Archiv für die Kategorie 'Mensch und Hund'

Jul 11 2015

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Hundetipps für Armutsbetroffene ungekürzt – exklusiv auf hund-um-hannover.de!

Abgelegt unter Mensch und Hund

Hund im Profil

Zusammen mit den beiden Schuppen 68-Aktivisten Klaus-Dieter Gleitze und Hermann Sievers wirke ich für die Landesarmutskonferenz Niedersachsen an der NETZ, der Niedersächsischen Teilhabezeitung mit. Das Blatt bezieht Stellung zum Thema Armut und Soziales und wendet sich an sozialpolitische interessierte und nicht zuletzt auch an selbst von Armut betroffene Menschen. Die direkte Betroffenenbeteiligung wird dabei groß geschrieben.
Was hat das jetzt mit Hunden zu tun?
In jeder Ausgabe gibt es eine Rubrik „Tipps und Nützliches“, für die ich redaktionell zuständig bin. Und was liegt da näher, die vielen Hundehalter unter den Armutsbetroffenen auch einmal darüber zu informieren, wie sie trotz sehr knapper Kasse am besten mit ihren vierbeinigen Freunden über die Runden kommen.
Leider gilt das Thema Hund unter tendenziell links-orientierten Zeitungsmachern anscheinend immer noch als äußerst uncool. Es entbrannte also ein heftige Diskussion darüber, wie viel Hund ein sozialpolitisch orientiertes Blatt vertrage. Bei Armut gäbe es andere Prioritäten als Haustiere, verkündete mein geschätzter Kollege Gleitze und handelte mich auf Hundetipps runter, die um die Hälfte des ursprünglich vorgesehen Umfangs gekürzt waren. Inzwischen hat er übrigens erkannt, wie brisant das Thema „Hunde und Armutsbetroffene“ derzeit ist und wie intensiv in der Szene gerade darüber diskutiert wird. Für die NETZ kam die Einsicht leider zu spät: der Beitrag wurde so kastriert, wie sonst nur die armen Hunde aus dem Tierheim. Und aus diesem Grund gibt sich Hund-um-Hannover nun die Ehre und bringt die Hundetipps ausschließlich hier und exklusiv in diesem Blog völlig ungekürzt! Voilà!

Tipps und Nützliches

Tiertafel in Linden sorgt für einen vollen Napf!

Die Arbeit ist weg, das Geld wird knapp – Sie fühlen sich mal wieder so richtig mies. Meistens schrumpft in so einer Situation dann auch noch der Bekanntenkreis erheblich zusammen. Einer jedoch geht mit Ihnen durch dick und dünn: Ihr Hund. Aber wenn das Budget ohnehin schon knapp ist, fällt es nicht leicht, die Kosten für den besten Freund des Menschen auch noch aufzubringen.
Einen Mehrbedarf für Hunde gewährt das Jobcenter leider nicht. Obwohl doch bekannt ist, welche heilsame Wirkung Haustiere im Allgemeinen und Hunde im Speziellen auf das Wohlbefinden des Menschen haben. Wenn alles den Bach runter gegangen ist, gibt Ihnen wenigstens ihr Kumpel auf vier Pfoten Halt. Den auch noch abzugeben, das wäre wirklich das Allerletzte!
Für diejenigen, die in und um Hannover wohnen, gibt’s wenigstens den täglichen Futternapf umsonst. In Hannover Linden existiert nämlich eine Tiertafel.
Dort können sich Haustierbesitzer mit geringem Einkommen umsonst mit Tiernahrung eindecken. Und nicht nur Hundehaltern wird dort geholfen, auch die Besitzer von Katzen oder Nagern sind willkommen. Ein Einkommensnachweis oder eine HARTZ IV-Bescheinigung wird übrigens nicht gefordert. Lediglich einen Impfnachweis möchten Herr und Frau Brandt-Plömer sehen, die den Laden schon seit ein paar Jahren managen. Die Tiertafel hat jeden Montag und Donnerstag zwischen 14:00 und 18:00 Uhr geöffnet. Zu finden ist sie im Dunkelberggang 7 in 30449 Hannover-Linden.

Ermäßigung bei der Hundesteuer

Bei der Hundesteuer langen die Kommunen bekanntlich ordentlich zu. Es lohnt sich aber, in der zuständigen Stadt- beziehungsweise Gemeindeverwaltung nach einer Vergünstigung zu fragen. In Hannover zahlen Hundebesitzer regulär 132 Euro pro Jahr. Wer seinen Hund bereits hatte, als er oder sie in wirtschaftliche Not geraten ist, erhält eine Ermäßigung und muss nur 96 Euro berappen. Wer sich allerdings einen Hund anschafft, obwohl er bereits arm ist, kann nicht mit Nachlass rechnen. Das ist zwar ungerecht, derzeit aber allgemeine Praxis.

