Archiv für die Kategorie 'Politik'

Dez 29 2015

“Sicheres Herkunftsland”

Autor: . Abgelegt unter Politik,Über Flucht und Asyl

Stacheldraht

Arben H.* aus Kosovo ist stinksauer. Die südserbische Provinz Kosovo – die sich im Jahr 2008 für unabhängig erklärte – gilt neben Albanien und Montenegro jetzt als sicheres Herkunftsland. So wurde es im Rahmen der neuen Asylgesetze Ende Oktober vom Bundestag beschlossen. Alle Asylanträge von Flüchtlingen aus dieser Region sollen im Eilverfahren in Erstaufnahmeeinrichtungen abgefertigt und die Betroffenen dann so schnell wie möglich zurück geschickt werden.

„Werden wir jetzt alle in Handschellen abgeführt wie Verbrecher?“

„Werden wir jetzt alle in Handschellen abgeführt wie Verbrecher?“, fragt Arben in perfektem Deutsch. Er befürchtet, jetzt in so ein Erstaufnahmelager verfrachtet zu werden. Das wird in seinem Fall erst einmal nicht passieren: Der Mann aus dem Kosovo ist bereits seit ungefähr einem Jahr wieder in Deutschland und hat einen Antrag bei der Härtefallkommission des Niedersachsen Landstags gestellt. Dort werden seine Integrationsleistungen und seine familiäre Verwurzelung in Deutschland geprüft. Kommt die Kommission zu einem positiven Ergebnis, kann Arben aller Voraussicht nach in Deutschland bleiben. Er hat Glück, dass sein Antrag überhaupt noch begutachtet wird. Allen Kosovo-Flüchtlingen, die seit Oktober nach Deutschland kommen, soll dieses Chance von vornherein verwehrt bleiben.
Arben will weg von den Sozialleistungen und gleichzeitig seine Aussicht auf ein Bleiberecht verbessern. Deshalb sucht er seit Monaten verzweifelt nach einer Arbeit. Inzwischen hat er hat auch schon Firmen gefunden, die ihn einstellen wollten. Eine Arbeitserlaubnis wurde ihm jedoch nicht erteilt: Mal handelte es um Zeitarbeitsfirmen – Zeitarbeit ist Flüchtlingen nicht erlaubt – oder es gab bevorrechtigte Bewerber mit deutschem beziehungsweise EU-Pass. Arbens Ärger ist verständlich: Einerseits soll er sich integrieren, andererseits wird aber genau das durch die geltende Rechtslage erschwert.
Der Mann aus dem Kosovo kam 1972 als Kind jugoslawischer Arbeitsmigranten nach Deutschland. Er wuchs in Lüneburg auf und machte dort seinen Hauptschulabschluss. Bevor er eine Berufsausbildung beginnen konnte, kehrte er zusammen mit seinen Eltern zurück ins damalige Jugoslawien. Als im Jahr 1989 die Balkankriege ausbrachen, kam er wieder nach Deutschland. Hier absolvierte er eine Ausbildung und heiratete. Eine Tochter kam zur Welt. Dann geriet Arben in eine Krise: Seine Ehe scheiterte, eine Arbeit fand er nicht mehr, einige Jahre musste er von Sozialleistungen leben. Dadurch verlor er sein Bleiberecht und wurde im Jahr 2005 von den Behörden zurück ins Kosovo geschickt.

