Archiv für die Kategorie 'Satchmo'

Jan 10 2016

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Der Sheppy, das Humpeln und das Liposarkom

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DEr Sheppy mit Bandage

Über mich selbst zu schreiben, fällt mir nicht leicht. Ich habe immer die Schreiber bewundert, die aus ihren Gefühlen Kunst machen können. Meine eigenen Versuche in dieser Richtung fand ich eher peinlich – und ließ die Finger davon.
Wahrscheinlich habe ich deswegen hier noch nicht über Sheppies Erkrankung vor jetzt etwa eineinhalb Jahren berichtet. Abschiednehmen stand im Raum. “Die Besten sterben früh”, hatte die Tierärztin gesagt. Das kam mir zu nah, darüber konnte ich nichts schreiben.

Der Sheppy hat schon seit Jahren Probleme mit seinem rechten Karpalgelenk. Als er knapp zwei Jahre alt war, fing er plötzlich an zu humpeln. Frühe Arthrose? Hatte ich es mit dem Frisbeespielen übertrieben. Ich machte mir Vorwürfe. Allerdings: Diagnostisch war da nichts festzustellen. In der Tierärztlichen Hochschule Hannover haben wir ihn diagnostisch auf den Kopf stellen lassen. Ergebnis? Nichts.

Einschränkungen für das Hundeleben

Okay, der Sheppy humpelt eben manchmal. Ich hatte es nach diesen ergebnislosen Untersuchungen aufgegeben, mir darüber groß Sorgen zu machen. Klar, das bedeutete natürlich Einschränkungen für sein Hundeleben. Kein Ballwerfen mehr, Frisbeespielen schon gar nicht, letztlich auch die Einstellung des Treibballtrainings, alles, was für das Gelenk besonders belastend sein kann, wurde weggelassen. Aber natürlich kann man einen Sheppy nicht in Watte packen. Petra hat die Rettungshundearbeit glücklicherweise konsequent weiter durchgezogen, und ich habe mir eben was anderes für den Sheppy ausgedacht: Suchübungen, Apportierspiele, Aufräumen seines Stoff- und Quitschtierzoos und so weiter.
Ballwerfen ist sowieso blöd für Shepherds. Ich hatte mich also damit arrangiert, dass der Sheppy ab und zu humpelte. Irgendwann wurde die Humpelei sowieso immer seltener. Bis es dann Ende 2013 und im Laufe des Jahres 2014 wieder zunehmend schlimmer wurde. Diesmal auf dem linken Bein.
Sheppy mit Buch
Alternative Beschäftigungsmöglichkeiten für Hütehunde

Zunächst habe ich das mit dem sprichwörtlichen Achselzucken registriert. Er humpelt jetzt eben wieder ein bisschen mehr, wird schon aufhören, wie immer. Es hörte aber nicht auf. Vielmehr wurde es immer schlimmer und mit Sheppies Stimmung ging es bergab. Er wurde unleidlich, war nicht mehr die “coole Socke”, die wir kannten. Plötzlich stürzte er sich beispielsweise mit einem kleinen Rüden in den Clinch, der zuvor eindeutig beschwichtigende Signale von sich gegeben hatte. “Das hat er ja noch nie gemacht”, hörte ich mich sagen. Peinlich. Der Sheppy hatte Schmerzen, es ging ihm mies und es wurde nicht besser. Irgendwann vereinbarte Petra einen Termin für eine Computertomographie (CT) in einer ihr empfohlenen Tierarztpraxis in Braunschweig.

