Monatsarchiv für Februar 2014

Feb 28 2014

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Natur – aber bitte nicht pur. Oder: Grimms Märchen in Neuauflage

Abgelegt unter Neues aus Canidistan

Es ist jetzt schon ein Weilchen her, da hat die Hannoversche Allgemeine Zeitung über ein Massaker, genauer gesagt über ein Schafsmassaker berichtet. Selbiges richteten ausnahmsweise einmal nicht die Menschen sondern einige Wölfe an, die es vom Truppenübungsplatz Bergen bei der Suche nach ihrem Abendbrot auf eine nahegelegene Schafsweide verschlagen hatte. Als der Wolfsberater Jörg-Rüdiger Tilk eintraf, so schreibt die HAZ,

hatten sich schon alle fünf Schafhalter aus dem Ort dort versammelt. Die Sache hatte sich in Windeseile herumgesprochen. Eine Nachbarin hatte die Schafsleichen entdeckt. Eine andere erzählte, sie habe nachts um eins die Wölfe heulen gehört. Allen bot sich ein grausiges Bild: Acht Schafe lagen tot auf der Weide verstreut, zwei weitere hatten Verletzungen erlitten, denen sie später erlagen. Tilk war gleich überzeugt: ‚Das Rudel muss von einem Trecker oder Auto gestört worden sein, Wölfe töten nicht einfach zum Spaß und lassen die Beute dann liegen.’ Für Elli Hasselmann war und ist das kein Trost. Der Schock sitzt der 68-Jährigen noch im Nacken. „Der Wolf tötet mit Kehlbiss“, erinnert sie sich schaudernd. „Eins der Schafe stand mit offener Luftröhre da.“

Wolfsberater Tilk und seine Kollegen untersuchten den Ort des Geschehens eingehend, um auch sicherzustellen, dass es sich bei den Tätern wirklich um Wölfe gehandelt hat. Denn von so einem Nachweis hängt es ab, ob die geschädigten Landwirte eine Entschädigung und auch eine finanzielle Unterstützung für die Anschaffung von Herdenschutzhunden und das Anbringen ausreichend hoher Sicherheitszäune erhalten. Doch obwohl das jetzt wohl klar gestellt ist, stimmen die betroffenen Schafshalter und andere Wolfsfeinde das alte Lied vom bösen Wolf an: Naturromantik und Artenvielfalt seien schön und gut, aber auf diese eine Art, den Wolf, könne sie gut verzichten, gab eine der Schafszüchterinnen zu Protokoll. Und ein HAZ-Leser mit dem Pseudonym „Louis der Kater“ kommentierte den Artikel im Leserforum mit den Worten:

Wenn ich am Abend auf meinem Balkon stehe kann ich die Wölfe zwischen Gehrden und Ronnenberg hören, stundenlanges Heulen mit anschliessendem schmatzen sprechen eine deutliche Sprache, ich jedenfalls gehe Abends nur noch mit Jagdgewehr aus dem Haus. Hoffentlich wird die Politik schnellsten tätig damit wir nicht mit Meldungen wie, – Wolf raubt Baby aus dem Kinderwagen, oder, – Wölfe überfallen Wohnhaus und rauben die Kinder, wir kennen ja alle die Geschichte von den Grimm’s .

Da fragen wir uns natürlich, meint der Betreffende das wirklich ernst oder hat er nur eine sehr hintergründige Art von Humor. Und warum lautet sein HAZ-Nutzername dann nicht Rotkäppchen?

Heidschnuckenherde auf der Wiese
Mögen Menschen und auch Wölfe gern: Heidschnucken

Ich fürchte, er meint es ernst. Denn ein bisschen Natur, das finden wir doch alle schick, aber sie darf natürlich niemandem weh tun. Das, was so mancher für Natur hält, ist realiter nichts anderes als ein vom Menschen gehegter Park und Wirtschaftsraum, in dem sich das allgemeine Naturverständnis selbst ad absurdum führt. Denn noch immer gilt Natur als eine sich selbst überlassene Wildnis, nach der wir uns alle doch so sehr sehnen. Kommt diese Art von Natur dann allerdings einmal in Gestalt eines Wolfes daher, greift der Naturliebhaber lieber zum Jagdgewehr, um sie wieder auf ein ihn nicht beängstigendes Maß zurück zu stutzen.

Ehrlich gesagt, mir tun die zugerichteten Schafe auch leid. Aber die Schafszüchterin aus Bergen und der HAZ-Leser „Luis der Kater“ haben wahrscheinlich kein Problem damit, ein Kotelett von Schweinen zu essen, die über Hunderte von Kilometern durch die Republik kutschiert worden sind, um dann im Schlachthof auf recht brutale Art und Weise zu Tode gebracht zu werden. Killen fürs Kotti darf eben nur der Mensch, und wehe, ihm kommt da ein Wolf in die Quere.
Ich habe es bereits an anderer Stelle gesagt: Natur ist nicht zum Nulltarif zu haben. Landwirte müssen unterstützt werden, um ihre Weiden sicher einzäunen und – beziehungsweise oder – sich wehrhafte Herdenschutzhunde zulegen zu können. Dafür müssen Kommunen, Länder und der Bund was springen lassen. Dann geht’s einstweilen auch wieder den Schafen und Lämmern gut, jedenfalls bis zu ihrer letzten Reise in den Schlachthof.