Das Recht auf Hund (oder Katze) – und was es kostet

Einmal abgesehen von Einschränkungen beispielsweise durch ein Verbot im Mietvertrag, hat jeder das Recht, ein Haustier zu halten. Das gilt natürlich auch für Menschen, die von HARTZ IV leben.
Aber wer sich beispielsweise einen Hund anschaffen möchte, sollte sich vorher über die Kosten im Klaren sein. Neben Hundesteuer und Ernährungskosten muss in Niedersachsen eine Haftpflichtversicherung finanziert werden. Denn die ist Vorschrift und schlägt mit rund 50 bis 60 Euro jährlich zu Buche.
Einen Preisvergleich finden Sie unter: http://www.hundeversicherung-check.de/
Außerdem verlangen die Behörden in Niedersachsen von sogenannten Neuhundehaltern einen Sachkundenachweis. Als Neuhundehalter gilt, wer nicht innerhalb der letzten zehn Jahre über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren einen Hund gehalten hat. Der Sachkundenachweis ist durch eine Theorie- und Praxisprüfung, den sogenannten Hundeführerschein, zu erbringen.
Eine Liste der derzeit zugelassnen Prüfer finden Sie hier: http://www.politik-kultur.de/canidistan/wp-content/uploads/2015/03/hf-pru%CC%88fer1.pdf
Die Kosten für die Prüfung liegen zwischen 80 und 130 Euro. Dazu kommen gegebenenfalls die Kosten für einen Kurs in der Hundeschule, denn Sie müssen mit Ihrem Hund ja vorher üben. Die Preise variieren zwischen 90 bis zum Teil knapp 200 Euro. Hier lohnt der Preisvergleich. Sie können natürlich auch allein mit Ihrem Hund pauken. Dafür sollten Sie sich aber zumindest ein hilfreiches Buch kaufen. Empfohlen wird:
Der neue Hundeführerschein – leicht gemacht!: Vorbereitung auf die theoretische und praktische Prüfung zum Sachkundenachweis“ von Kristina Falke und Jörg Zimmer. Das Buch ist im zsr Verlag erschienen und kostet 14,90 Euro.

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Mai 17 2015

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„Der Hund braucht was für den Kopf!“

Abgelegt unter Mensch und Hund

Shepherds
Als Halter eines Hütehundes weiß man: Ein Hütehund braucht was für den Kopf. Aber was heißt das eigentlich: was für den Kopf?
Das heißt, dass der Hund etwas tun will, bei dem er selbstständige Entscheidungen treffen muss.

Entscheidungen? „Unsere Hundeschulentrainerin erzählt uns doch immer was vom Konditionieren“, werden einige Leser einwenden. Stimmt, die Verhaltenstheorie, aus der dieser Begriff stammt, ist unter Hundetrainern und anderen vermeintlichen Hundeexperten weit verbreitet. Es herrscht die Auffassung, der Hund eigne sich gewünschte Verhaltensweisen an, indem er darauf trainiert werde, auf ein bestimmtes Signal ein spezifisches Verhalten zu zeigen, und das funktioniere, da dieses gewünschte Verhalten mit einer Bedürfnisbefriedigung verbunden sei. Zum Beispiel: Der Hund setzt sich auf das Kommando “Sitz” hin und dafür gibt es ein Leckerchen. Dabei lassen sich, so sagen die Verhaltenstheoretiker, auch solche Signale mit positiven Bedeutungen verknüpfen, die an und für sich für den Hund gar keine Bedeutung haben.
Den Begriff „Verknüpfen“ haben wir beim Hundetraining auch schon häufiger gehört, er ist sehr beliebt. Immerzu soll der Hund irgend etwas verknüpfen und wenn sich eine Sache nicht verknüpfen lässt, hat sie in der Hundeerziehung angeblich auch nichts verloren.
Nehmen wir das klassische Beispiel, die berühmten Pawlowschen Hunde: Dem Hund wird ein leckerer saftiger Knochen vorgeführt. Lecker, dem Hund läuft das Wasser im Munde zusammen beziehungsweise die Lefzen herunter. Beim zweiten Mal wird dem Hund wieder der Knochen vorgeführt, diesmal kombiniert mit einem Geräusch, einer Glocke. Das geht es paar Mal so und es passiert immer das Gleiche: Knochen, lecker, der Speichel fließt! Dann ertönt plötzlich nur noch die Glocke, der Knochen bleibt verschwunden. Und? Der Hund reagiert wieder mit Speichelfluss. Was also ist passiert. Unser Vierbeiner hat die Reaktion auf den Knochen mit der Reaktion auf die Glocke verknüpft. Jetzt muss nur noch die Glocke ertönen und der Hund hat den Knochen im Kopf. Lecker, geifer gibber!
Nach Auffassung der Anhänger der Verhaltenstherapie ist dies die Art und Weise, wie ein Hund (oder andere Säugetiere) hauptsächlich lernen. Wir kennen das ja aus der Hundeschule. Der Hund soll beispielsweise das Wort „fein“ – und zwar möglichst empathisch vorgetragen, mit einem Leckerchen – also mit einer Belohung verknüpfen. Wie im Pawlowschen Versuch kann irgendwann das Leckerchen weggelassen werden und allein unser Ausruf „Oh Fein!“ bedeutet für den Hund Belohnung.

