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Achim Beinsen: Freier Journalist und Sozialarbeiter

Die etwas andere katholische Kirche

(Asphalt vom 01. August 2005).

Alt-Katholiken lehnen die Unfehlbarkeit des Papstes ab. In ihrer Kirche ist das Zölibat abgeschafft, Frauen können Priesterinnen werden. Zum Weltjugendtag nach Köln sind sie nicht eingeladen.

Alt-Katholische Eucharistiefeier
Altkatholisch Eucharistiefeier

„Vom 11. bis zum 21. August lädt der Papst die Jugend der Welt zum XX. Weltjugendtag nach Deutschland ein“, heißt es auf der offiziellen Website des römisch-katholischen Treffens, das im August in Köln stattfindet. Nicht eingeladen sind die Alt-Katholiken!

Bei den Alt-Katholiken handelt es sich um eine staatlich anerkannte und eigenständige katholische Kirche. Dort ist bereits heute Wirklichkeit, worauf etliche römisch-katholische Christen besonders in Deutschland hoffen: Zulassung von Frauen zum Priesteramt, Aufhebung des Zölibats und gemeinsames Abendmahl mit Christen anderer Konfessionen.
Zur Spaltung zwischen den Katholiken kam es im Jahr 1870, als auf dem I. Vatikanischen Konzil die Unfehlbarkeit und oberste Leitungsgewalt des Papstes verkündet wurde. Einige Bischöfe in den Niederlanden, Deutschland, Österreich und der Schweiz lehnten diese Veränderungen ab. Im Jahr 1889 vereinigten sich die rebellischen Bistümer in der „Utrechter Union der Alt-katholischen Kirchen“. Ende des 19. Jahrhunderts verbanden sie sich zu einer Kirchengemeinschaft mit der anglikanischen Kirche. „Alt“ bedeutet die Rückkehr zur katholischen Lehre vor dem Unfehlbarkeitspostulat. In Deutschland gibt es heute etwa 25000 Alt-Katholiken.
Außer einer Gesprächsdelegation auf internationaler Ebene existieren derzeit keine offiziellen ökumenischen Kontakte zwischen der alt-katholischen und der römisch-katholischen Kirche. „Zum Weltjugendtag in Köln haben wir keine Einladung erhalten“, erklärt der Bischof des alt-katholischen Bistums in Deutschland, Joachim Vobbe, gegenüber „Asphalt“.
Auf dem zurückliegenden evangelischen Kirchentag in Hannover haben die Alt-Katholiken einen ökumenischen Abendmahlsgottesdienst, in der katholischen Kirche Eucharistiefeier genannt, mit evangelischen und anglikanischen Christen gefeiert. Eine solche Feier mit römischen Katholiken wird es auf dem Weltjugendtag nicht geben. Dies hat der Pressesprecher des Weltjugendtages, Matthias Kopp, bestätigt. „An uns liegt es nicht“, betont Bischof Vobbe: „Wir praktizieren eucharistische Gastfreundschaft mit allen Getauften, die an die wirkliche Anwesenheit von Jesus Christus in der Eucharistie glauben“.
Die alt-katholische Gemeinde in Niedersachsen existiert seit 1955 und zählt etwa 1600 Mitglieder. Pfarramt und Gemeindehaus befinden sich in Hannover. Der 32jährige Pfarrer Oliver Kaiser leitet die Gemeinde seit fünf Jahren.
Gemeindevorstandsmitglied Petra Gerber hat sich bewusst für eine Mitgliedschaft in der alt-katholischen Kirche entschieden. Sie ist Ende der achtziger Jahre aus der römisch-katholischen Kirche zu den Alt-Katholiken konvertiert. „Ausschlaggebend war für mich dabei das Frauenbild“, erzählt die 40jährige Verwaltungswirtin. „Ich bin in einer streng römisch-katholischen Familie groß geworden. Mit 14 wollte ich Priesterin werden und teilte dem Bischof meinen Wunsch in einem Brief mit. Daraufhin bekam ich auch eine ernsthafte Antwort von einem seiner Mitarbeiter. Ihr Tenor lautete, das ich als Frau daran gehindert sei, ein geistliches Amt auszuüben. Ich müsse das vergleichen mit seinem Schicksal. Er habe im Krieg einen Lungenflügel verloren. Das sei eben eine Behinderung“ Diese Antwort war ein Schock für Gerber. Als Frau habe sie sich zum Mensch zweiter Klasse gestempelt gefühlt. „Das römisch-katholische Frauenbild hat sich seither nicht verändert“, sagt die Alt-Katholikin.
Bei den Alt-Katholiken werden Frauen seit 1996 zu Priesterinnen geweiht. Der inzwischen verstorbene römisch-katholische Erzbischof von Fulda, Johannes Dyba, sprach deswegen von einem katholischen „Etikettenschwindel“. Die Alt-Katholiken seien weder „alt“ noch „katholisch“, verkündete er damals.
„Selbstverständlich bleiben wir Katholiken“, erklärt Gerber. „Katholisch steht für die umfassende christliche Kirche. Außerdem praktizieren wir eine katholische Liturgie“. „Wir lehnen zwar die Unfehlbarkeit des Papstes ab“, ergänzt Pfarrer Kaiser, „bekennen uns aber zu den Lehren der alten ungeteilten katholischen Kirche. Im Gegensatz zu den Protestanten halten wir etwa an der Siebenzahl der Sakramente fest: Taufe, Eucharistie, Beichte, Firmung, Krankensalbung, Ehe und Priesterweihe.“
Vom neuen Papst wünschten sich die Alt-Katholiken Reformen, die sie wieder stärker mit der römisch-katholischen Kirche zusammenbrächten, sagt der Pfarrer. Gerber allerdings hat da wenig Hoffnung: „Das ist wohl eher eine Frage von Jahrhunderten“, befürchtet sie.
Die niedersächsischen Alt-Katholiken setzen erst einmal darauf, ihre Gemeinde attraktiver zu machen. Sie hoffen, im Jahr 2007 genug Geld für einen Kirchenbau zusammen zu haben.

Kontaktadresse:
Alt-Katholiken Hannover-Niedersachsen
Brabeckstraße 24
30559 Hannover
Tel. +49-511-664508
Fax +49-511-620477
E-Mail: hannover@alt-katholisch.de

Updated: 7. September 2007 — 18:53

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