Opfer ethnischer Säuberiungen

Dort hatte inzwischen ein Krieg stattgefunden, Rückkehrer wie Arben waren nach den ethischen Säuberungen durch Angehörige der albanischen Bevölkerungsmehrheit nicht willkommen. Arben gehört zur Minderheit der sogenannten Balkan-Ägypter, die sich als Nachfahren von Migranten aus dem Nil-Delta betrachten, die zur Zeit Alexanders des Großen auf den Balkan gekommen sind. Von den Angehörigen der albanischen Bevölkerungsmehrheit werden sie oft herablassend als „Zigeuner“ bezeichnet. Nach dem Kosovo-Krieg waren sie wie Serben, Roma oder andere Bevölkerungsminderheiten tätlichen Übergriffen und Vertreibungen ausgesetzt. „Es geht uns schlecht im Kosovo“, sagt Arben: ob bei Arbeit oder humanitärer Hilfe, ‚wir Schwarzen’ kriegen meistens nichts“, berichtet er. „Schauen Sie sich das an“, sagt Arben und zeigt die Bilder seiner Behausung, in der er zehn Jahre leben musste: So ist das in der Republik Kosovo.“ Die Bilder zeigen ein altes Haus mit bröckelndem Putz, schimmeligen Wänden in den Innenräumen, einfallendem Dach, morschen Balken, gammeligen Fußboden. „Die Renovierung würde viel Geld kosten“, sagt Arben. Er habe bei den Behörden um Hilfe gebeten, erzählt er, geschehen sei nichts, er könne ja bei den Deutschen oder Franzosen fragen.
Als Angehöriger einer Minderheit diskriminiert, ohne regelmäßige Arbeit, lebend in einem einsturzgefährdetem und schimmligen Haus ohne Strom und Heizung, so ist er im Dezember 2014 erneut nach Deutschland gekommen. Arben kam in der Hoffnung, hier den Kontakt zu seiner Tochter wieder herstellen und sich neue Lebensperspektiven schaffen zu können. Im Kosovo ist er Opfer eines Krieges, der jetzt vielleicht nicht mehr mit Waffen, dafür aber mit den Mitteln der Verelendung gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen geführt wird.
„Zurück in den Kosovo, das wäre mein Todesurteil“, sagt Arben. Einstweilen ist er zum Warten verdammt. Zu einem Zustand zwischen Hoffen und Bangen auf eine Change in Deutschland, das er als sein eigentliches Heimatland ansieht.

Prekäre Unabhängigkeit

Ethnische Diskriminierung, Armut und Verelendung großer Bevölkerungsgruppen, insbesondere der ethischen Minderheiten, organisierte Kriminalität, Korruption und Vetternwirtschaft der politischen und wirtschaftlichen Eliten, das ist die Realität im sogenannten „sicheren Herkunftsland“ Kosovo. Deutschland hat daran einen nicht geringen Anteil, wirkte es doch dabei mit, das Kosovo in eine prekäre Unabhängigkeit zu bomben. Mit den Opfern dieser Politik, wie den sogenannten Westbalkanflüchtlingen, will man lieber nichts zu tun haben.
*Name geändert

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Feb 21 2015

Tsipras macht den Kotau

Autor: . Abgelegt unter Politik - Wirtschaft - Soziales

Griechische Gasse
Dass die neue Athener Regierung über kurz oder lang die weiße Fahne hissen würde, war zu erwarten. Beeindruckend ist allerdings, wie schnell die Tsipras-Truppe vor den Austeritätsforderungen der EU-Troika und ihres Mentors Wolfgang Schäuble eingeknickt ist. Es ist wahr, dass keine der möglichen Optionen Griechenlands, vom Schuldenschnitt bis hin zum Ausstieg aus dem Euro, schnell alle ökonomischen und sozialen Probleme gelöst hätte. Aber wahr ist auch: ein weiterer sozialer Kahlschlag, wie von Schäuble und Co gefordert, wird das Land auf längere Sicht nur noch mehr in die Krise stürzen.
Die Ergebnisse solcher Strukturreformen unter Regie von IWF und Weltbank lassen sich in den gescheiterten Staaten Afrikas besichtigen: Operation gelungen, Patient tot. Fast alle Länder, die in den 1980er und 90er Jahren dieser ökonomischen Rosskur unterzogen wurden, befinden sich seit Langem in Auflösungsprozessen, zerfressen von Kriegen, Bürgerkriegen und Terrorismus.
Es gibt kein einziges gelungenes Beispiel für die Therapie, die Griechenland verordnet wird. Alexis Tsipras und seine Minister wissen das. Trotzdem scheint ihnen das Nachgeben vor dem ansonsten drohenden Staatsbankrott das kleinere Übel zu sein. Dabei wäre der Bankrott vermutlich der einzige Weg für eine grundsätzliche Kurskorrektur gewesen. Die Banken und EU-Institutionen hätten Farbe bekennen müssen: Schuldenschnitt oder Grexit. Statt dem Ende mit Schrecken droht jetzt unter der vom Parteienbündnis Syriza geführten Koalition ein weiterer Schrecken ohne Ende.
Jene, die Alexis Tsipras in Hoffung auf einen Politikwechsel ihre Stimme gegeben haben, werden sich verraten und verkauft fühlen. Der prinzipielle Vertrauensverlust in die Politik aber läutet das Ende des demokratischen Systems ein und ist erste Schritt ins Chaos.