So weit so gut. Es ging ja um Hütehunde. Der Hund braucht also was für den Kopf. Eine Glocke und einen Knochen?
Nein! Hunde (und nicht nur Hütehunde) lernen wesentlich differenzierter, als es uns die Verhaltensfreaks weis machen wollen. Das in der Verhaltenstheorie beschriebene Konditionieren spricht nämlich in erster Linie das vegetative Nervensystem an. Auf einen Reiz erfolgt zwangsläufig eine Reaktion. Das ist eine sehr primitive Form von „Lernen“, dominant bei einfacheren Lebensformen wie etwa Insekten.
Bei Säugetieren (auch beim Menschen) gibt es diese vegetativen Reaktionen auch noch, sie sind aber häufig überlagert – oder sagen wir lieber erweitert beziehungsweise bereichert – vom Lernen durch Erfahrung. Hunde sind in der Lage, aus bestimmten Erfahrungen Schlussfolgerungen zu ziehen und dieses Erfahrungswissen auch einzusetzen. Dazu gehört auch die Fähigkeit, auf einen bestimmten Reiz nicht zwangsläufig eine ganz bestimmte Reaktion zeigen zu müssen, sondern Alternativen zur Verfügung zu haben. Und wo es Alternativen gibt, muss es auch Entscheidungen geben. Der Hund kann sich entscheiden: ob er sich so oder so verhalten will – und die Grundlage seiner Entscheidungen sind seine Erfahrungen. Von einem Hütehund beispielsweise wird verlangt, dass er relativ selbstständig arbeitet. Er muss zum Beispiel verirrte Schafe in Hochgebirgsregionen allein wieder zum Schäfer treiben, er muss bei einer großen Herde einschätzen können, wo die störrischen Schafe als nächstes versuchen werden, auszubrechen. Das erfordert immer selbstständige Entscheidungen in kritischen Situationen.
Und warum kann er das? Weil er Erfahrungen gemacht hat und in der Lage ist, aus Erfahrungen zu lernen, Erfahrungen zu verallgemeinern. Ein hochkomplexer Vorgang.
Mir hat einmal eine Hundetrainerin weiszumachen versucht, Hunde könnten nicht denken. Ich war dort nur zu Gast und habe daher auch nur leise protestiert. Wäre ich regulärer Teilnehmer gewesen, hätte ich sofort meine Sachen gepackt. Fragen Sie mal einen Verhaltenstheorie-Freak, wie er einen Hund auf das Hüten konditionieren will? Absolut lachhaft. Unmöglich!
Der Hütehund ist also besonders gut darin, aus Erfahrungen zu lernen. Er braucht etwas für den Kopf, heißt, er braucht eine Arbeit beziehungsweise eine Beschäftigung, bei der er selbstständige Entscheidungen treffen muss.
Wenn wir beurteilen wollen, ob irgendeine Art von Aktivität oder Hundesport etwas für unseren Hütehund ist, so müssen wir uns zuerst fragen: kann der Hund dabei selbstständig arbeiten, sind dabei seine in der Anlage immer schon vorhandenen Fähigkeiten gefordert, selbstständig Entscheidungen zu treffen?
Und wenn Ihnen Ihre Hundetrainerin das nächste Mal erzählt, Hunde könnten nicht denken und müssten nur richtig konditioniert werden, wechseln Sie bitte ohne noch ein weiteres Wort zu verlieren und mit der Wimper zu zucken die Hundeschule!

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Jan 24 2015

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Frühstückskäse meets Together Productions

Sheppy Satchmo
(Satchmo: Nicht zu dick – trotz Frühstückskäse)

Unser Sheppy ist eindeutig verzogen. Seit meine Schwiegereltern damals angefangen haben, ihn mit Leberwurst zu füttern und Petra ihm beim Frühstück irgendwann ein Stückchen Käse zusteckte und ihn obendrein auch noch den Joghurtbecher auslecken ließ, ist er natürlich Dauergast bei jedem Frühstück. Selbstverständlich ist das alles nicht meine Schuld. Ich habe damit nichts zu tun.
Nur: an wem bleibt es wieder hängen, natürlich an mir. Meine Strategie: ich schicke ihn vom Tisch weg in seinen Korb, zähle bis drei und gebe ihm dann ein Stückchen Käse. Dann mache ich ihm mit lauten Getöse klar, dass jetzt aber ein für allemal Schluss ist. Nichts gibt’s mehr. Der Sheppy verzieht sich dann erstmal mit sauertöpfischem Gesicht ins Nebenzimmer. Was, Sheppies können nicht sauertöpfisch gucken? Da kennt ihr meinen Sheppy schlecht. Na ja, jedenfalls, der Sheppy verzieht sich mit sauertöpfischem Gesicht ins Nebenzimmer, zählt bis drei, und kommt wieder zurück, um sich dann wie gehabt am Frühstückstisch zu platzieren. Wie es dann in der Regel weitergeht, verrate ich nicht. Aber der Sheppy hat in den letzen Monaten das eine oder andere Kilo zugelegt.

Dicker Hund gesucht!

Zum Glück rief gestern Melanie Striese von „Together Productions“ an. Die Firma produziert Tierserien für den TV-Sender RTL. Aktuell wollen die ein Abnehmprogramm für Hund und Halter tv-gerecht in Szene setzen. Das passt sich gut, sagte ich zu Melanie Striese, gibt es nähere Information. Gab es, sie schickte mir gleich einen entsprechenden Flyer.
„Aktuell suchen wir für eine Begleitreportage Hunde und Herrchen“, heißt es da,

„die ihren Kilos gemeinsam den Kampf ansagen wollen. Gerade nach Weihnachten hat sich ja nicht selten bei Mensch und Tier so einiges angesammelt, das jetzt durch gezielte Bewegung und Ernährung wieder weg soll. Unterstützt wirst du dabei von einem Hundetrainer/Tierarzt Fitness-Coach/Ernährungsberater, der sowohl Hund als auch Herrchen richtig Beine macht.
Wenn du und dein Hund beide ein paar Pfunde zu viel haben, diesen Zustand aber dringend mit professioneller Hilfe ändern wollte, dann seid ihr bei uns genau richtig! Bewerbt euch bitte mit Foto und Telefonnummer unter redaktion@together-productions.de oder einfach telefonisch unter 0221 355 735 – 70. Wir freuen uns auf euch!“

Heute morgen saß der Sheppy wieder neben mir am Frühstückstisch und geierte auf sein Stück Käse. „Pass mal gut auf, Sheppy“, sagte ich zu ihm. Das sage ich immer, wenn ich ihm was Wichtiges mitzuteilen habe. Der Sheppy spitze also die Ohren und ich las ihm den Flyer von Melanie Striese vor. Dann fügte ich noch hinzu: „Pass mal gut auf, wenn du jetzt weiter hier so rum geierst, dann melde ich dich bei RTL an und dann ist Schluss mit lustig und mit Käse. Der Sheppy setzte sein allersauertöpfischtes Gesicht auf und verzog sich für den Rest des Vormittags aus dem Esszimmer. Danke Melanie Striese, das Programm funktioniert – und zwar schon allein als Drohung.

Wenn jetzt jemand Bedarf hat, gemeinsam mit seinem Hund abzunehmen, bitte, einfach „Together Productions“ anrufen und ab ins mediale Fitnessprogramm. Man (oder frau) kann es aber auch erstmal mit der Drohung versuchen. Bei mir hat’s einstweilen gewirkt. Jedenfalls bei meinem Hund.