Liposarkom

Die Untersuchung sollte irgendwann um die Mittagszeit stattfinden. Als ich nachmittags von der Arbeit nach Hause kam, waren Petra und der Sheppy immer noch nicht aus Braunschweig zurück. Ich rief an. Petra war in Begleitung gefahren und ging nicht selbst ans Telefon. Ihre Begleiterin klang komisch. “Wir erzählen dir das, wenn wir wieder da sind”, bekam ich zu hören. Das klang nicht gut. Ich bohrte nach und erhielt die Auskunft, dass der Sheppy einen Tumor habe.
Die Untersuchung hatte ergeben, dass bei ihm ein Liposarkom gewachsen war – eine Fettgewebsgeschwulst. Fettgewebsgeschwüre sind an und für sich noch nicht so dramatisch, hier allerdings handelt es sich um eine bösartige Variante. Beim Sheppy hatte der Tumor bereits Nerven- und Gefäßgewebe des Oberschenkels infiltriert. Wegen dem infiltrierenden Wachstum gilt das Ganze als nicht operabel. Alles in allem also ein niederschmetterndes Ergebnis.
Ich konnte mir früher nicht vorstellen, wie stark einen das Schicksal seines Hundes berühren kann. Früher, das war zu den Zeiten, als ich selbst noch keinen Hund hatte. Irgendwie fand ich es unangemessen, wenn jemand lange und tief um seinen Hund trauerte. Ist doch “nur ein Hund”. Inzwischen weiß ich es besser. Ohne sich genau festlegen zu wollen, haben ihm der Braunschweiger und auch unsere Tierärztin hier in Langenhagen nicht mehr sehr viel Zeit gegeben. Für mich war das so, als wenn ein guter Freund oder ein Familienmitglied so eine schlimme Diagnose bekäme.

Neue Hoffnung für den Sheppy

Durch Inga, eine Freundin im Hundesportverein, erfuhr Petra von einem Tierarzt in Osterode im Harz, der Liposarkome angeblich erfolgreich behandelt, Dr. Grammel. Ja, sagte er am Telefon, er habe schon einem Hund mit so einer Diagnose geholfen. Das machte einerseits etwas Mut, andererseits konnte ich persönlich kaum glauben, dass es bei so einem Tumor große Aussichten auf Erfolg gäbe. Aber es war ein Strohhalm – wir entschlossen uns also zu dieser ziemlich kostspieligen Behandlung. Der Plan: Zunächst sollte der Sheppy in der Braunschweiger Tierarztpraxis operiert werden, um ihm das für die Bahndlung notwendige Tumorgewebe zu entnehmen. Habe er sich davon einigermaßen erholt, solle ihm hier in unserer heimischen Tierarztpraxis regelmäßig Blut entnommen und auch nach Osterode geschickt werden. Dort sei aus Tumorgewebe und Eigenblut ein “Serum” herzustellen, das umgehend wieder zurück geschickt und dem Sheppy hier in der heimischen Praxis direkt in Nähe des Tumors zu injizieren wäre.
Gesagt, getan! Das Ganze musste im Abstand von einigen Wochen mehrmals wiederholt werden. “Satchmo macht gleich einen viel munteren Eindruck“, stellte Petra nach der ersten Anwendung fest. Ich war mir nicht so sicher, ob da nicht eher der Wunsch Vater des Gedankens sein könnte. Aber Frauen sollen ja eine bessere Intuition haben. Der Sheppy humpelte jedenfalls erstmal weiter.
Irgendwann, nach der dritten oder vierten Behandlung, wendete sich das Blatt. Ich war Anfang Januar morgens mit ihm auf der Hunderunde unterwegs und plötzlich viel mir auf: kein Humpeln. Erst einmal schoben wir die Besserung auf das Schmerzmedikament, dessen Dosis wir kurz zuvor heraufgesetzt hatten. Nachdem der Zustand stabil blieb, begannen wir damit, das Medikament langsam zu reduzieren. Immer noch kein Humpeln. Langsam gewannen ich meinen Optimismus zurück.
Inzwischen ist gut ein Jahr vergangen. Der Sheppy tobt sich wieder in gewohnter Weise beim Rettungshundetraining aus. Es geht ihm um Längen besser. Momentan haben wir wieder den alten quirligen Satchmo zurück. Na gut, derzeit hat er wieder Probleme mit dem rechten Karpalgelenk – aber das steht auf einem anderen Blatt. Ansonsten hoffe ich, dass es noch lange so bleibt, wie es gerade ist. Eine CT-Untersuchung haben wir noch nicht wieder machen lassen. Irgendwie wollen wir es gar nicht so genau wissen, solange es dem Sheppy gut geht.