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Feb 25 2014

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Alternativen zum Truppi! Heute: Die kleine Isernhagenrunde

Abgelegt unter Allgemein,Hunderunden

Vor Kurzem, genauer gesagt, heute Nachmittag, traf ich in Vinnhorst eine Border Collie-Halterin mit ihrer eineinhalbjährigen Vierbeinerin, die sich zurecht darüber beklagte, dass wir Hundebesitzer auf dem Truppenübungsplatz Bothfeld-Langenhagen nicht mehr so gern gesehen sind. Gut, man kann dort mit seinem Hund noch spazieren gehen, muss den Hund aber immer anleinen und darf nur die großen geschotterten Wege benutzen. Bis vor cirka zwei Jahren war das anders: da drückten die Bundeswehr-Hausherren schon mal beide Augen zu, wenn sie unangeleinte Hunde trafen. Und damals gingen wir auch noch unbeschwert auf all den kleinen Trampelpfaden, die einen Spaziergang auf dem Truppi erst so richtig interessant machten.
Genau zu dem Zeitpunkt, als sie sich ihre Hündin anschaffte, sei es damit vorbei gewesen, erzählte die Border Collie Besitzerin heute Nachmittag, dabei wohne sie doch nur knapp 15 Minuten von dem Truppi entfernt.
Ach ja, auch ich musste seufzen: „Das war schon schön damals auf dem Truppenübungsplatz. „Aber“, sagte ich, „wenn Sie dort ganz in der Nähe wohnen, dann kennen Sie doch bestimmt die Alternativen, etwa die Runde über die Felder Richtung Isernhagen-Süd“.
Nein, die kannte sie nicht, und das will ich jetzt hier also einmal zum Anlass nehmen, die Hunderunde, von uns die „kleine Isernhagener“ genannt, vorzustellen. Die „kleine Isernhagener“ zeichnet sich gegenüber der „großen Isernhagener“ dadurch aus, dass man den Truppenübungsplatz gar nicht betreten muss. Man kann hier also auch dann gehen, wenn der Truppi gesperrt ist, sichtbar gemacht bekanntlich durch das Hissen der roten Fahne an den Eingängen.
Gogglec Earth Foto von der

“Die kleine Isernhagener“

Hier also eine der Alternativen zum Truppi: die „kleine Isernhagener“.
Wir parken am Langenhagener Klärwerk in der Breslauer Straße. Dann halten wir uns östlich und gehen rechts an einem kleinen Wasserlauf entlang, mit dem das saubere Wasser aus dem Klärwerk in die Wietze geleitet wird. Nach 100 Metern kommen wir an die Wietzebrücke. Davor befindet sich auf der rechten Seite der Eingang zum Truppenübungsplatz.
Der Truppi: kann uns mal!
Darum kümmern wir uns jetzt aber nicht die Bohne, sondern überqueren die Brücke und setzen unsern Spaziergang immer der Nase nach in Richtung Isernhagen Süd fort. Der Weg führt durch Felder und Wiesen, teilweise verdecken Büsche und Bäume die Sicht, dann wieder kann man in nördlicher Richtung gerade noch eine Landstraße erkennen, die den Wietzepark (bekannt dort: das Seehaus) mit seinem Hufeisensee in südlicher Richtung begrenzt.

Wiesenlandschaft, frische grüne Saat, darauf Treckerspuren

Nach knapp eineinhalb Kilometern gelangen wir an ein kleines Sträßchen mit dem Namen Fuhrbleek. Hier wenden wir uns nach rechts und gehen eine schöne Baumallee entlang. Nach knapp einem halben Kilometer teilt sich der Weg.

Herbstliche Baumalle am Fuhrbleek in Isernhagen

Eine aufmerksame Leserin hat mich gebeten, darauf hinzuweisen, dass es in dem hier beschriebenen Terrain Rehe und Hasen gibt.
Wer also ein jagenden Hund hat, sollte achtgeben, dass der seiner Leidenschaft hier nicht zu ausgeprägt frönen kann!

Die Hunde vom Reiterhof im Fuhrbleek: machen nur ihren Job
Rechts an der Ecke befindet sich ein kleiner Reiterhof, meistens sind zwei Hunde am Zaun, die uns mit ihrem lauten Bellen begrüßen. Davon lassen wir uns nicht beeindrucken, die beiden machen ja nur ihren Job. Wir biegen rechts ein und gehen am Haus und den niedrigen Pferdeställen vorbei. Der Weg verengt sich bald zu einem Pfad, der wieder einen Rechtsknick macht und in nördlicher Richtung durch ein kleines Wäldchen führt.
Vis-à-Vis: die Wietze
Das Wäldchen endet an einem Feld. Links vor uns fließt die Wietze, dahinter liegt der Truppenübungsplatz. Wir gehen einen kleinen Trampelpfad entlang, der zwischen Wietze und Feld wieder zurück zur Wietzebrücke führt. Hier kennen wir uns aus. Wir halten uns links und gelangen so zum Parkplatz an der Kläranlage zurück.

Links große Bäume. vorn und rechts ein Feld. Dazwischen Trampelpfad. Sommerlich

Die Gesamtstrecke beträgt knapp vier Kilometer (um ganz genau zu sein: 3,52 Kilometer). Man geht ja nach Tempo und Hundespielpausen zwischen 45 Minuten und einer Stunde. Eine schöne Runde: nicht zu kurz, nicht zu lang und durchaus mit landschaftlichen Reizen. Die „kleine Isernhagener“ gehört zu meinem Standardrepertoire.
Und das nächste Mal in Hund-um-Hannover:
Zwischen Pferderennbahn und Stadtpark: die Karolin-Runde

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