Flyer: Hund und Herrchen nehmen ab! (PDF)

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Sep 17 2014

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Big Dogshit

Abgelegt unter Mensch und Hund

Kinderspielplätze sind für Hunde bekanntlich verbotenes Terrain. Diese Regl hat ja eigentlich auch ihre Richtigkeit. Schließlich sollen sich die Kleinen nicht mit den Hinterlassenschaften unserer Vierbeiner beschmutzen, das ist ekelig und gefährdet potenziell die Gesundheit. So weit so gut!

Die Fußballwiese

Hinter der Schule in unserem Stadtteil gibt es eine Fußballwiese und eine Skaterbahn. Ein hoher Zaun soll verhindern, dass die Bälle versehentlich auf den Nachbargrundstücken oder im nahe gelegenen Teich landen.
Südwestlich der Wiese liegt ein kleines Wäldchen, kaum 100 Meter lang und 50 Meter breit. Aus irgendeinem Grund hat man im hohen Zaun einen kleinen quadratischen Durchschlupf gelassen, der es erlaubt, in den Wald zu gelangen. Oft hinterlassen die Jugendlichen hier ihre leeren Flaschen und sonstigen Müll, doch das hält sich einigermaßen in Grenzen.

Ein Super-Versteckspiel für den Sheppy!

Überhaupt wird die Wiese äußerst selten frequentiert, zumindest um die Zeit des frühen Nachmittags herum, wenn ich hier mit dem Shepherd meine Mittagspause verbringe (zu den Zeiten, als ich noch als freier Journalist gearbeitet habe). Wir drehen dann einmal eine Runde um den Teich und gehen hinterher noch auf die Wiese. Der Shepherd bleibt auf meine Anweisung vorn am Wiesenrand sitzen und ich überquere das Gelände, um in dem Wald ein Schlüsseletui zu verstecken. Dann kehre ich zum Shepherd zurück und schicke ihn auf die Suche. Das Etui zu finden und zu apportieren ist für den Shepherd eine Lappalie. Aber das Ganze macht ihm saumäßig viel Spaß

NO SHIT

Manchmal, wenn Jugendliche auf dem Grundstück sind um Fußball zu spielen oder zu skaten, lasse ich diese Aktion ausfallen, denn Hunden ist das Betreten des Geländes ja eigentlich verboten. Es ist halt ein Kinderspielplatz. Aber der Shepherd ist bei dieser Aktion immer so konzentriert, dass er gar nicht auf die Idee kommen würde, auf die Wiese zu kacken, das erledigt er bereits vorher im Gebüsch am Teich. Und selbst Bein heben um zu markieren fällt aus, wenn er im Arbeitsmodus ist. Das Suchen ist schließlich viel zu aufregend. Ich kann den Shepherd also guten Gewissens die Wiese überqueren lassen. Und sollte es doch mal anders kommen, habe ich ja Entsprechendes dabei, um den Platz wieder sauber zu hinterlassen.

Lass deinen Hund hier nicht hinkacken!

Verboten ist verboten!

Eines schönen Frühlingstages ist die Wiese von einem älteren Herrn mit kleinem Kind belegt, ich schätze Opa und Enkel. Der Shepherd ist bereits wieder im Arbeitsmodus und so fasse ich mir ein Herz und spreche den Herrn an: „Sagen Sie, würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn ich hier mit meinen Hund eine kurze Übung durchführe? Wir sind auch schnell wieder weg.“ Der Mann guckt mich an und langsam beginnt seine Gesichtfarbe ins Rötliche zu tendieren. Was folgt ist eine Tirade über Spielplätze, Hundekacke, die einschlägigen Rechtsnormen und die blöden Hundebesitzer. „Aber mein Hund kackt hier nicht auf die Wiese und falls doch, mache ichs weg“, versuche ich ihn zu beschwichtigen. Das bringt den Typen nur noch mehr in Rage. „Das sagen alle, warum verstehen Sie nicht endlich, dass Hunde hier verboten sind“, fährt er mich an. „Schon verstanden, viel Spaß noch“, gebe ich zurück und ziehe wütend von dannen.

Der Hund! Kann nichts dafür!

Der Shepherd hat während der ganzen Szene brav am Wiesenrand gesessen und die Szene beobachtet. Jetzt neigt er leicht den Kopf zur Seite, was bei ihm meistens Unverständnis signalisiert. Das scheint den Mann irgendwie zu rühren: „Der Hund kann ja nichts dafür“, ruft er mir hinterher. „Ich auch nicht“, erwidere ich ärgerlich. Moralisch fühle ich mich diesem „Hundehasser“ zehnmal überlegen.
In den nächsten Wochen ist das Terrain wieder frei. Opa und Enkel lassen sich nicht mehr blicken.

Oh Shit! Mein Glaube an das Gute im Menschen wackelt

Eines sonnigen Tages überquere ich wie so oft die Wiese, um den Schlüssel für meinen Sheppy im Wald zu verstecken. Da laufe ich doch plötzlich äußerst knapp an einem riesigen Haufen Hundekacke vorbei. Mir fällt der Opa wieder ein und mein moralisches Überlegenheitsgefühl schmilzt wie Butter in der Sonne dahin: Der Opa hat ja nur allzu recht. Es gibt sie, diese asozialen Hundebesitzer, die ihre Pfiffis ohne mit der Wimper zu zucken mitten auf einen Kinderspielplatz kacken lassen und sich, als wäre nichts gewesen, klammheimlich verpieseln. Woher sollte denn der Opa wissen, dass ich nicht auch so einer bin?
Derzeit binde ich mich mit Petra und dem Sheppy im Urlaub an der Ostsee. Am Eingang zum Hundestrand befindet sich ein Hundekotbeutelspender, dem es nie an Beuteln mangelt. Direkt unter den Kasten mit den Beuteln ist gibt es einen Abfallbehälter.

