Hannovers Integrationsmanagement: Eine Investition in die Zukunft

Das Integrationsmanagement für Flüchtlingsunterkünfte der Landeshauptstadt Hannover

Flüchtlingsintegration ist das Gebot der Stunde. Darin waren sich die Verantwortlichen in Rat und Verwaltung mit Oberbürgermeister Stefan Schostok an der Spitze einig, als sie Ende 2014 aus der Not geboren 300 Flüchtlinge im ehemaligen Oststadtkrankenhaus (OSK) unterbringen mussten. An der ursprünglichen Vorgabe, keine Gemeinschaftsunterkunft mit mehr als 50 Personen zu belegen, war endgültig nicht mehr festzuhalten.

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„Sicheres Herkunftsland“

„Sicheres Herkunftsland“
Arben H.* aus Kosovo ist stinksauer. Die südserbische Provinz Kosovo – die sich im Jahr 2008 für unabhängig erklärte – gilt neben Albanien und Montenegro jetzt als sicheres Herkunftsland. So wurde es im Rahmen der neuen Asylgesetze Ende Oktober vom Bundestag beschlossen. Alle Asylanträge von Flüchtlingen aus dieser Region sollen im Eilverfahren in Erstaufnahmeeinrichtungen abgefertigt und die Betroffenen dann so schnell wie möglich zurück geschickt werden.

„Werden wir jetzt alle in Handschellen abgeführt wie Verbrecher?“

„Werden wir jetzt alle in Handschellen abgeführt wie Verbrecher?“, fragt Arben in perfektem Deutsch. Er befürchtet, jetzt in so ein Erstaufnahmelager verfrachtet zu werden. Das wird in seinem Fall erst einmal nicht passieren: Der Mann aus dem Kosovo ist bereits seit ungefähr einem Jahr wieder in Deutschland und hat einen Antrag bei der Härtefallkommission des Niedersachsen Landstags gestellt. Dort werden seine Integrationsleistungen und seine familiäre Verwurzelung in Deutschland geprüft. Kommt die Kommission zu einem positiven Ergebnis, kann Arben aller Voraussicht nach in Deutschland bleiben. Er hat Glück, dass sein Antrag überhaupt noch begutachtet wird. Allen Kosovo-Flüchtlingen, die seit Oktober nach Deutschland kommen, soll dieses Chance von vornherein verwehrt bleiben. Arben will weg von den Sozialleistungen und gleichzeitig seine Aussicht auf ein Bleiberecht verbessern. Deshalb sucht er seit Monaten verzweifelt nach einer Arbeit. Inzwischen hat er hat auch schon Firmen gefunden, die ihn einstellen wollten. Eine Arbeitserlaubnis wurde ihm jedoch nicht erteilt: Mal handelte es um Zeitarbeitsfirmen – Zeitarbeit ist Flüchtlingen nicht erlaubt – oder es gab bevorrechtigte Bewerber mit deutschem beziehungsweise EU-Pass. Arbens Ärger ist verständlich: Einerseits soll er sich integrieren, andererseits wird aber genau das durch die geltende Rechtslage erschwert. Mehr lesen

Neue Köche braucht das Land

Jungkoch in der Großküche In der Küche des Kantinenbetreiber- und Cateringunternehmen Diedloff herrscht geschäftiges Treiben. Überall dampft und brutzelt es, aus Töpfen und Pfannen steigen einem aromatische Gerüche in die Nase. Wer um diese Zeit, es ist neun Uhr morgens, noch nicht gefrühstückt hat, bekommt spätestens jetzt Appetit. Liridon richtet unter den kritischen Augen des Küchenchefs hochkonzentriert verlockernd aussehende Fingerfoodhäppchen auf einer silbernen Platte an. „Bitte immer exakt vier nebeneinander, gerade ausgerichtet“, belehrt der Chef seinen Mitarbeiter. Die Platten sind für eine Familienfeier bestimmt. Im September hat der junge Mann bei der Firma Diedloff eine Ausbildung als Koch begonnen. Er ist sind erst vor einigen Monaten als Flüchtling nach Hannover gekommen. Der 23-jährige Liridon P. stammt aus dem Kosovo. Er spricht schon ganz passabel Deutsch, einer der Gründe, warum Unternehmensmanager Tobias Glombitza ihm eine Chance in seinem Unternehmen gibt. Außerdem hat er bereits erste Erfahrungen im Gastronomiebereich mitgebracht. Kennengelernt hat Firmenmanager Tobias Glombitza seinen neuen Auszubildenden durch den Kontakt mit dem Integrationsmanagement der Stadt Hannover. „Liridon war einen Tag zur Probe da und hat gut mitgearbeitet“, berichtet er: „Also haben wir uns spontan dazu entschlossen, ihm einen Ausbildungsplatz anzubieten“.

“Keiner will mehr Koch werden!“

< Mittlerweile gäbe es kaum noch deutsche Schulabgänger, die den Beruf des Kochs ergreifen würden, sagt Glombitza. Die Arbeitszeiten am Wochenende und abends sowie das am Anfang nicht sehr üppige Gehalt, das alles sei für die einheimischen Jugendlichen scheinbar nicht mehr attraktiv. „Der Kochberuf stirbt aus“, klagt Tobias Glombitza. Deshalb ist er froh, dass er den den jungen Mann aus dem Kosovo als Nachwuchskraft für das Unternehmen Diedloff gewonnen zu haben. Liridon ist dankbar für diese Chance. „Bei mir im Kosovo wäre das niemals möglich gewesen“, erzählt der Kosovare, dort gäbe es kaum Arbeit und gute Ausbildungsplätze schon gar nicht. Sowohl die Auszubildenden als auch ihr Chef hoffen, dass die beiden angehenden Jungköche in Deutschland bleiben können, um ihre Ausbildung abzuschließen, um dann als Köche im Unternehmen weiter zu arbeiten. „Sie sind total bemüht und engagiert“, schwärmt Glombitza. Manchmal gäbe es zwar noch das eine oder andere Verständigungsproblem – aber darauf könne man sich einstellen. Die Arbeit macht dem Neuling Spaß. „Nur die Berufschule ist schwer“, gibt er zu. „Da brauchen ich wahrscheinlich jemanden für Nachhilfe“. Die Mitarbeiter des Integrationsmanagements, die den Kontakt zwischen Unternehmen und neuen Mitarbeitern vermittelt haben, stehen natürlich weiterhin mit Rat und Tat motivierend zur Seite. Sie werden sich jetzt darum bemühen, einen Nachhilfelehrer für den angehenden Jungkoch zu finden, damit es auch in der Schule klappt.

Wir wissen nicht mehr, wo wir hingehören

(Der Flüchtlingsrat, Sonderheft 117 - 2007: „Wir wollen leben, wie Menschen es verdient haben!“ Flüchtlinge im Portrait) Wie so häufig in den letzten Monaten ist die drohende Abschiebung auch heute wieder das beherrschende Thema bei den Beqiroviqs. Zu Gast ist Matthias Köhler, der Chef des Familienvaters. Aus den hinteren Zimmern tönt Kinderlärm. Bei Kaffee und Kuchen wird über Petition, Härtefallantrag und Bleiberechtsregelung geredet. "Die ist aber noch ganz schön eisig", bemerkt Matthias Köhler zwischendurch mit einer kleinen Geste in Richtung Kuchen. "Tut mir Leid", erwidert Jupo Beqiroviq und lächelt verschmitzt. Mehr lesen