Erben des Untergangs

Wolfgang Schäuble mag im Angesicht seines Sieges über die Niederlage der Tsipras-Regierung und über ihren Athener Kotau spotten: „”Regieren ist ein Rendezvous mit der Realität”. Über kurz oder lang wird ihm beziehungsweise seinen Nachfolgern diese „Realität“ krachend um die Ohren fliegen. Ein Europa, worin sich einige ganz wenige hoch industrialisierte Exportnationen – wie insbesondere Deutschland – an den ökonomisch schwachen Ländern schadlos halten, wird scheitern. Die Griechen, Spanier und Portugiesen werden es auf Dauer nicht hinnehmen, sozial und wirtschaftlich weiter zu verelenden, während Deutschland seine wirtschaftlichen (und politischen) Muskeln spielen.
Zwei Möglichkeiten gäbe es, den absehbaren Niedergang Europas vielleicht noch aufzuhalten. Eine läge darin, die armen Regionen Europas über einen sehr langen Zeitraum hinweg mit Transferleistungen zu fördern. Das wäre teuer und müsste den Leuten hierzulande plausibel gemacht werden. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Die andere Möglichkeit wäre der Ausstieg von Ländern wie Griechenland aus der europäischen Gemeinschaftswährung. Das würde ihnen perspektivisch wieder die Möglichkeit eröffnen, durch eine nationalstaatliche Wirtschafts- und Finanzpolitik die großen wirtschaftlichen Strukturunterschiede zu den europäischen Zentren auszugleichen.
Der Sieg der europäischen Austeritätspolitik über die Syriza-Regierung hingegen ist ein Pyrrhussieg. Kommende Generationen werden den Untergang der europäischen Idee beerben.

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Feb 04 2015

Red Pepper Greek Salad oder: Wie gehts weiter in Griechenland?

Griechische Treppe
Griechenland: aufwärts oder abwärts?

Ganz großes Kino

Das war schon ganz großes Kino, was sich da am Freitag den 30. Januar 2015 in Athen abgespielte. Gianis Varoufakis, Finanzminister der vor einer Woche neu gewählten Regierungskoalition aus Linksbündnis Syriza und der als rechtspopulistisch bezeichneten Partei der Unabhängigen Griechen, setzte den derzeitigen Chef der sogenannten Eurogruppe, Jeroen Dijsselbeom, faktisch vor die Tür: „Unsere Regierung wird mit größtem Engagement mit der Eurozone, der EU und dem IWF zusammenarbeiten – aber mit der Troika, die ein Programm umsetzen will, dessen Idee wir als antieuropäisch betrachten und die auch das europäische Parlarment für nicht demokratisch legitimiert hält, wollen wir nicht zusammen arbeiten“, erklärte Varoufakis auf einer gemeinsamen Pressekonferenz. Mit sichtlich frustrierter Miene schmiss sein Verhandlungspartner den Kopfhörer für die Simultanübersetzung auf den Tisch und „ergriff die Flucht nach vorn“, wie eine Tagesschau-Sprecherin kommentierte. Dijsselbeoms Flucht nach vorn äußerte sich im Wesentlichen darin, zeitnah den Ausgang des Versammlungsortes anzusteuern. Eine Neue Konferenz mit Verhandlungen über einen Schuldenschnitt sei nicht zu erwarten, ließ er seine Gesprächspartner noch knapp wissen, denn eine solche Konferenz gäbe es ja bereits: die Eurogruppe.
So manchem Griechen, Spanier oder Portugiesen, die seit Jahren von der als Konsolidierung bezeichneten Politik des sozialen Kahlschlags unter EU-Regie kujoniert wurden, mag bei diesen Szenen das Herz aufgegangen sein.
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Jan 27 2015