Und was liegt da nun zu Fuße dieser zweckmäßigen Installation. Ein dicker fetter Haufen Hundekacke.
Da soll einer nicht den Glauben an die Menschheit verlieren.

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Jul 01 2014

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Der schnelle Euro im Internet mit Border Collies

Abgelegt unter Allgemein,Mensch und Hund

Anzeige: Border Collies: kinderfreundlich, für Familien geeignet, für Hundeanfänger geeignet, verträglich mit Katzen
Süße kleine Border Collies. Kinder- und katzenfreundlich, aber vor allem kinderleicht zu erziehen, geeignet für Anfänger – und das für nur 450 Euro. Da muss man doch einfach zugreifen.
So ähnlich werden auf der Website tierwelt.de einige Border Collie Welpen zum Kauf angeboten.

Der artgerechte Umgang mit Border Collies, das muss ja im Prinzip nicht noch einmal betont werden, erfordert viel Zeit, Geduld, Ausdauer, guten Willen und Fachwissen.
Border Collies brauchen eine Aufgabe, die nicht nur ihrer körperlichen Ausdauer sondern auch ihrer Intelligenz und ihrem Arbeitswillen gerecht wird. Wer das seinem Hund nicht bieten kann oder will, sollte die Finger von Border Collies lassen. Verhaltensstörungen beim Hund und Stress für den Menschen sind sonst vorprogrammiert. Am Ende sind beide unglücklich, Mensch und Hund. Wobei der Hund der größte Leidtragende ist, denn er kann sich selbst keinen anderen und besser geeigneten Menschen aussuchen. Am glücklichsten treffen es dann wohl noch jene Vierbeiner, die über die Notvermittlung einen fähigen und ambitionierten Hundekenner finden.

Ich habe der betreffenden Züchterin eine E-Mail Anfrage mit folgendem Wortlaut geschickt:
Sie bieten auf einer Internetseite Border Collies als unkomplizierte Familienhunde und als für Anfänger geeignete Hunde an. Finden Sie das verantwortungsvoll?
Ich würde mich freuen, wenn Sie mir das erklären könnten.
Mit freundlichen Grüßen

Die Antwort:

Ich habe Ihnen gar nichts zu erklären- es ist meine ( 20 jährige ) Erfahrung und die meiner Kunden. Es gibt versch. Schäge dieser Rasse und ich habe den alten und nicht den hochgezüchteten , hyperaktiven Schlag.
Ansonsten haben Sie keinen angenehmen Umgangston.War schon richtig- unter Spam- da habe ich die mail gefunden.

Die Sache erklärt sich damit (fast) von selbst!

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Jun 12 2014

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Hunde-Nomen est Omen

Abgelegt unter Mensch und Hund

Während man früher eher Pragmatismus bei der Namensgebung für seinen Hund walten ließ, muss es dabei heute extravagant, trendy und trotzdem individuell zugehen.
Ein Erfahrungsbericht mit persönlichem Einschlag.

Ja, mit den Hundenamen ist das schon so eine Sache. Nachdem jetzt meine Hundeblog- und Journalisten-Kollegin Inka Burow sowie selbst die Frankfurter Allgemeine Zeitung etwas dazu geschrieben haben, muss ich hier auf hund-um-hannover.de natürlich auch noch meinen Senf dazu geben.
Inka Burow erinnert sich an einen Jäger, über den sie in ihren frühen Journalistinnen-Jahren einmal ein Portrait verfasst hat: Dabei sei ihr hauptsächlich der Jäger-Dackel „Purzel’“ im Gedächtnis geblieben, mit dem sie während des Interviews den Sessel teilen musste. Im Gesprächsverlauf habe sich heraus gestellt, dass es sich bereits um „Purzel 5“ handelte. Sie sei schockiert gewesen, schreibt Inka.
Während heutzutage auch der Hundename für das Image seines Halters herhalten muss und daher möglichst extravagant und individuell zu sein hat, legte man früher eher ein instrumentelles Verhältnis gegenüber dem Hund und dessen Benennung an den Tag. Ein Onkel von mir betrieb in den sechziger, siebziger und achtziger Jahren einen kleinbäuerlichen Betrieb in der Nähe des niedersächsischen Städtchens Burgdorf. Gegenüber dem Hauseingang stand eine Hundehütte und hier residierte als Wachhund über Jahrzehnte ein Hund namens Bobby. Natürlich nicht einer, sondern im Verlauf der Jahre immer mal wieder ein anderer, der Name allerdings blieb stets derselbe: Bobby! Dabei handelte es sich um Mischlinge, die sich aber auch äußerlich immer sehr ähnlich waren, so etwas wie ein Mix aus Schäferhund und hellem Labrador. Und hätte man nicht gewusst, dass ein Hundeleben selten länger als 15 Jahre währt, so wäre wohl der hier über Jahre immer mal wieder stattfindende Generationenwechsel gar nicht aufgefallen. Mein Onkel mochte seine Bobbys – aber sie hatten tagsüber wie nachts, winters wie sommers, ihren Platz in dieser Hundehütte und dafür zu sorgen, dass kein Fremder sich unbemerkt dem Anwesen nähern konnte.
Heutzutage stürben die traditionellen Hundenamen wie Rex, Hasso und Bello – und auch der Name Bobby mag dazugehören – aus, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Der Hundebesitzer wolle zeigen, dass er Kosmopolit sei: „Vor 100 Jahren hießen Hunde ob ihres Äußeren manchmal noch „Krummbein“. Andere sagten mit ihren Namen etwas über ihre Funktion oder ihre Fähigkeiten aus: ‚Greifan’ oder ‚Putzenweg’ oder ‚Taugenichts’. Heute hingegen lassen nur noch wenige Namen auf Äußerlichkeiten schließen – und wenn, dann nur verschlüsselt oder zumindest nicht in deutscher Sprache“.
Nun ja, „Putzenweg“, „Krummbein” oder „Taugenichts“ hätten auch mir gefallen. Und wohl zu Beruhigung meiner Frau ist mir dieser FAZ-Artikel nicht schon früher unter die Augen gekommen. Etwa damals, als wir über die Namensgebung des kleinen Aussierüdens durchaus kontrovers beratschlagten, der demnächst ins Haus kommen sollte.

