftet und erbaut wurde sie von Christian de Cort, einem Angehörigen der Oratorianergemeinschaft aus Flandern. Die Anhänger dieser katholischen Gemeinschaft kümmerten sich um Arme und Hilfsbedürftige und hielten Gottesdienste statt in lateinischer Sprache in den jeweiligen Volkssprachen ab. Die katholische Kirche auf Nordstrand wurde als Stiftskirche der Oratorianer neben einer ursprünglich vorhandenen Kapelle errichtet. Nicht nur Bischofssitze, auch solche Stiftskirchen bezeichnete man im späten Mittelalter als Dom.</p>
<p><strong>Eigensinnige Katholiken gegen den Papst</strong><br />
Die Gemeinde war Teil des niederländischen Erzbistums Utrecht, das sich unter schwierigen Bedingungen in den calvinistischen Niederlanden behaupten musste. Dieser Umstand führte zu einer größeren Eigenständigkeit gegenüber Rom. In den Augen der römischen Kurie und der ihr treu ergebenen Jesuiten, die als Missionare in die überwiegend protestantischen Niederlande gesandt wurden, war der Utrechter Erzbischof ein Häretiker. Im Jahr 1723 verfügte der Papst seine Absetzung. Doch den vom Vatikan eingesetzten „apostolischen Vikar“ erkannten weder Klerus noch Gläubige des Bistums an, sie hielten ihrem Erzbischof die Treue.<br />
Nach harten Auseinandersetzungen mit Rom über die Leitung der Nordstrander Gemeinde setzte sich auch hier der Utrechter Erzbischof durch. Daher existiert bereits seit dem 18. Jahrhundert eine vom Papst unabhängige katholische Kirchengemeinde auf der Insel. Erst im Jahr 1920 wurde sie der alt-katholischen Kirche Deutschlands angegliedert. Der Einzugsbereich der Gemeinde umfasst heute ganz Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen mit knapp 600 Mitgliedern.</p>
<p><strong>Christliches Multikulti auf der Insel</strong><br />
Neben der alt-katholischen und der evangelischen Kirche gibt es seit 1866 auch wieder eine römisch-katholische Kirchengemeinde auf Nordstrand. Die Pfarrei St. Knud ist außerdem für die römischen Katholiken auf Pellworm und den benachbarten Halligen zuständig. Von den einstigen Rivalitäten zwischen römischen und Alt-Katholiken ist auf Nordstrand heute nicht mehr viel zu spüren. Auf Nordstrand klappt das Miteinander der christlichen Kulturen wieder. Die Pfarrer aller Konfessionen pflegen untereinander rege Kontakte und sind auch schon beim gemeinsamen Fußballspiel gesehen worden. „Wir Nordstrander sind stolz auf unsere drei Kirchen, das ist schließlich eine der Besonderheiten hier“, sagt Reynders.<br />
Nordstrand, die Insel mit den drei Kirchen, ein Ort, um zur Ruhe zu kommen. Wer will, kann das Eiland auch als Ausgangspunkt für Entdeckungsreisen an der nordfriesischen Küste nutzen. Es muss eben nicht immer Westerland sein.</p>
<p>Homepage: <a href="http://www.nordstrand-insel-fuer-die-seele.de/index.html">http://www.nordstrand-insel-fuer-die-seele.de/index.html</a></p>
<p>Die Familie Reynders hat ein Gästehaus. Kontaktadresse für den Urlaub „bi pasders“, hochdeutsch, beim Pastor:<br />
Cornelia Reynders<br />
Anschrift: Osterdeich 1, 25845 Nordstrand<br />
Email: <a href="mailto:urlaub@bi-pasders.de">urlaub@bi-pasders.de</a><br />
Schnelle elektronische und unmittelbare Kommunikation:<br />
Tel. 0 48 42 – 409, Fax: 0 48 42 – 15 11</p>
<p>Führungen durch den Beltringharder Koog  können in der Naturschutzstation Arlauschöpfwerk in Hattstedt  gebucht werden:<br />
Naturschutzstation Arlauschöpfwerk<br />
Hattstedter Marsch 42<br />
25856 Hattstedter Marsch<br />
04846/530</p>
<p>Sehenswertes auf dem Festland:<br />
Erich Nolde Museum / Stiftung Seebüll<br />
Ada und Emil Nolde<br />
25927 Neukirchen<br />
Germany<br />
Telefon: +49 (0) 4664 &#8211; 364<br />
Telefax: +49 (0) 4664 &#8211; 1475<br />
E-Mail: <a href="mailto:info@nolde-stiftung.de">info@nolde-stiftung.de</a></p>
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