Celler Hasenjagd

Autor: . Abgelegt unter Politik

(HAZ vom 26.01.2015)

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Unweit von Burgwedel spielte sich am 8. April 1945 ein finsteres Kapitel der deutschen Geschichte ab: die sogenannte Celler Hasenjagd. Der erste Nachkriegsbürgermeister von Burgwedels Partnerstadt Domfront entkam bei dieser mörderischen Menschenhatz auf KZ-Häftlinge.

Wettmar. Im Sommer 2011 meldet sich ein 91-jähriger Mann aus Celle in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora bei Nordhausen: Ob Interesse an etwa 150 Zeichnungen von Häftlingen und Tagebuchaufzeichnungen aus dem KZ bestehe. Seine Schwiegermutter habe die Mappe im April 1945 in ihrem Schrebergarten nahe des Celler Bahnhofs gefunden.

Und ob Interesse besteht! Handelt es sich doch um authentische Quellen für die dramatischen Ereignisse während der Räumung der Lager, der Todesmärsche und der Massaker an KZ-Häftlingen im April 1945. Anhand der Beschriftungen sind der französische Oberst Camille Delétang als Urheber der Porträtzeichnungen und der Arzt Armand Roux als Verfasser der handschriftlichen Dokumente schnell identifiziert. Beide überlebten die Deportation und spielten nach dem Krieg eine wichtige Rolle in Überlebenden- und Veteranenverbänden.

Aus: Post aus Frankreich lüftet Geheimnis. HAZ vom 27.01.2015
Der vollständige Artikel hier: Klick!

Über das Schweigen im Walde. Demnächst mehr hier bei Beinsen.

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Jan 11 2015

Ermordet, weil sie das Recht auf Spott verteidigt haben. Ermordet, weil sie Juden waren

Autor: . Abgelegt unter Politik

Ohne Titel

Das sind die Namen der Opfer der Terroranschläge im Januar 2015 in Frankreich:

Charlie Hebdo

Jean Cabut alias Cabu
Georges Wolinski
Bernard Verlhac alias Tignous
Stéphane Charbonnier alias Charb
Philippe Honoré

Sie wurden ermordet, weil sie Karikaturen über den Islam angefertigt hatten.

Elsa Cayat
Michel Renaud
Bernard Maris

Sie wurden ermordet, weil sie Witze über den Islam gemacht hatten.

Mustapha Ourrad

Er wurde ermordet, weil er mit Leuten zusammenarbeitete, die Karikaturen und Witze über den Islam machten.

Frédéric Boisseau

Er wurde ermordet, weil er für Leute arbeitete, die Karikaturen und Witze über den Islam machten.

Ahmed Merabet
Franck Brinsolaro

Sie wurden ermordet, weil sie als Polizisten die Menschen schützten, die Karikaturen und Witze über den Islam machten.

HyperCasher:

Yoav Hattab
Yohan Cohen
Francois-Michel Saada
Philippe Braham

Sie wurden ermordet, weil sie Juden waren.