Dieser Hund heißt weder Hasso noch Bello. Und auch nicht Slibowitz!

Auf einem der ersten Bilder, die ich seinerzeit im Internet von Australien Shepherds fand, war ein Exemplar vom Schlag Red Tri – also mit rot-weiß-brauner Fellzeichnung – zu sehen, der gerade einem wild gewordenen Rind beherzt in die Fersen zwackte. „Der Hund muss Zwacker heißen“, so meine spontane Eingebung. Doch schon bald beschlichen mich Zweifel. Nomen est Omen, wie wird der arme Hund dastehen, sollte er seinem Namen irgendwann wirklich einmal Taten folgen lassen. Das fiele doch gleich auf den namensgebenden Besitzer zurück. Dann Störtebeker, das fand ich witzig und echt originell. „Bloß nicht“, protestierte meine Frau, „außerdem haben se’ den doch geköpft“. Stimmt eigentlich, musste ich einräumen, diese Assoziation gefiel mir auch nicht. Und so kamen wir ganz kosmopolitisch und individuell auf einen Namen aus dem Bereich der Jazzmusik. Ob unser Hund die mag, konnte ich bisher noch nicht verifizieren. Aber man ist und bleibt doch ein Kind seiner Zeit. Im Trend bei Hundenamen sind derzeit übrigens auch die Bezeichnungen für hochprozentige alkoholische Getränke, wie Whiskey, Grappa oder Ramazotti. Das kann man auch bei Inka Burow nachlesen: „Wenn ich heute darüber nachdenke, könnte mein mit „Grappa“ wenige Jahre später begonnenes Hundenamengebungskonzept eine Folge des kleinen blonden Ramazzottis aus Herford sein, mit dem meine große Liebe zu Hunden begonnen hat vor fast 19 Jahren.“ Ich persönlich bin bei meiner Frau mit dem Vorschlag „Slibowitz“ gescheitert. Leider oder zum Glück. Ich weiß es nicht!
PS. Also für alle, die etwas ganz Individuelles und Ausgefallenes suchen: Der Name “Slibowitz” ist noch frei!

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Jun 10 2014

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"Der Haushund im Fadenkreuz der Meinungsmacher". Ein Diskussionsbeitrag von Günther Bloch

Seit über 30 Jahren erforscht Günther Bloch die Verhaltensweisen von Wölfen und Hunden. Und das zumeist in deren natürlicher Umgebung. Bloch geht hinaus in die Wildnis und beobachtet mit Geduld und Hingabe das Leben im Wolfs- oder verwilderten Hunderudel. Etliche Male musste er aufgrunddessen überkommene Auffassungen revidieren, und hat dies immer auch öffentlich getan. Dass ihn seine Fachkompetenz nicht dazu verleitete, zu den bereits existierenden „ultimativen“ Hundeerziehungskonzepten noch eins hinzuzufügen, ist ihm dabei hoch anzurechnen. Wir können also davon ausgehen: was Bloch sagt, hat Hand und Fuß.
Auf seiner Website Hunde Farm Eifel hat er einen Diskussionsbeitrag über die derzeitige Situation des Haushundes in unserer Gesellschaft veröffentlicht. Der Text enthält kurz und knapp eigentlich alles, was es grundsätzlich zu diesem Thema zu sagen gibt.
Die Kernthesen lauten:

  • Die Domestikation vom Wolf zum Hund ist eine großartige menschliche Kulturleistung.
  • Verhalten und Emotionen von Mensch und Hund haben sich im Verlauf vieler Jahrhunderte flexibel angepasst. Das Positive in dieser Beziehung gerät zunehmend in Vergessenheit.
  • Leider reduzieren unverantwortliche Stimmungs- und Meinungsmacher das Hundeverhalten in einer polemisch geführten Debatte mehr und mehr auf Gefährlichkeit und Aggression.
  • Massaker durch Hunde sind extrem selten. Aber der Hund ist ein Beutegreifer, der unter ungünstigen Voraussetzungen eine Herausforderung darstellen kann. Hier ist Besonnenheit statt Pauschalisierung gefragt.
  • Hunde sind keine instinktgetriebenen Maschinen. Sie kommunizieren ihre Bedürfnisse sowohl auf einer biologischen als auch sozio-emotionalen Ebene.
  • Unverantwortliche Halter müssen bestraft und isoliert werden. Wir brauchen gleichzeitig ein System, worin sozialsichere Hunde und ihre Halter belohnt werden.
  • Die freie Markwirtschaft produziert leider häufig kranke, schlecht sozialisierte und angstaggressive Hunde. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.
  • Der Hund ist ein Lauftier. Die Antwort auf viele Probleme sind großflächige Auslaufflächen.
  • Hier die Dokumentation des ganzen Textes.
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Jun 03 2014

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Mach mich nich an Alder! Oder: Konflikte in Canidistan

“Warum reagieren Hunde eigentlich immer aggresiv, wenn sie fremden Artgenossen begegnen?” Diese Frage wurde mir vor einiger Zeit von einem Bekannten gestellt. Der Mann hat wenig bis gar nichts für Caniden übrig und wollte im Grunde lediglich seiner Auffassung Ausdruck verleihen, dass Hunde ohnehin nur Stress verursachen. Soweit, so schlecht.

Du deins – ich meins!