Ein Kommentar

Feb 09 2015

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Rumputschern

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Aussierüde Satchmo

Der Sheppy ist absolut shoppingkompatibel. Besondern gern begleitet er mich durchs Citycenter Langenhagen (CCL). Wir gucken dann gern mal bei C&A oder bei H&M rein – und während ich das Warenangebot nach den passenden Größen durchsuche, bewacht der Sheppy meine Anprobekabine.
Jedes Mal fällt der Sheppy – angenehm – auf. Ich gebe das neidlos zu und habe mich auch neidlos damit abgefunden, dass er der Schönere von uns beiden ist. Und außerdem wird ja behauptet, dass Mensch und Hund sich auch äußerlich angleichen, wenn sie ein paar Jahre gemeinsam durchs Leben gegangen sind. Sieht man schon was?
Auch heute waren wir wieder zusammen im CCL unterwegs. Dieses auf gut Glück Losflanieren und mal hierhin und mal dahin gucken heißt bei uns im Villa-Heyde-Jargon übrigens “putschern”. Der Sheppy und ich putscherten also durchs CCL. Zwischendurch hatte ich bei Sanifair zu tun und befand mich gerade in der Porzellanabteilung. Der Sheppy wartete kurz draußen. Die beiden Mitarbeiterinnen der Einrichtung vertrieben sich die Zeit mit einem Klönschnack und hatten von ihrem Dienstzimmer aus einen guten Blick in den Eingangsbereich, wo der Sheppy wartete. Der fiel ihnen natürlich auch gleich auf. „Guckma, was der für ein Auge hat“, hörte ich die eine sagen: „ein blaues Auge“.
Das ist übrigens ein Standardsatz, den ich immer wieder zu hören kriege, meistens sind es irgendwelche Passanten, die ihre Begleiter oder Begleiterinnen im Vorübergehen auf den Sheppy aufmerksam machen: „Guck mal da, der hat ein blaues Auge!“

Magic Eye

Oder so etwas in der Art. Als ich einmal mit dem Sheppy aus einem Schuhgeschäft kam, liefen wir fast einem Herren in die Arme, der den Laden just betreten wollte. Er sah den Sheppy und rief: „Das ist ja magisch, ein magic-eye! Wirklich Magisch“, wiederholte er noch einmal und wollte sich gar nicht mehr einkriegen.
Auch die beiden Sanifair-Mitarbeiterinnen heute tauschten sich rege darüber aus, was es mit dem Auge wohl für eine Bewandtnis haben könnte. „Ob der auf einem Auge nichts sehen kann“, fragte die eine. „Glaube ich nicht“, meinte die andere, „ist vielleicht ein Husky mit drin“. Ich beeilte mich, die Sache aufzuklären. „Das Auge ist okay, das kommt bei der Rasse öfter vor, manche dieser Hunde haben auch zwei blaue Augen“, erklärte ich. „Siehste“, rief die eine, „habe ich doch gesagt“. „Was ist das denn für eine Rasse?”, fragte die andere nach. „Ein Hütehund“, belehrte ich sie, „Australian Shepherd“.
Ein Bekannter von mir, der eine Aussie-Hündin mit einem blauen Auge hat, die meinem Sheppy auch ansonsten recht ähnlich sieht, betrachtet diese Bemerkungen und Nachfragen – nach dem blauen Auge, ob da Husky mit drin ist und Ähnliches – irgendwie als Affront. Ich nicht. Schließlich sind die Fragen und Bemerkungen so gut wie immer freundlich.
Der Sheppy ist halt eine Schönheit.
Australian Shepherd Satchmo

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