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Feb 07 2014

Krise – welche Krise

Autor: . Abgelegt unter Politik - Wirtschaft - Soziales

Als einer der in einem – sagen wir mal – politisch eher links-alternativem Milieu sozialasiert worden ist, bin ich es gewohnt, die Welt von der Krise her zu denken. Wenn nun jemand daher kommt und behauptet, wir hätten allen Grund zum Optimismus, die Welt sei in den letzten Jahrzehnten entgegen anderslautender Gerüchte nicht schlechter, sondern besser geworden, so ruft das in diesem Fall natürlich erst einmal Abwehrreflexe hervor. Aber anstatt die Sache einfach als Unsinn abzutun, wollen wir sie uns doch einmal näher anschauen.
Der Jemand heißt in diesem Fall Michael Miersch, ist Journalist bei der Zeitung „Die Welt“ und wandte sich schon in den 1990er-Jahren zusammen mit seinem Kollegen Dirk Maxeiner recht provokativ gegen den vorherrschenden Ökopessimismus. Anfang dieses Jahres hat er seine Thesen im Rahmen einer Veranstaltung der FDP nahen Friedrich Naumann Stiftung vorgetragen und dabei angemerkt, dass eines der UN-Millenniumsziele, nämlich die Armut bis zum Jahr 2015 zu halbieren, schon jetzt erreicht sei.
Was ist dran, an dieser Behauptung? Nach der Definition der Weltbank gilt als arm, wer weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag für seinen Lebensunterhalt zur Verfügung hat. Dieser Wert soll sich laut Weltbank an der Kaufkraft insbesondere in den armen Ländern der Welt orientieren. Mit weniger als 1,25 Dollar täglich ist es demnach nicht möglich, seine grundlegenden Bedürfnisse an Nahrung, Kleidung und Obdach zu decken. Laut Weltbank ist die Anzahl jener Menschen, die unter dieser Grenze leben müssen, von 42 Prozent im Jahr 1990 auf 22 Prozent im Jahr 2008 gefallen. In absoluten Zahlen:
Die Anzahl extrem armer Menschen sank von 1,8 Milliarden im Jahr 1990 auf 1,4 Milliarden Menschen im Jahr 2008 und wird nach Schätzungen der Weltbank bis zum Jahr 2015 noch weiter auf 15 Prozent (und damit auf unter 900 Millionen) sinken. Auch der Anteil der hungernden Menschen konnte bis 2007 von 20 Prozent auf 16 Prozent der Weltbevölkerung reduziert werden. In Südostasien, Ostasien, Lateinamerika und der Karibik stehen die Chancen nach derzeitigen Schätzungen gut, die Zielvorgabe zu erreichen (Quelle: Aktion Deutschland hilft).
Das ist erst einmal ja in der Tat eine gute Nachricht. Dabei wird vielfach darauf hingewiesen, dass die Entwicklungen regional sehr unterschiedlich verlaufen sind. Der große Rausreißer ist China: dort fiel die Armutsrate von 55 Prozent im Jahr 1990 auf 14 Prozent im Jahr 2008. Schlecht sieht es dagegen in Afrika südlich der Sahara aus. Dort ist das Elend in den vergangenen Jahrzehnten noch größer geworden.
Dennoch müssen wir zugeben werden, dass der Kapitalismus, der von einigen Krisentheoretikern, wie etwa Robert Kurz, schon in den 1990er-Jahren quasi für erledigt erklärt worden ist, gerade im zurückliegenden Jahrzehnt wieder ordentlich Fahrt aufgenommen hat. Und dass das insbesondere vielen Chinesen, trotz aller Verwerfungen, scheinbar nicht schlecht bekommen ist. Allerdings sollten jetzt auch die Neoliberalen, die die Lösung aller Probleme in einer von jeglicher Regulierung befreiten Wirtschaft sehen, bei dieser Nachricht nicht allzu sehr auf den Busch klopfen. Denn die Wirtschaft des großen asiatischen Landes gedieh gerade durch die Strategie staatlicher Regulierung und eines staatlich verordneten Protektionismus besonders gut, der sukzessive für die verschiedenen Wirtschaftszweige erst dann aufgegeben wurde, wenn man sich fit für- und konkurrenzfähig auf dem Weltmark wähnte. Damit hat sich China nicht immer Freunde gemacht, aber es hat gewirkt.
Nichtsdestotrotz dürfen wir uns über die Verringerung der Armut freuen, dabei allerdings nicht vergessen, dass auch im Jahr 2015 immer noch über eine Milliarde Menschen in extremer Armut leben werden. Und in anderen Bereichen ist es mit der Erreichung der Millenniumsziele im Übrigen weit weniger gut gelaufen. (Dazu an anderer Stelle mehr).
Und überhaupt, allzu optimistisch sollten wir hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit des Kapitalismus nun auch nicht werden. Während China in historisch enorm kurzer Zeit eine immense Entwicklung erlebt hat, schwächelt der Kapitalismus zunehmend in den Regionen des alten Zentrums, der Triade Westeuropa, Japan und USA: hier jagt eine Schulden-, Währungs-, und Bankenkrise die nächste, geraten immer mehr Menschen in einen Sog von Arbeitslosigkeit, Armut und sozialer Verelendung.
Dennoch, aller Untetrgangsszenarien zum Trotz, hat sich der Kapitalismus immer wieder enorm widerstandsfähig erwiesen. Und wenn er schon nicht so bald durch etwas Besseres ersetzt werden kann, sollte man wenigstens versuchen, ihn selbst besser zu machen. Will man die Armut nicht nur halbieren sondern ganz abschaffen, muss man ihn politisch einhegen. Das ist doch immerhin auch noch ein sehr ehrgeiziges linkes Projekt.
Alte und verschleierte Frauen warten auf die Verteilung von Essensrationen
Und solange es noch solche Bilder gibt, dürfen wir uns nicht abfinden mit den Verhältnissen, so wie sie sind.