Natürlich wissen wir: Wenn sich fremde Hunde begegnen, kommt es keineswegs automatisch zu aggressiven Reaktionen. Allerdings: Treffen zwei sich unbekannte geschlechtsreife Rüden oder Hündinnen aufeinander, kann es schon mal etwas knistern.. Denn schließlich stehen sich hier zwei potenzielle Konkurrenten gegenüber. In Ur-Canidistan, der Welt der Wölfe in der sogenannten freien Natur, gehen sich fremde Rudel lieber aus dem Weg, um Konflikte um Ressourcen und Reviere zu vermeiden. Übrigens: Würde es da ähnlich häufig, ähnlich brutale Konflikte geben wie unter konkurrierenden Menschengruppen, Nationen, Ethnien, Rockergruppen oder Streetgangs etwa, hätten sich die Wölfe wahrscheinlich schon gegenseitig ausgerottet. Sie tun das nicht, ein Hinweis darauf, dass sie in mancherlei Hinsicht um einiges pfiffiger sind als die Menschen.
Wolfsaugen
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Jan 04 2014

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Aus meinem baltischen Tagebuch

Abgelegt unter Mensch und Hund

Schönberger Strand: Zwischen Deich und Ladenzeile mit Döner- und Fischbrötchenbuden, Cafes und Nippesläden, gibt es einen etwa 50 Meter breiten Grünstreifen, auf dem Hundebesitzer ihre vierbeinigen Freunde gern auch einmal ableinen. Hier fällt uns ein Australian Shephard auf, der, in diesem Fall angeleint, seinen Besitzer mal nach rechts, mal nach links quer über den Rasen zieht.
Als Aussiehalter freuen wir uns für gewöhnlich, wenn uns andere Aussies mit ihren Menschen über den Weg laufen. Wahrscheinlich geht das den meisten Rassehundefreunden so: da werden untereinander gern Erfahrungen ausgetauscht, man erkundigt sich nach den Züchtern und oft ­– die Welt ist klein – kennt man jemanden in der jeweiligen Szene, den der andere zufällig auch kennt. Am größten ist die Freude, wenn der andere Hund zufällig auch noch vom gleichen Züchter stammt. Das ist dann quasi so, als träfe man irgendwo einen Verwandten, von dem man bisher nichts wusste. Ja, Hundebesitzer ticken so!
Nun also der Aussie auf dem Grünstreifen am Schönberger Strand: Um sicher zu gehen, dass es bei Kontaktaufnahme nicht zu Hand- beziehungsweise Gebissgreiflichkeiten zwischen den Caniden und Ärger zwischen den Haltern kommt, rufe ich dem anderen Aussiehalter wie bei solchen Gelegenheiten üblich zu: „Rüde oder Hündin?“ „Hündin“, antwortet er, „aber ich darf gerade nicht mit ihr reden“.
Wie bitte? Egal, erst einmal Leinen los, das geht ja auch ohne große Worte ­– alles andere klären wir später: Satchy und die fremde Hundedame können sich ungeniert beschnuppern. Der Halter, nennen wir ihn Erwin, ist Rentner, kommt aus Neumünster und fahrt ab und zu mit seiner Aussiehündin hier an die Ostsee. So weit ist es ja auch nicht von Neumünster aus. „Wie heißt sie denn?“, frage ich. „Mücke“, sagt Erwin, und beißt sich fast auf die Zunge, „siehste, jetzt fühlt sie sich gleich angesprochen!“ Ansprechen darf Erwin die Sherpherdhündin nämlich zwei Wochen lang nicht, dass wurde ihm in seiner Hundeschule in Neumünster, die größte vor Ort, wie er erzählt, dringend nahe gelegt. „Sie hat nämlich ein Dominanzproblem und ein ausgeprägtes Territorialverhalten“, erzählt Erwin. Sprich: sie kläfft am Gartenzaun gern die Passanten an und macht es Freunden, Postboten und anderen Dienstleistern nicht gerade leicht, Haus und Grundstück zu betreten.
Und? Soll Erwin jetzt deswegen zwei Wochen lang die beleidigte Leberwurst spielen, oder warum darf er nicht mehr mit seiner Hündin reden. Ich ahne den dahinter stehenden Gedanken. Mücke, die sich also angeblich ausgesprochen „dominant“ und „territorial „verhält, ist außerdem sehr auf Erwin fixiert. Ihr soll jetzt zwei Wochen lang so sehr die Aufmerksamkeit entzogen werden, bis sie förmlich danach giert. Und dann eben noch mehr an Erwin klebt und sich auf ihn fixiert. Vielleicht, so scheint man in der Hundeschule zu hoffen, wird sie dann besser auf ihn hören.
Kann man ihr damit wirklich das „territoriale“ Gekläffe und Geknurre austreiben? Ehrlich gesagt, habe ich noch nie viel von solchen behaverioistischen Manipulationstricks gehalten, und zwar weder bei Menschen noch bei Hunden. Außerdem bezweifle ich in diesem Fall stark, dass das Ganze auch nur irgendwie funktioniert. Was ist das Problem? Ganz einfach, der Hund nimmt Erwin nicht für voll! Erwin ist für Mücke nicht der Typ, der die Sache im Griff hat und dem sie vertrauen kann. Also muss sie die Dinge selbst in die Pfoten nehmen: Haus und Hof bewachen und darauf achten, dass ihr und Erwin niemand dumm kommt, Konflikte regeln, aufpassen. Nicht Mücke hat ein Problem, sondern Erwin, der von seinem Hund nicht als kompetenter Chef akzeptiert wird. Und da soll zwei Wochen Aufmerksamkeitsentzug helfen? Nie und nimmer. Im Gegenteil, je weniger er sich um sie kümmert, desto mehr wird Mücke wahrscheinlich das Gefühl kriegen, dass sie sich eben noch mehr selbst kümmern und die Angelegenheiten regeln muss. „Betreiben Sie mit ihrem Hund denn irgendwelche Aktivitäten?“, frage ich Erwin. „Hm“, sagt er, „Spazierengehen, Fahrradfahren, später machen wir dann Agility und so was“. Ein eineinhalbjähriger Australian Shepherd will etwas lernen, etwas erleben, Aufgaben haben. Mit ein bisschen Spazierengehen und Fahrradfahren ist es da nicht getan. Erwin muss mit Mücke was auf die Beine stellen. Einmal wöchentlich Agility wird es da auch nicht rausreißen. Regelmäßiges Gehorsamkeitstraining, Tricks, zuhause und draußen immer wieder und vor allem regelmäßig kleine Übungen einbauen, das ist hier gefragt.
Eigentlich hätte ich Erwin dringend raten sollen, die Hundeschule zu wechseln. Aber um nicht als Klugschieter dazustehen, habe ich davon abgesehen. Erfahrungsgemäß zählen gute Tipps für die meisten nur dann etwas, wenn die so richtig teuer sind. In Erwins Hundeschule kostet die Stunde 60 Euro. Ich sollte vielleicht 100 nehmen!?

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Jul 05 2012

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Heute schon verknüpft? Sekundengedächtnis und Hundeerziehung

Abgelegt unter Mensch und Hund

Was machen Sie, wenn Ihr Hund mal wieder stiften geht, beispielsweise um einem Hasen hinterher zu jagen? Geben Sie ihm ein Leckerchen, weil er so brav wieder zurückgekommen ist? Gefühlte 80 Prozent der Hundeschulen haben ihren Kunden in den letzten Jahren genau diese Empfehlung gegeben. Denn der Hund könne sein Jagdverhalten eben nicht mehr mit einer potenziellen Bestrafung verknüpfen. Deshalb lieber belohnen, sonst kommt der Hund am Ende gar nicht wieder, so die Logik. Jetzt scheint einigen Hundetrainern zu dämmern, dass das wohl doch nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Hunde-Fachfrau Martina Dorn hat kürzlich bei Focus-Online zu Protokoll gegeben, wie man es stattdessen macht. Erst einmal solle man ihn nach dem unerlaubten Ausflug anleinen und ein paar Übungen wie „Sitz“ oder „Platz“ mit ihm machen. Und als Konsequenz rät sie den Hundefreunden, ihre Vierbeiner das nächste Mal eben ganz an der Leine zu lassen. Okay, angeleint kann der Hund nicht mehr jagen, klare Sache. Aber auf diese Weise hat man seinen Hund leider immer an der Backe, beziehungsweise an der Leine. Schluss mit Toben, Stöbern, Spielen. Auf die Dauer doch nicht so gut. Die Hundetrainerin empfiehlt: „Das Wegrennen können Besitzer vermeiden, indem sie ihr Tier beim Gassigehen nicht sich selbst überlassen. Denn meist entwischen Hunde zum Jagen, wenn sie sich nicht genug beschäftigt fühlen.“ Deshalb: Immer wieder Übungen einstreuen und mit Spielzeug ablenken. Soweit d’accord, machen Sie sich für den Hund interessant, übernehmen sie die Leitung und bestimmen Sie, wo es lang geht.
Aber einen modernen Mythos aus den Hundeschulen kann sich die Trainerin dann doch nicht verkneifen: „Hunde haben ein Sekundengedächtnis, wenn er beim Gassigehen abhaut und sie ihn danach ignorieren, kann er sein Verhalten nicht damit verknüpfen.“ Ehrlich: Dieses „Verknüpfen“ sollte mal jemand offiziell zum behavioristischen Hundeschulen-Unwort des Jahres küren.

Behaviorismus (abgeleitet vom amerikanisch-englischen Wort behavior, „Verhalten“) benennt das wissenschaftstheoretische Konzept, Verhalten von Menschen und Tieren mit naturwissenschaftlichen Methoden – also ohne Introspektion oder Einfühlung – zu untersuchen und zu erklären. (Wikipedia) Kern des Behaviorismus bildet das sogenannte Reiz-Reaktions-Schema.
Kritik am Behaviorismus – hier klicken!

Mein Hund kriegt morgens nach der ersten Minirunde zwecks Erledigung geschäftlicher Dinge immer so einen Denta-Kauknochen. Meistens hat er aber zu früher Stunde noch keinen Appetit. Er nimmt das Teil trotzdem und begibt sich in geheimer Mission auf die Suche nach einem guten Versteck. Stunden später, am fortgeschrittenen Vormittag oder mittags, kriegt er dann nach einer längeren Hunderunde seine erste Hauptmahlzeit. Und jetzt ist der Kerl nicht satt zu kriegen. Was macht er also: Er läuft schnurstracks zu der Ecke, in der er am frühen Morgen seinen Kauknochen versteckt hat, um ihn jetzt genüsslich zu verspeisen. So viel zum Sekundengedächtnis.
Ich frage mich sowieso, warum diese Sekundengedächtnis-Apologeten nicht selber drauf kommen, dass die enorme Lernfähigkeit des Hundes und die Annahme, sein Gedächtnis sei auf wenige Augenblicke begrenzt, sich nicht klar ausschließen. Der Hund ist doch kein Eichhörnchen, das schon kurz nach Verbunkern der Wallnuß nicht mehr weiß, wo es sie versteckt hat. Deshalb: Wenn Ihr Hund sich das nächste Mal unerwünschter Weise jagdlich betätigt, machen sie ihm hinterher möglichst gewaltfrei aber sehr deutlich ihren Standpunkt dazu klar. Und wenn er sich nach ein bis zwei Stunden einigermaßen von dem Schreck erholt hat, können Sie auch wieder etwas Schönes mit ihm spielen.
PS. Ich habe übrigens nichts gegen Hundeschulen, im Gegenteil. Sie sollten dort jedoch nicht Ihre eigene Urteilsfähigkeit abgeben.

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