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Mai 23 2012

Boom und Bäng: Deutschland macht arm

Bankengebäude - Glasfront

Ausschau nach dem Jobwunder

Deutschlands wirtschaftliche und politische Eliten sind in Sektlaune. Die 2008 mit dem Bankencrash über die Welt hereinbrechende Krise scheint überwunden zu sein: Das Bruttosozialprodukt verzeichnet wieder Zuwächse und die Arbeitslosigkeit geht trotz aller Katastrophenszenarios der letzen Jahre deutlich zurück, angeblich jedenfalls. Im Mai 2012 ist die Zahl der Erwerbslosen laut Agentur-Statistik erstmals seit den neunziger Jahren unter die drei Millionen Grenze gesunken. Deutschland profitiere nun von Agenda 2010, meinen insbesondere die Vertreter der unternehmensnahen Wirtschaftsinstitute, die seinerzeit entscheidend an Schröders sogenannten Arbeitsmarktreformen mitgewirkt haben. Weniger feierlich ist allerdings den Geringverdienern und Langzeitarbeitslosen zumute, die immer noch vergeblich nach dem vermeintlichen Jobwunder Ausschau halten.
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Mrz 16 2011

Atomkraft? Nein danke!

Autor: . Abgelegt unter Politik

Ant-Atom Demo: Spruchband: Es reicht!
Ob sie es jetzt kapieren?

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Jul 23 2010

Aus aktuellem Anlass: Der General und das Kosovo

Autor: . Abgelegt unter Politik

Vorangestellt

Gestern, am hat 22. Juli 2010, hat der Internationale Gerichtshof in Den Haag sein Urteil zur Unabhängigkeitserklärung der südserbischen Provinz Kosovo verkündet. Die Mehrzahl der Richter in Den Haag, zehn von insgesamt 14, haben die Loslösung für rechtens erklärt.
Dieses Urteil nehmen wir zum Anlass um daran zu erinnern, dass die mediale Berichterstattung über den Konflikt und die Politik der westlichen Länder auch hierzulande nicht ohne Widerspruch geblieben sind. Dabei kam der Protest nicht nur von einer Seite, von der man ihn ohnehin erwartete, nämlich von der Linken – seinerzeit noch PDS – und ihrem Umfeld. Auch ein ehemals hochkarätiger Bundeswehrgeneral hat seit dem Nato-Krieg von 1999 immer wieder seine Stimme erhoben und versucht, eine andere Sicht auf die Geschehnisse publik zu machen. Der Name des Mannes ist Hans Loquai. Im Jahr 2005 stellte er seine Positionen unter anderem auf einer Veranstaltung im niedersächsischen Neustadt am Rübenberge vor. Ich berichtete seinerzeit für das hannoversche Online-Journal “Lange Leine” darüber.
Aus aktuellem Anlass wird mein Beitrag aus dem Jahr 2005 hier noch einmal wiedergegeben.

Scharfe Kritik an Darstellung des Kosovo-Krieges

Der Ex-General Heinz Loquai hat im Rahmen einer Veranstaltungsreihe des Arbeitskreises Regionalgeschichte in Neustadt am Rübenberge die deutsche Beteiligung am Kosovo-Krieg kritisiert.
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Jul 08 2010

Pflegekammern gegen Pflege-Krise

Autor: . Abgelegt unter Politik - Wirtschaft - Soziales

(pflegen-online , Ausgabe 04/2009 – Nr. 111)
Die Fachverbände der Kranken- und Altenpflege fordern seit Langem die Einrichtung einer Pflegekammer. Was ist davon zu erwarten? Mehr Bürokratie und Kontrolle oder eine Verbesserung der Pflege?
Im Oktober dieses Jahres hat der Kieler Rechtsgelehrte Gerhard Igl sein neuestes Gutachten zum Thema Pflegekammern vorgestellt. Darin vertritt er die Auffassung, dass eine Kluft zwischen der tatsächlichen Stellung der Pflegeberufe im Gesundheitswesen und ihrer öffentlich-rechtlichen Position herrsche. Dieses Missverhältnis sollte durch die Gründung von Pflegekammern beseitigt werden, sagt Igl. Auftraggeber des Gutachtens ist der Deutsche Pfle-geverband (DPV). Für dessen Geschäftsführer Rolf Höfert stellt die Expertise denn auch ein Signal an alle Bedenkenträger dar, endlich einzulenken und den Weg für die Pflegekammern freizumachen.
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Mrz 30 2009

Christlicher Beistand für HIV-Infizierte und AIDS-Kranke

Autor: . Abgelegt unter Politik - Wirtschaft - Soziales

“Christen heute”, 52. Jahrgang vom November 2008

Die Lazarus Legion warnt vor einem nachlassenden Problembewusstsein gegenüber HIV und AIDS

An der Wand des Gruppenraums der Lazarus Legion in Hannover hängt ein großes gewebtes Tuch, das Hannover AIDS-Quilt. Eingefasst in eine Borte aus den Regenbogenfarben ist es mit den Namen von 62 an AIDS verstorbenen Menschen bestickt. In diesem Raum werden Besprechungen abgehalten und Gruppenaktivitäten durchgeführt, einmal in der Woche treffen sich HIV-Infizierte und AIDS-Kranke hier zu einem gemeinsamen Frühstück, bei dem es oft auch heiter zugeht. Dennoch, der Tod und das Andenken an die Opfer der Krankheit sind an diesem Ort stets präsent.

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Mrz 18 2008

Der Körper spricht immer

Autor: . Abgelegt unter Politik - Wirtschaft - Soziales

(pflegen: Demenz 1/06)

Jede pflegerische Handlung ist ein Akt der Kommunikation. Auch wenn demenzkranke und depressive Menschen nicht mehr sprechen, teilen sie sich durch Gesten und Körpersprache mit und nehmen Signale aus ihrer Umgebung wahr. Der Journalist und Sozialwissenschaftler ACHIM BEINSEN beschreibt die Grundlagen der Kommunikation und ihre Bedeutung für die Altenpflege. Im Mittelpunkt steht die besondere Problematik demenzerkrankter Personen.

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